Die Belagerungen von Landau 1702 und 1703
 

Einleitung

Die Reichsstadt Landau wurde im Westfälischen Frieden 1648 dem Schutze Frankreichs überantwortet. Völkerrechtlich wurde die Stadt erst im Ryswijker Frieden 1697 mit zehn anderen elsässischen Reichstädten Frankreich zugesprochen.

 
Landau war der äußerste östliche Wachtposten Frankreichs und deshalb von enormer Wichtigkeit. Bereits 1688 befahl Ludwig XIV. seinem Festungsbaumeister Marschall Vauban, Landau in eine moderne Festung umzuwandeln. Die alten Stadtmauern wurden abgerissen und sechzehn königliche Bataillone unter General Montclar begannen mit Hilfe von ca. 14.000 Bauarbeitern aus der Umgebung im Frühjahr 1688 mit dem Umbau, der nach nur drei Jahren vollendet war. Während des Baues brach 1689 in der Stadt ein großes Feuer aus, das 3/4 der Häuser einäscherte. Den Franzosen kam dies nicht ungelegen. Beim Neuaufbau wurden - ohne Rücksicht auf bisherige Besitzverhältnisse - geradlinige, breite Straßen und Plätze für Truppenaufstellungen geschaffen. 1700 wurde dann vom Ingenieurobersten Tarade (der nach dem Feuer auch den neuen Bebauungsplan der Stadt entworfen hatte) auf dem nord-westlich gelegenen Hügel ein Kronwerk erbaut, das die Festung von dieser Seite zusätzlich schützte.
 
Die Grundform der Festung entsprach Vaubans weiterentwickelten Fortifikationsplänen und bildete ein längliches Achteck, dessen Ecken sieben bastionierte Türme und ein großes Reduit bildeten. Ringsum war der innere Bereich durch einen Graben abgeschlossen. Durch ein ausgeklügeltes Schleusensystem konnte der Graben bei Bedarf geflutet werden. Vor dem Graben lagen die Außenwerke mit dem gedeckten Weg. In die Stadt führten nur 2 Tore; im Süden und Norden. Die Festung wurde durch den Fluss Queich in 2 Teile geteilt, dessen linker Teil durch Überflutung des vorliegenden Geländes wirksam geschützt werden konnte. Zwei Drittel der Festung waren so durch einen breiten und tiefen Überschwemmungskessel (Flaque genannt) für anstürmende Truppen so gut wie unüberbrückbar. Eine schmale Holzbrücke über die Flaque bildete die einzige Verbindung mit dem Kronwerk.
 
Bereits seit 1701 wütete der Krieg um die Krone Spaniens zwischen den Habsburgern und dem französischen König, die beide Ansprüche angemeldet hatten.
Nach dem im ersten Jahr hauptsächlich in Oberitalien gekämpft wurde, übertrugen sich die Kampfhandlungen im nächsten Jahr auch nach Deutschland.
 
Auf der Seite Habsburgs standen auf dem deutschen Kriegsschauplatz England und die Niederlande, von den deutschen Ständen der fränkische, schwäbische, oberrheinische, kurhessische und westfälische Kreis und der Kurfürst von der Pfalz. Vertraglich sollten noch weitere Staaten des Reiches Truppen zur Verfügung stellen.
Mit Frankreich verbündet war Spanien mit seinen außerspanischen Besitzungen, Savoyen und Piemont, der Erzbischof von Köln und - etwas später - Kurfürst Max Emanuel v. Bayern.
 
