Franz Leopold v. Nádasdy auf Fogaras
k. k. Feldmarschall, Träger des Grosskreuzes des Maria - Theresia - Orden

Franz N. entstammt einer der ältesten ungarisch-siebenbürgischen Adeslfamilien, die bereits im 13. Jh. nachgewiesen ist und ursprünglich Güter in Kroatien hatte. Gleicher Abstammung wie die Geschlechter Darabos und Pethö de Gerse. Die Donation auf Fogaras erhielten die Nádasdys im Jahre 1530 von Kaiser Ferdinand I., Grafenstand 1625, Österreichischer Grafenstand 1828. Aus der Familie kamen einige hervorragende Personen, so der "große Palatin", Thomas N.

Geboren wurde Franz N. am 30. Sept. 1708 in Radkersburg/Steiermark, gestorben am 22. März 1783 in Karlstadt (G.M.Oettinger gibt in seinem "Moniteur universale" als Geburtsdatum 1717 und Sterbedatum 1778 an, was jedoch unter Anbetracht des Lebenslaufes unwahrscheinlich ist).

Eltern Graf Franz und Rosa, Gräfin Schrattenbach. Franz Leopold heiratete am 15.2.1745 Maria Maxmilliana Gräfin Rottal, die 1756 verstarb, die zweite Ehe mit Maria Susanna Freiin v. Rabatinsky (verwitwete Gräfin Draskowich) schloß er am 15.2.1759. Nachkommen hatte Franz nur aus der 1. Ehe.

Franz N. begann seine kriegerische Laufbahn im Alter von 19 Jahren 1727 im Husarenregiment Csáky (dem späteren Nr. 9), machte rasch die unteren Offiziersränge durch und war schon 1734 - nachdem er die Feldzüge in Korsika, Italien und am Rhein mitgemacht hatte und dabei ausgezeichnete Beweise seiner Tapferkeit gegeben - Obrist und Kommandant des Husarenregimentes Czungenberg (dem späteren Nr.8). Im Jahre 1739 wurde er im gleichen Rang Kommandant seines alten Regimentes (Nr.9), 1741 dann dessen Inhaber, der er bis zu seinem Tode 1783 blieb. Das Regiment trug seit 1888 seinen Namen "auf ewige Zeiten".

1744 avancierte Franz N. zum General-Major und kurz darauf zum Feldmarschall-Lieutenant. (FML). 1745 wurde er zum General der Kavallerie (G.d.C.) und zum Kommandant der Festung Ofen ernannt. 1758 wurde er zum Banus von Kroatien ernannt.

1778, als ein neuer Krieg mit Preussen bevorstand, berief ihn Kaiser Joseph noch im hohen Alter von 70 Jahren zu sich und übertrug ihm das Armeekommando in Galizien, das er jedoch wieder niederlegte, sobald der Friede zustande gekommen war.

In den knapp 20 Jahren, in denen Franz N. größere Heereseinheiten befehligte, zeigte er sich als umsichtiger, kluger Feldherr, der die Vorteile seiner leichten Truppen jederzeit vortrefflich zu nutzen wußte.

Seine Heldentaten könnten Bücher füllen. Im November 1741 nahm er den vereinten Franzosen und Bayern in Böhmen das befestigte Neuhaus weg, wodurch die Österreicher sich dem von Preussen besetzten Prag nähern konnten. Während der Belagerung von Prag streifte N. mit seinen Dragonern und Husaren längs der fränkischen Grenze und besetzte Neuburg in der Oberpfalz. 1743 stand N. in Bayern, nahm dort dem Feinde Wasserburg und Friedberg und drängte die Franzosen bis an den Neckar. Im März siegte er über Minucci bei Braunau, nahm Oetting, Burghausen, Mülldorf und andere Orte zwischen Inn und Salza. Den Plan zum Übergang des Rheins, der im Juli 1744 bei Schreck stattfand, entwarf Franz N. mit Prinz Karl. Bekannt nur dem Prinzen, Feldmarschall Traun und Franz N. wurde der Plan mit größter Präzision und Erfolg durchgeführt. Während Oberst Trenk mit seinen Panduren die bayrischen Vorposten beschäftigte, übersetzten die Vortruppen Nádasdys auf Booten den Fluß, über den zwischenzeitlich eine Brücke geschlagen wurde. Mittags hatten bereits 6000 Mann den Fluß überquert und nächsten Morgen stand Prinz Karl mit seiner gesamten Armee am anderen Ufer.

