Friedrich Ludwig, Prinz von Württemberg-Winnental
k. k. Feldzeugmeister

Geboren am 5.11.1690 In Stuttgart. Er war der jüngste Sohn des Herzogs Friedrich Carl v. Württemberg aus dessen Ehe mit Eleonore Juliane geb. Markgräfin v. Brandenburg-Anspach. Seine Brüder waren Prinz Karl Alexander, Heinrich Friedrich und Max Emanuel.
Nach seiner Ausbildung am Collegium Illustre in Tübingen und danach an der Akademie in Genf reiste F. 1703 nach Dresden, wo er einige Jahre blieb um das Kriegshandwerk zu erlernen.
F. trat 1708 in die holländische Armee ein und nahm mit seinem Bruder Heinrich Friedrich in den Niederlanden an den Feldzügen des Spanischen Erbfolgekrieges teil.
Friedrich Ludwig von
                      Württemberg 1715 kehrte er nach Sachsen zurück und kämpfte in sächsisch-polnischen Diensten gegen die Schweden in Vorpommern. Dort beteiligte er sich an der Eroberung der Insel Usedom. Beim Angriff auf Rügen und der Belagerung der Festung Stralsund zeichnete sich F. durch große Tapferkeit und Umsicht aus.
1716 zog er nach Ungarn, wo er unter Prinz Eugen als Freiwilliger gegen die Türken kämpfte. Bei der Belagerung von Belgrad 1717 zeichnete er sich erneut aus und bekam von Kaiser Karl VI. darauf das IR Nr.10, das bis dahin sein Bruder Heinrich Friedrich innegehabt hatte, als Inhaber verliehen.
Im Januar 1718 wurde F. vom Kaiser zum Feldmarschall-Lieutenant (FML) ernannt. Kurz darauf wurde er auch polnisch-sächsischer Generallieutenant.
Im Jahre 1721 erwarb F. die Besitzung Neschwitz in der Oberlausitz
Am 22.10.1722 heiratete F. - wie es aussieht ohne Zustimmung der herzoglichen Familie - Ursula Catharina, geschiedene Gräfin Lubomirska, Reichsfürstin von Teschen (heute Cieszyn, Polen). F. konvertierte vorher wahrscheinlich zum Katholizismus, da die Ehe von einem Dresdner Jesuiten geschlossen wurde.

Es ist nicht üblich, in Biographien der Heerführer näher auf ihre Ehefrauen einzugehen, aber die Umstände dieser Verbindung sind zum besseren Verständnis der Bräuche und Sitten des Hochadels jener Zeit sicher von Interesse. Ich widme also hier der Braut von Friedrich Ludwig einige Zeilen.
Ursula Catharina war eine Nichte des polnischen Kardinals Radziejowski. Geboren am 25.11.1680 wahrscheinlich in Warschau als Tochter des Johann Heinrich von Altenbockum und der Konstanze Thekla, geb. Gräfin Branicka. Ihre Kindheit verlebte sie im Palais Bockum, das 1713 von König August dem Starken in den neuangelegten sächsischen Garten eingegliedert wurde und zunächst als "Türkisches Palais", später dann als Orangerie umgebaut wurde.
Um das Jahr 1700 heiratete U. den Krongroßmarschall der Republik Polen, Jerzy Dominik, Fürst Lubomirski (1677 - 1727), der sein Palais neben dem königlichen Schloss in Warschau in den Jahren 1698 - 1701 großzügig ausgebaut hatte.
Im Jahre 1703 wurde U. Mätresse August des Starken und ließ sich von Fürst Lubomirski scheiden. 1704 gebar sie August einen Sohn - den später gut bekannten Johann Georg, Chevalier de Saxe. Kurz darauf wurde U. - sicher auf Betreiben August des Starken - von Kaiser Leopold I. der an einem guten Verhältnis zu dem Polenkönig stark interessiert war - zur Reichsfürstin von Teschen erhoben. Aber bereits ein Jahr später trennte sich August von ihr. Wie es in diesen Kreisen üblich war, sorgte der Liebhaber für ein sorgenfreies Leben seiner ehemaligen Mätresse.
Er schenkte ihr zum Abschied die Herrschaft Hoyerswerda. Sicher ist er auch als Ehestifter der Verbindung zwischen dem Württemberger und Ursula zu betrachten.
Für F. war die Ehe mit der 10 Jahre älteren Braut vor allem aus finanzieller Sicht verlockend. Da Ursula zur Zeit der Heirat bereits 42 Jahre alt war, verwundert es nicht, dass die Ehe kinderlos blieb. Nach dem Tode F. bei Parma nahm Ursula - wie es bei der Trauung ausgemacht war - den fürstlichen Württemberg´schen Titel und Wappen an. Obwohl die herzogliche Familie anfangs dagegen war, machte man ihr später keine weiteren Anstände. Ursula lebte weiterhin in Dresden und starb dort am 5.5.1743. Begraben wurde sie in der Jesuitenkirche zu Leitmeritz (heute Litomerice, Tschechei).

1723 begann F. mit dem Bau des Schlosses in Neschwitz. Im gleichen Jahr
wurde er von Kaiser Karl VI. in Prag zum General-Feldzeugmeister ernannt. 1726 erhielt er dann von seinem Gönner, August dem Starken, den Rang eines sächsisch-polnischen Reitergenerals, ein Jahr später als Geschenk ein Grundstück in der Dresdner Friedrichstadt, wo F. ein Gartenpalais errichten ließ (sein Stadtpalais befand sich wahrscheinlich in der Inneren Pirnaischen Gasse, der späteren Landhausstraße).
Ab 1731 wieder in kaiserlichen Diensten als kommandierender General in Parma und Piacenza. 1732 führte er 7.000 Mann Hilfstruppen zu Gunsten der Genuesen gegen die Rebellen in Korsika. Der Senat von Genua widmete F. für seine Verdienste bei der Niederschlagung der Rebellion einen Stock dessen Knopf - und einen Degen, dessen Gefäß aus Gold, reich mit Diamanten besetzt war sowie 8 Gemälde, deren vier verschiedene Taten des Generals in Korsika darstellten.
Im Jahre 1733 befehligte F. das bei Groß-Glogau aufgestellte Observationskorps.
Im August des gleichen Jahres erhielt er das Generalkommando in den Niederlanden und kurz darauf in dem italienischen Feldzug ein Korps unter dem Oberkommando des FM Grafen F.C. Mercy. Als dieser in der Schlacht bei Parma am 27.6.1734 fiel, übernahm F. das Kommando. Nach der Schlacht, übertrug der Kaiser den Oberbefehl über die Armee in Italien FM Graf Königsegg.
F. kämpfte dann noch als Korpskommandant am 15.9. bei Quistello, zuletzt am
19.9. 1734 bei Guastalla, wo er - im Begriff ein frisches Pferd zu besteigen - durch zwei Kugeln in das rechte Auge und in die Brust getroffen - den Heldentod fand.
Friedrich Ludwig wurde in der Kirche St. Agnese in Mantua (heute nicht mehr bestehend) beigesetzt.

Harald Skala

Quellen:

C. v. Wurzbach, Biographischer Lexikon des Kaiserthums Österreich, Wien 1861
Das Haus Württemberg - Ein biographisches Lexikon, Kolhammer Verlag.

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