Jacob Florent Franz, Graf de Thiennes
Herr zu Rumbeke, Obrist des legendären k. k. Dragonerregiments
de Ligne
Geboren 1709 in Auweghem. Sohn des Wauthier
Theodor de Thiennes, Baron de Leydenburg und Marie Phillipine Hubertine
van der Gracht, Dame (Herrin)von Liere. Vater Wauthier war Oberstlieutenant
in französischen Diensten.
Jacob war erst Edelknabe bei der Erzherzogin Marie Elizabeth,
Schwester Kaiser Karl VI. und Regentin der Niederlande, kam später
im Rang eines Kapitäns zum Dragonerregiment de Ligne. Kurz vor der
Schlacht bei Kolin im Juni 1757 zum Obristen und Kommandanten des Regiments
ernannt, schrieb er sich mit goldenen Lettern in die Annalen der Geschichte
der k.k. Armee ein.
Das Regiment bestand damals aus gerade geworbenen, sehr
jungen Soldaten niederländischer und lothringischer Herkunft, die
noch keine (damals für die Kavallerie vorgeschriebenen) Bärte
trugen.
Während der Schlacht, die sich anfangs für
die Österreicher nicht gut entwickelte, bat Graf Thiennes Feldmarschall
Graf Daun, der das Kommando über die Armee führte, um die Erlaubniß
mit seinen Dragonern eine Attacke auszuführen. Daun hatte in die junge
Mannschaft kein besonderes Vertrauen und lehnte ab. Erst nach wiederholtem,
drängendem bitten des Obristen Thiennes gab Daun seine Zustimmung,
jedoch mit den Worten: "..mais vous ne ferez pas grande chose avec vos
blancs becs.." Thiennes ritt zu seinem Regiment und rief seinen Dragonern
zu: "Zeigt ihr Gelbschnäbel, daß ihr beißen könnt,
wenn ihr auch noch keinen Bart habt!"
Mit der Kavalleriedivision des Feldmarschall-lieutenants
Ludwig Graf Starhemberg an der Spitze seines Regimentes warf sich Obrist
Thiennes in die Massen der preussischen Infanterie. Die Attacke gelang
volkommen und trug zur Wende der Schlacht zugunsten der Österreicher
bei.
Die Verluste des Regiments waren erheblich, über
500 Dragoner blieben auf dem Schlachtfeld, darunter viele Offiziere, auch
so berühmte Namen wie Ficquelmont und Aspremont. Bei einer Eskadron
fielen alle Offiziere und der schwer verwundete Corporal Pforzheim (später
Ritter des Maria-Theresia-Orden und Oberst des Regiments) kommandierte
die Eskadron mit solchem Erfolg, daß er noch auf dem Schlachtfeld
zum Lieutenant befördert wurde.
Zum Gedächtniss dieses Tages, der dem Regiment unsterblichen
Ruhm gebracht hatte, erhielt dasselbe von Kaiserin Maria Theresia das Vorrecht
k e i n e Schnurrbärte zu tragen. Ausserdem schenkte ihm die Kaiserin
4 Estandarten, auf welchen Scenen aus der Schlacht bei Kolin dargestellt
waren.
Die Devise der 1. Standarte: "Qui s`y frotte s`y
pique"
2. Standarte: "Plus ils
coutent, plus ils sont précieux"
3. Standarte: "C`est en
vain qui`ils la protègent"
4. Standarte: "Ah que
n´en a-t-il davantage"
Graf Thiennes führte dann noch sein Regiment in den
Schlachten bei Breslau und Leuthen, lag 1758 im Winterquartier in Chrast,
zog dann im Juli 1759 in das Lager bei Olmütz und von da nach Sachsen,
wo es bei Stolpen hervorragend focht.
Als dann Feldmarschall Daun sein befestigtes Lager bei
Stolpen verlassen hatte und in der Nacht vom 13. auf den 14. Oktober die
Preussen in ihrem Lager bei Hochkirch überfiel, war auch Graf Thiennes
mit seinen Dragonern dabei. Daun errang einen Sieg, aber Graf Thiennes
mit vielen seiner Offiziere fanden in der Schlacht den Tod.
Seine Leiche wurde von seinen Dragonern in eine erbeutete
preussische Fahne eingewickelt und vom Schlachtfeld zurückgeführt.
Feldmarschall Daun ließ dem Regiment im Armeebefehl eine öffentliche
Anerkennung zuteil werden.
Graf Thiennes war nach Kolin für das Ritterkreuz
des Maria-Theresien-Orden vorgesehen (für die Schlacht bei Kolin bekam
es sein Divisionär, Graf L. Starhemberg).
Er hinterließ eine Tochter, somit starb mit ihm
die Familie im Mannesstamm aus.
Harald Skala
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