Die kaiserlichen Armeen sammelten sich am Rhein und in Wien wurde darüber beraten, wo die Feindseligkeiten eröffnet werden sollten. Prinz Eugen v. Savoyen behielt den Oberbefehl in Italien, Markgraf Ludwig v. Baden, der berühmte "Türkenlouis", erhielt am 18.6.1702 den Oberbefehl über die kaiserlichen Truppen am Rhein. Bereits früher war ihm von den Reichsständen der Oberbefehl über die Truppen der Kreise anvertraut worden.
Schon im April hatte Ludwig den Rhein bei Speyer überquert, besetzte Weißenburg und Lauterburg um anschließend gegen Landau vorzurücken.
Die Pfälzer Truppen (6 Infanterie und 6 Reiterregimenter) lagerten bei Lustadt, weitere 2.000 Mann unter General Graf Leiningen hielten Germersheim und einige Orte in der Umgebung besetzt. Bei Rastatt lag die Hauptmacht der Kaiserlichen unter FML Graf Friesen, die am 22.4. bei Daxlander-Au den Rhein überschritt um sich mit dem Markgrafen zu vereinigen.
Am 24.4. besichtigte Ludwig v. Baden mit einigen Ingenieuren die Landauer Festungswerke um sich dann in das bei Langenkandel errichtete Feldlager zu begeben.
All diese Handlungen erfolgten vor der offiziellen Kriegserklärung an Frankreich, die erst am 15.5.1702 übergeben wurde (Das Reich erklärte den Krieg sogar erst am 6.10.!!)
Landau war also ab Ende April im weiten Kreis von kaiserlichen Truppen und ihren Verbündeten umgeben, wobei es vorerst zu keinen Feindseligkeiten kam.
 

Ausfall aus der Festung

Die Belagerung Landaus durch die Kaiserlichen 1702
 
Kommandant von Landau war Generalleutnant Ezéchiel du Mas, Graf de Mélac, mit seinen 72 Jahren ein erfahrener Soldat (unrühmlich durch die Verwüstung der Pfalz 1688 bekannt geworden).
Ihm zur Seite stand Brigadiér de l`Esperoux, Kommandant der Infanterie war Brigadiér d´Amigny, Kommandant der Artillerie war du Breuil, Villars war oberster Ingenieur, zum Geniechef wurde Kapitän Rovère ernannt. Im Kronwerk der Festung befehligte Oberstleutnant Colomes.
Zur Zeit der Einschließung war eine Reihe von franz. Offizieren außerhalb auf Urlaub, die nun versuchten, noch in die Festung zu gelangen. Brigadiér d´Amigny gelang dies noch am 16.6. in Verkleidung als Bauer.
Weniger erfolgreich waren bereits am 18.5. Oberst de Nettancourt (dessen Reiter zur Festungsbesatzung gehörten) und Brigadiér de Guesques gewesen. Nur noch 30 Schritte vor der Festung wurden beide von pfälzischen Reitern gestellt und gefangen.
(Nettancourts Regiment führte anschließend Oberst de Gournay).
Das Offizierskorps schrumpfte auch während der Belagerung, nicht nur durch Tod oder Verwundung, sondern auch durch Desertion. Am meisten betroffen war Mélac durch die Desertion des Ingenieuroffiziers La Douder, der im Kronwerk Dienst tat und die dortigen Minen und andere Verteidigungsanlagen genau kannte. Mélac ließ ihn in Abwesenheit durch ein Kriegsgericht aburteilen. Eine mit seinen Uniformstücken bekleidete Puppe wurde auf einem Galgen, der auf einer Bastion des Kronwerks errichtet wurde aufgehängt.
 
Die Besatzung von Landau, die noch von Marschall Nicola de Catinat durch ein Bataillon königlicher Artillerie verstärkt wurde, bestand aus 4.095 Mann Infanterie und 240 Reitern (andere Quellen geben ca. 3.500 und 240 an).
Es waren dies 2 Bataillone des Reg. Nettancourt, je ein Bataillon der Regimenter
de la Sarre, de Bourbon und Soissinaise, 2 Bat. königliche Artillerie und 2 Eskadronen (8 Kompanien) des Reg. Forsac. Dazu kam noch die sogen. "Freikompanie Mélac" die jener aus Überläufern bilden ließ.
 
Die Belagerungstruppen der Verbündeten vor Landau setzten sich wie folgt zusammen:
 

Zugehörigkeit

Bataill.

Eskad.

Regiments  Name

Bemerkung

Kaiserliche

   1

  ---

IR Osnabrück

 

Truppen

   --

   6

KR Darmstadt

noch nicht angelangt

 

   --

   6

KR Cusani

 

 

   --

   6

KR Castell

noch nicht angelangt

 

   --

   6

KR Gronsfeld

 

 

   1

   --

IR Bayreuth

 

 

   1

   --

IR Fürstenberg

 

 

   4

   --

IR Marsigli

noch nicht angelangt

 

   2

   --

IR Thüngen

 

 

   1

   --

IR Baden

 

 

   --

   6

KR Hannover

 

 

...--

   6

KR Zante

 

 

   --

   6

KR Hohenzollern

 

 

   --

   6

DR Styrum

 

 

   1

   --

IR Salm

noch nicht angelangt

Summe:

  14

  48

 

8.400 Mann + 8.000 Reiter

Schwäbische

   1

   --

IR Reischach

 

Truppen

   1

   --

IR Fürstenb.-Stühling.

