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Lacy, Franz Moritz, Graf, kaiserlicher Feldmarschall
Stammte aus normannischem Adel in der irischen Grafschaft Limerick von
wo die Familie 1691 nach Livland auswanderte. Geboren 21.10.1725 in St.
Petersburg, gestorben am 24.11.1801 in Wien.
Vater: Peter, Graf L. (Reichsgraf 1740, *1678, +1751), russischer GFM,
Oberkommandierender 1734 bei Danzig u. am Rhein, 1736 auf der Krim, 1741
in Finnland. Gouverneur von Livland. Mutter: Martha v. Funcke auf Lösern,
Livland. (*1685, +1759)
L. wurde nach den Kinderjahren in St. Petersburg an die Ritterakademie
in Liegnitz geschickt. Nach zweijährigem Studium ging er nach Wien
und trat 1743 als Fähnrich in das IR Brown ein. Er focht während
des Erbfolgekrieges in Italien, Schlesien und den Niederlanden und avancierte
1750 zum Oberst. Im Siebenjährigen Krieg wegen hervorragender Leistungen
1756 zum GFWM befördert und am 20.2.1758 als FML zum Chef des Generalquartiermeister-Stabes
ernannt.
In dieser Funktion leitete er 1758 den Entsatz von Olmütz und
entwarf den Plan des Überfalls von Hochkirch am 14.10.1758. Dafür
erhielt er im Dezember d.J. das Großkreuz des Maria-Theresia-Orden.
Auch bei der Gefangennahme des Fink`schen Korps bei Maxen am 20.11.1759
traf L. die entscheidenden Dispositionen, ohne jedoch den Oberkommandierenden
Daun zu nachdrücklichen Ausnutzung des errungenen Vorteils bewegen
zu können. Auf Veranlassung von Daun wurde L. zum Feldzeugmeister
befördert, geriet jedoch gleichzeitig wegen seines bedächtigen
Taktieren wiederholt in heftigen Gegensatzt zu dem auf strategische Entscheidungen
drängenden G. Laudon.
Bis zum Ende des Krieges übernahm L. ebenso wie sein Rivale Laudon
ein selbständiges Korps. Im Feldzug 1760 gelang es L. durch geschicktes
Manövrieren die Reichsarmee zu decken. Im selben Jahr stieß
L. im Rücken Friedrich II. bis Berlin vor ohne allerdings einen strategischen
Gewinn zu erzielen. In all diesen Operationen zeigte sich jene allen Entscheidungen
ausweichende Taktik, die L. auch in den späteren unter Joseph II.
geführten Feldzüge kennzeichnete.
L. war - bei allen Erfahrungen und Kenntnissen - ein typischer Vertreter
der schulmäßig unbeweglichen Kriegsführung seiner Zeit.
In der Theorie und Praxis der Heeresorganisation gelangen ihm jedoch
außergewöhnliche Leistungen. Er bekleidete die wichtigsten Ämter
der österr. Militäradministration; 1763 wurde L. Hofkriegsrat,
1765 Generalinspektor der gesamten Armee,1768-74 Präsident des Hofkriegsrates
und am 28.5.1774 Mitglied des Staatsrates. L. war auch seit der Schaffung
des Generalquartiermeisterstabes 1757/58 sehr erfolgreich mit der Vereinheitlichung
und Straffung der inneren Organisationsstruktur des Heeres befaßt.
Man kann L. auch als Begründer der Staatskartographie in Österreich
betrachten, da er durchsetzte, daß der Quartiermeisterstab nach Beendigung
des Siebenjährigen Krieges als Topographenkorps weiter bestehen blieb.
L. war auch Verfasser eines neuen Infanterie- und Kavalleriereglements
und des ersten Generalreglements, das am 1.9.1759 durch Maria-Theresia
erlassen wurde. L. blieb auch unter Joseph II. der entscheidende Ratgeber
in allen das Militär betreffenden Fragen und konnte seinen Einfluß
bis ins hohe Alter bewahren.
Quelle:
Neue Deutsche Biographie, Historische Kommission bei
der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band XIII, Berlin, 1982
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