Als sich die Franzosen anschickten die Linie Lauterburg-Weissenburg zu besetzten, kam ihnen N. zuvor und besetzte beide Orte. Seine weiteren Siege in dieser Kampagne waren bei Hagenau und Elsaß-Zabern. Nachdem die Dispositionen geändert wurden und die Österreicher den Rückzug antraten, sicherte N. mit seinen leichten Truppen diesen so umsichtig, daß es kaum zu Verlusten an Mensch und Material kam.

Im Feldzug des Jahres 1745 durchstreifte N. mit seinen Truppen Oberschlesien und tat sich besonders bei der Schlacht von Trautenau (Soor, 30.9.) hervor, als er in das feindliche Lager einfiel und Kriegskasse, Kanzlei und das Feldgerät König Friedrich II. erbeutete.

Im folgendem Jahre brach der Krieg in Italien aus und auch hier lieferte N. Beweise seines kriegerischen Können. Am 17.3.1746 schlug er die anrückenden Entsatztruppen bei Guastalla, kämpfte bei Piacenza und nahm die Stadt selbst, wobei er 7000 Gefangene machte. Roddofreddo, Novi, Genua, der Pass von Bocchetta waren weiter Erfolge. Beim Rückzug General Browns im Februar 1747 erhielt N. den Befehl die Belagerung von Genua bis zum folgenden Jahr aufrecht zu erhalten.

Als Ban von Kroatien sorgte N. für die Aushebung und Ausrüstung neuer Truppen in den Ländern der unteren Donau und führte diese 1757 dem Daun´schen Heer zu. Nach einiger Zeit in Mähren und Schlesien holte ihn Daun zu seiner Hauptarmee in Böhmen, wo es am 18. Juni zu der schicksalhaften Schlacht bei Kolin kam, in der  N. durch einen Flankenangriff den Sieg der Österreicher besiegelte und Friedrich II. die Belagerung von Prag abbrechen mußte. Das  nach der Schlacht von Maria-Theresia gestiftete Grosskreuz erhielten als erste FM Daun und G.d.C. Franz N. 

Im gleichen Jahr waren Truppen unter Befehl von N. in den für Preussen unglücklichen Gefechten bei Landeshut und Moys beteiligt.

Eine weitere hervorragende Aktion von Franz N. war die Besetzung von Schweidnitz, daß er in 16 Tagen nach Zerstörung dreier Forts am 13.11.1757 erstürmte. Beträchtliche Kriegs- und Lebensvorräte, eine Kasse von 335.000 Gulden sowie 4 Generäle und 6.000 Mann Gefangene fielen N. in die Hände.

Die letzte große Schlacht, an der N. teilnahm war die bei Leuthen am 5.12.1757.
N. hatte dem Befehlshaber Herzog v. Lothringen abgeraten, seine sichere Position bei Leuthen zu verlassen und dem König entgegenzuziehen, der Herzog befolgte jedoch den Rat nicht und so kam es zu einer der schwersten österreichischen Niederlagen, die über 6.000 Tote, 20.000 Gefangene, 200 Kanonen kostete.

Nach dieser unglücklichen Schlacht kehrte N. in sein Banat zurück und widmete seine Aufmerksamkeit Reformen in den unteren Donauländern, vornehmlich den Grenzregimentern, die unter seiner Obhut nach und nach eine so vorteilhafte Gestalt annahmen, daß sie nicht mehr als eine unregulierte Miliz gehalten werden konnten

Harald Skala

Wappen der Familie: In B. auf n. Wasser zwischen Binsen, eine flugbereite Ente (seit Anfang an unverändert).
Wahlspruch: "Sie Deus pro nobis quis contra nos?"
 
Quellen:
  • G. v. Wurzsbach, Biographisches Lexikon des österr. Kaiserreiches", Wien, Band 19/20
  • A. Frhr. v Wrede, Geschichte der K. u. K. Wehrmacht, Wien, 1898-1905
  • Siebmachers Wappenbuch, Band 33, ungarischer Adel

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