 

 

   --

   2

DR Württemberg

noch nicht angelangt

 

   1

   --

IR Baden-Durlach

 

 

   1

   --

IR Fürsten.-Möskirch

 

 

   1

   --

IR Baden-Baden

 

Summe:

   5

   2

 

3.500 Mann + 240 Reiter

Würzburger

   3

   --

IR Bibra

 

Truppen

   2

   --

IR Fuchs

 

 

   --

   4

DR Schad

 

Summe:

   5

   4

 

3.000 Mann + 800 Reiter

Pfälzer

   2

   --

IR Sachsen-Meining.

 

Truppen

   1

   --

IR Anspach

 

 

   2

   --

IR Iselbach

 

 

   --

   3

DR Vehlen

 

 

   --

   3

KR Hofkirchen

 

 

   2

   --

IR Lübeck

 

Summe:

   7

   6

 

4.800 Mann + 800 Reiter

Oberrheiner

   2

   --

IR Nassau-Weilburg

 

Truppen

   2

   --

IR Buttlar

 

 

   --

   3

DR Darmstadt

 

Summe:

   4

   3

 

2.400 Mann + 360 Reiter

Fränkische

   1

   --

IR Schnebelin

 

Truppen

   1

   --

IR Erffa

 

Summe:

   2

   --

 

1.400 Mann

Churrheiner

   --

   3

DR Bibra

 

(Churmainz)

   2

   --

IR Churmainz

noch nicht angelangt

Truppen

   2

   --

IR Schrattenbach

 

Summe:

   4

   3

 

2.400 Mann + 360 Reiter

Württemberger

   --.

   1

Leibgarde

120 Reiter

Anspacher

   --

   1

Gardereiter

120 Reiter

Oettinger

   --

   1

Gardereiter

120 Reiter

 
Insgesamt:              41       71                                               25.900 Mann + 10.920 Reiter

                                                                                                 (inkl. 10 Grenadierkompanien)

Abkürzungen: IR= Infanterieregiment, KR= Kürassierreg., DR= Dragonerreg.

 

Die o. erw. Truppeneinheiten und Zahlen entsprechen der "Ordre de Bataille", also dem Idealzustand. Sie befanden sich sicher nicht alle während der ganzen Belagerung vor Landau.
Das Husarenregiment Forgách (das spätere HR Nr.3 - es gehörte nicht direkt zu den Belagerungstruppen) rückte z.Bsp. von seinen Standorten in Ungarn erst am 15. Juli aus, marschierte über Prag - wo es sich mit dem IR Salm, den KR Gronsfeld, Zante , Hohenzollern, dem DR Castell und den Husarenregimentern Czungenberg und Kollonits vereinte - weiter über Plan, die Oberpfalz, Franken, Schwaben nach Phillippsburg. Dort trafen die Regimenter am 27. August ein!
Weiterhin wurden nachweislich 5 schwäbische Bataillone während der Belagerung nach Lauterburg-Berg verlegt und durch kaiserliche ersetzt.
Die obige Aufstellung zeigt also nur sehr bedingt, welche Truppen vor Landau standen.
 
Zur Sicherung vor einem ev. heranziehenden Entsatzheer hatte Markgraf Ludwig an der Lauter 10 Bataillone und 15 Eskadronen postiert, am oberen Rhein 7 Bat. und 8 Eskad. und bei Rastatt und Offenburg 7 Bat. und 12 Eskad.
 
Der Effektivstand der gesamten Streitmacht des Markgrafen Ludwig dürfte im Juni 1702 jedoch kaum 32.000 Mann und 14.000 Reiter erreicht haben.
 
