Karl Philipp, Graf von Wrede, G.d.C (1767 - 1838)
Kommandierender General des bayrisch - österreichischen Korps 1813


W. stammte aus einer ursprünglich westfälischen, freiherrlichen Familie, sein Großvater kam Anfang des 18. Jh. nach Mannheim und trat in kurpfälzischen Staatsdienst. Geboren am 29. 04. 1767 in Heidelberg, wurde er vom Vater zum Staatsdienst bestimmt. Er studierte an der Uni Heidelberg Rechts - und Staatswissenschaften und war als "flotter Student" bekannt. Im Herbst 1785 wurde er zum wirklichen Hofgerichtsrat und Assessor beim Oberamt Heidelberg ernannt.Wrede
Im Sommer 1792 zum kurpfälzischen Land - Kommissar ernannt bekleidete er beim Heer des österr. FZM Fürst Hohenlohe eine Regierungs - Beamtenstelle. Dem Einfluss des Fürsten hatte es W. zu verdanken, dass er 1793 zum pfälzischen Ober - Landeskommissar der sich unter Wurmser am Rhein sammelnden österr. Truppen ernannt wurde. 1794 zum "Titular" Oberst ernannt, machte er alle Feldzüge am Rhein bis 1798 im österr. Hauptquartier mit. Als ihm 1799 angeboten wurde, in die Armee einzutreten, nahm er freudig an und wurde - ohne jegliche militärische Vorbildung genossen zu haben - als wirklicher Oberst angestellt und mit der Bildung eines Batallions beauftragt. Er nahm an allen Feldzügen, in denen bayrische Truppen fochten teil und machte schnell Karriere. Bereits 1800 Brigadekommandeur und Generalmajor, 1804 Generalleutnant. 1805 führte er im Feldzug Napoleons gegen Ulm die Vorhut der Kolonne Bernadotte. Die meisten Ehren erntete er 1809 als er seine Division in den Schlachten und Treffen bei Abensberg, Landshut, Neumarkt und in Tirol (dort nannte ihn Speckbacher "den Würgeengel Frede) von Sieg zu Sieg führte.
Bei Wagram machte sich W. besonders um Napoleon verdient, in dem er seine Division in 4 Tagen 180 Km zurücklegen ließ um rechtzeitig zur Stelle zu sein.
Napoleon ernannte ihn am 15. 8 . 1809 zum "kaiserlichen französischen Reichsgrafen". Wegen seiner vermeintlichen Rechte, die die bayrische Regierung nicht anerkennen wollte, kam es zu Rechtsstreitigkeiten, bei denen W. verlor.
1811, als er zum General der Kavallerie aufgerückt war, unternahm er eine Reise nach Paris, die für ihn zum Wendepunkt wurde. Es kam zu Unstimmigkeiten zwischen W. und Napoleon (nach manchen Quellen sogar beinahe zu Handgreiflichkeiten!). Tatsache ist, dass W. nach dieser Reise von Napoleon mit eisiger Kälte behandelt wurde.
Im Feldzug 1812 kommandierte W. die 2. bayrische Division des 6. Korps. Sie gehörte zu der Armeeabteilung, die bei Polozk an der Düna die linke Flanke des Hauptheeres zu decken hatte. Auf dem Rückzug schmolz die schon stark geschwächte Division weiter zusammen, als sie Wilna erreichten, waren es nur noch 300 Infanteristen und 20 Reiter. Die fortwährenden Anfeindungen der franz. Befehlshaber brachten W. dazu, die Armee zu verlassen. Er reiste in diplomatischer Mission des Königs von Bayern durch Preussen, Süddeutschland nach Paris.
Napoleon forderte in einem Brief vom 2. März 1813 den König auf, W. mit dem Befehl der bayrischen Streitkräfte, die im Frühjahr zu ihm stoßen sollten zu beauftragen. Der König lehnte ab (es wurde GL Raglovich benannt). W. erhielt den Auftrag, den König beim Wiederaufbau des bayrischen Heeres zu unterstützen.
Nach Übertritt der Bayern an die Seite der Koalition gegen Napoleon machten die neuaufgestellten Einheiten dann unter W. Führung den Feldzug des bayrisch - österreichischen Korps nach Würzburg - Hanau - Frankreich 1813 - 1815 mit. Bei der Schlacht von Hanau am 30./31.11.1813 befehligte W. die verbündeten bayrisch - österreichischen Truppen. Dabei wurde er schwer verwundet (Bauchschuß, erlitten an der Kinzigbrücke unter dem Margaretenturm in Hanau).
Als er genesen war, wurde er von den 3 Kaisern mit den höchsten Orden dekoriert.
Zurück bei der Armee, betrieb W. mit größtem Eifer den Vormarsch über den Rhein. So wie in Russland mit den französischen Marschällen, erlaubte er sich auch gegenüber Fürst Schwarzenberg nicht selten eigenmächtiges Vorgehen. In seiner Korrespondenz mit Blücher beschwerte er sich oft über dessen Schwerfälligkeit. Blücher und Gneisenau schätzten W. sehr. Er unterstütze auch vehement die Idee des direkten Vormarsches auf Paris. Nach Einnahme der Stadt, nahm W. als Vertreter Bayerns an der Unterhandlung zur Regelung der Territorialverhältnisse teil. Für seine Dienste zum Fürsten erhoben, nahm er auch an dem Wiener Kongress teil (was ihm Minister Montgelas nie verziehen hatte). W. war Soldat - kein Diplomat und so waren die Ergebnisse seiner diplomatischen Tätigkeit nicht immer zugunsten Bayerns, auch dadurch, dass er sich von Anfang an durch Metternich beeinflussen ließ.
Nach der Rückkehr Napoleons wurde W. wieder Befehlshaber der bayr. Truppen und deckte den linken Flügel der Armee Blüchers, was dieser mit großer Genugtuung quittierte. An den Kämpfen nahmen die Bayern jedoch nicht teil.
In den folgenden Friedensjahren war W. an der Gestaltung der inneren Entwicklung Bayerns beteiligt, im Verein mit Kronprinz Ludwig gelang es ihm Minister Montgelas zu stürzen. W. war maßgebend am Zustandekommen der Verfassung beteiligt und wurde erster Präsident der Kammer der Reichsräte.
In den Julitagen 1830, als auch in Bayern republikanische Gedanken aufkamen, wurde W. als außerordentlicher Hofkommissar mit ansehnlicher Truppenmacht in die Pfalz geschickt (26.6.1832). Gegen lärmende Rädeslführer schritt er mit rücksichtsloser Strenge ein, erlaubte aber keine Willkür und seinen Truppen keine Zuchtlosigkeit. Bereits im August 1832 verließ er die Pfalz wieder.
1835, als König Ludwig nach Griechenland reiste, stellte dieser W. an die Spitze des mit den Regierungsgeschäften betrauten Kronrates.
In seinen letzten Lebensjahren befasste sich W. mit der Forst - und Landwirtschaft, um die ihm seit 1815 gehörige Herrschaft Ellingen zu einem Musterbetrieb zu gestalten. Im Sommer 1836 kehrte W. krank aus Wildbad Gastein zurück, wohnte noch den Manövern bei Augsburg bei und starb dann am 12. Dezember 1838
Harald Skala

Quellen:
  • K. b. Kriegsarchiv,  Heft 22, München, 1913
  • H. Müller, Die Schlacht bei Hanau 30. u. 31. Oktober 1813 und ihre Vorgeschichte, Verlag des Hanauer Geschichtsvereins, 1913
  • Allgemeine Deutsche Biographie, Leipzig 1876 Hist. Akademie d. Wissenschaften

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