Markgraf Ludwig hatte in seinem Stab eine Reihe von vorzüglichen Offizieren, die er teilweise von seinen früheren Einsätzen gegen die Türken kannte.
Seine wichtigste Stütze war der regierende Markgraf von Bayreuth, der viele Nächte bei den Truppen in den Laufgräben verbrachte und vor Ort die Arbeiten leitete (er übernahm Anfang September, als ein Entsatzversuch Catinats befürchtet wurde, den Oberbefehl der Truppen an der Lauter, wo er Fürst v. Hohenlohe ablöste)
FM Hans Karl v. Thüngen war ein alter Weggefährte Ludwigs, der sich schon bei Szlankamen hervorgetan hatte.
Zu erwähnen wären noch Prinz v. Sachsen-Meiningen, FML Herzog Karl Alexander von Württemberg, GFWM Franz Sebastian v. Thürheim und der Fürst Maximilian Karl zu Löwenstein.
Etwas später - in Begleitung des Erzherzog Joseph -  kam auch ein Verwandter Ludwigs, Prinz Ludwig Thomas v. Savoyen-Carignan vor Landau. Ihn ereilte am 16.8 bei einem Angriff der Tod, als er von einer Bombe getroffen wurde.
 
Am 15.6. brach Ludwig das Lager bei Langenkandel ab und rückte mit der ganzen Armee vor Landau, wo er sie in sechs großen Lagern rund um die Festung placierte. Sein Hauptquartier legte er nach Arzheim. Am nächsten Tag begannen die Belagerungsarbeiten. Der Markgraf plante 3 Angriffsrichtungen: den Hauptangriff gegen das Südtor der Festung (Französisches Tor) den er selbst führen wollte; einen Scheinangriff gegen die Erdwerke am Queichausfluß, geführt durch pfälzische Truppen unter den Generälen Graf Nassau-Weilburg und Graf Leiningen und einen Angriff gegen das Kronwerk unter der Leitung des kaiserlichen FM Baron v. Thüngen.
 
Die Franzosen störten die Arbeiten an den Annäherungsgräben durch heftiges und sehr zielsicheres Feuer aus den Festungsgeschützen (da in der Festung genügend Pulver und Kugeln vorhanden waren, hatten die Franzosen bis zum 2. Juli, als die kaiserlichen Belagerungsgeschütze endlich in Aktion treten konnten, bereits 15- bis 20.000 Kugeln verschiedener Kaliber verschossen. Es war bekannt, dass die zu dieser Zeit besten französischen Artilleristen in der Festung waren). Die Arbeiter, von denen Tag und Nacht 1.200 - 1.500 im Einsatz waren,  wurden deshalb mit Kürassen und Helmen, die man der schweren Kavallerie abgenommen hatte, ausgerüstet.
 
Markgraf Ludwig konnte diesem Feuer anfangs wenig entgegen setzten. Seine Armee hatte Mitte Juni außer einigen kleineren Feldgeschützen noch kein einziges  Belagerungsgeschütz! Er stellte also in den ausgehobenen Batterien vorerst die vorhandenen Geschütze auf, die jedoch an den massiven Festungsmauern keinerlei Schaden anrichten konnten.
Nach viel Mühe und langen Verhandlungen, die im Namen des Oberbefehlshabers von Fürst Löwenstein geführt wurden, schickten die Reichsstädte Frankfurt, Nürnberg, Augsburg und Ulm ihre schweren Geschütze nach Landau, wo die ersten am 21.6. eintrafen (42 Halbkarthaunen, 2 Viertelkarthaunen und 13 Mörser). Hanau und Darmstadt lieferte einen Teil des benötigten Pulvers. Aber noch immer fehlte es an qualifizierter Bedienungsmannschaft.
Der Markgraf ließ auf eigene Kosten 20 Feuerwerker aus der Pfalz und 22 aus Böhmen anwerben. Nach ihrer Ankunft konnte zumindest ein Teil der Belagerungsgeschütze am 2. Juli mit der Bombardierung der Festung beginnen. Als am 7. Juli mit der Post (!) weitere 60 Feuerwerker aus Böhmen ankamen, wurde in der Nacht des 9.7. eine weiter Batterie von 8 halben Karthaunen in einer Entfernung von 80 Schritten vom Glacis errichtet. In den nächsten Wochen trafen noch weitere Geschütze vor Landau ein, so dass die Belagerer nun 114 Kanonen - einige davon 24- und 30Pfünder - und 46 Mörser einsetzten konnten.
 
Die kaiserlichen Ingenieure wendeten ein zu dieser Zeit bereits veraltetes Verfahren bei der Annäherung zur Festung an und begannen mit dem Aushub in beträchtlicher Entfernung von den Festungsmauern. Zu dem wurden die Laufgräben außerordentlich breit angelegt (damit die Generalität auch zu Pferde oder sogar zu Wagen Besichtigungen vornehmen könnte!). All das verlängerte die Belagerung. Die Franzosen machten nachts Ausfälle aus der Festung, bei denen sie versuchten, die Arbeiten an den Annäherungswerken zu zerstören. Mélac selbst stand oft an der Spitze dieser Truppen. Man versuchte auch die Tätigkeit der Belagerer auszuspähen. So versuchte der Geniechef Rovère am 8.7. in bürgerlicher Kleidung und in Begleitung eines Dieners Erfahrungen über den Fortgang der Arbeiten zu sammeln. Er kam bis zum Lager bei Arzheim, besichtigte anschließend die gegen das Kronwerk gerichteten Arbeiten und wollte dann spät Abends nach Landau zurückzukehren. Inzwischen wurde sein Diener, der sich von ihm getrennt hatte, festgenommen. FM v. Thüngen persönlich verhörte ihn und eilte selbst hinaus, um Rovère, der an einem mit dem Diener vereinbarten Ort wartete, festzunehmen. Obwohl in Zivil, verteidigte sich Rovère heftig, so dass Thüngen seinen Degen gebrauchen musste. Nach der Festnahme wurden Rovère und sein Diener in Fesseln nach Arzheim gebracht. Für die Festungsbesatzung war die Gefangennahme ihres Geniechefs ein herber Verlust
 
Trotz der Schwierigkeiten wurde die 2 Parallele am 21.6. eröffnet, die dritte am 16.7. Am 2.8. waren die Parallelen fertig und die drei Abschnitte untereinander verbunden.
An den Festungsmauern waren durch Beschuss bereits größere Schäden sichtbar, die Belagerer bemächtigten sich eines Abschnittes der Vorwerke nach dem anderen. Am 26.7. ließ deshalb Mélac die Schleusen öffnen, um den Festungsgraben zu fluten.
Die Belagerten wehrten sich nun überwiegend durch die in den Werken vergrabenen Minen, die sie beim Sturm der Verbündeten zündeten um möglichst viele der Angreifer zu vernichten und die Werke unbrauchbar zu machen. Die kaiserlichen Mineure versuchten demgegenüber die feindlichen Minen vorher ausfindig und unschädlich zu machen. Die Erfolge waren wechselseitig.
 
Am 26.7. traf der römische König, Erzherzog Joseph mit seiner Begleitung vor Landau ein und übernahm den Oberbefehl (wobei dem Markgraf die eigentlichen Entscheidungen vorbehalten blieben). Über 250 Personen waren in seiner Begleitung, die insgesamt in 77 Kutschen und über 200 Pferde für den Transport benötigten. Am 28.7. fand eine Truppenparade statt. Die Truppenbewegungen legten die Belagerten als Vorbereitung zur Abwehr der erwarteten Entsatzarmee Catinats aus.
Als Mélac seinen Irrtum bemerkte, ließ er bei den Kaiserlichen nachfragen, wo der Thronfolger sein Lager aufschlagen wird, damit er das Feuer in diese Richtung einstellen lässt. (!) Da das Hauptquartier sowieso außerhalb der Reichweite der Festungskanonen lag, ließ ihm Joseph antworten, Mélac müsse keine Rücksicht nehmen und solle nur seine Pflicht tun. In den folgenden Tagen hielt sich der Erzherzog oft in vorderster Linie auf und richtete sogar eigenhändig so manches Geschütz in den Batterien. Bei solch einer Gelegenheit rettete ihn vor dem Tode nur die Geistesgegenwart des Stückhauptmanns Andreas Feuerstein, der das für den Erzherzog zugedachte Geschoss mit seiner Brust auffing (seine Söhne Andreas Leopold und Anton Feuerstein dienten später in der Armee Maria Theresias und wurden als berühmte Artilleristen geadelt).
 
In den ersten Augusttagen waren die Belagerer nur noch 30 Schritt von den Pallisaden des gedeckten Weges entfernt. Am 6.8 nachts gegen 23 Uhr wurde eine Mine gezündet. Sie riss einen großen Trichter in die Umwallung. Sofort stürmten die Verbündeten geführt von den Generälen Prinz Thomas v. Savoyen, Graf Herberstein und Graf Thürheim. Obwohl ein heftiges Gewitter ausgebrochen war und die Besatzung sich kräftig verteidigte, gelang es den  Stürmenden eine Waffenplatz im gedeckten Weg zu erobern.
Gleichzeitig hatte FM Baron Thüngen mit Graf Fürstenberg* und dem Prinzen Brandenburg-Anspach Truppen zu einem Sturm auf das Kronwerk vorgeführt. Obwohl die Stürmenden hier große Verluste durch aufgehende Minen erlitten, gelang es drei Waffenplätze zu nehmen und sich in der Kontereskarpe festzusetzen.
Die Angriffe dieser Nach kosteten die Verbündeten 10 Offiziere und 500 Mann, die tot bzw. verwundet waren, unter den Toten war auch einer der fähigsten Hauptleute, Grenadierhauptmann Lochner vom württembergischen Regiment Fuchs.
Die Franzosen büßte sogar 500 Mann ein.
 
* Prosper Ferdinand Philipp, Graf Fürstenberg - Stühling war schwäbischer General. Nach der Erstürmung von Landau ward er auf Grund seiner bewiesenen Tapferkeit und Umsicht in kaiserliche Dienste im Rang eines FML übernommen worden. Am 29.11.1702 zum FZM ernannt, kommandierte er bei der zweiten Belagerung von Landau 1704 die Artillerie. Am 21.11.1704, nur zwei Tage vor der Kapitulation der Festung, fand er den Tod durch eine franz. Kanonenkugel die ihn an Arm, Achsel und Schädel traf.

Der Minenkrieg ging weiter, aber am 30.8. konnten die Kaiserlichen auf dem Glacis 35 Geschütze und 23 Mörser aufstellen, die sogleich anfingen, Breschen in die Mauern des Ravelins vor dem Französischen Tor zu schießen, was am 8.9. gelang.

Inzwischen waren die Verhältnisse in der Festung immer schlimmer. Es fehlte an Geschossen für die schweren Geschütze und auch der Pulvervorrat ging zur Neige. Um Kugeln für die Musketen herstellen zu können, wurde den Bürgern der Stadt alles Blei von den Fenstern genommen. Auch die Ernährung der Truppen war nur noch sehr dürftig. Außer Mehl, das noch in genügender Menge vorhanden war, fehlte es an allem.
Um die Truppen einigermaßen bezahlen zu können, opferte auch Mélac sein silbernes Tafelgeschirr, aus dem Notmünzen geprägt wurden.
 
Die Befestigungsanlagen des Kronwerks waren inzwischen in einem sehr schlechten Zustand und Mélac erwartete täglich den Generalangriff auf das Werk. Da ein schneller Rückzug der Besatzung (es waren noch ca. 800 Mann) über den schmalen Steg unmöglich war, musste mit ihrer Gefangennahme gerechnet werden. Um dies zu verhindern und die - so wie so schon sehr ausgedünnte Besatzung der Festung nicht weiter zu reduzieren - berief Mélac am 5.9. den Kriegsrat, der entschied das Kronwerk aufzugeben. Noch in der Nacht wurden in aller Stille die Geschütze in die Festung geschafft und alles, was für den Feind von Nutzen sein könnte, zerschlagen. Danach entzündete man am mittleren Ravelin mehrere Feuer mit raucherzeugendem Gestrüpp. Unter dem Schutz des Rauches zog sich die Besatzung bis auf 120 Mann, die als Wache im Kronwerk verblieben, in die Festung zurück.
 
In der Festung waren nun - einschließlich der eingerückten Mannschaften aus dem Kronwerk - noch ca. 1.800 dienstfähige. 900 waren tot, 800 lagen in den Spitälern. Die Pferde der Kavallerie waren bis auf wenige aufgegessen.
 
Am 8.9. befahl Erzherzog Joseph den Sturm auf das Kronwerk. Die Disposition hierzu war von FM Graf Thüngen ausgearbeitet worden. Da die Belagerer nicht wussten, dass im Werk nur noch eine kleine Wache zurückgeblieben war, wurden für den Sturm bedeutende Kräfte bereitgestellt.
Thüngens Disposition sah folgendes vor:
Zu den bereits vorhandenen Mannschaften in den Laufgräben wurden zusätzlich 1.000 Mann und 200 Grenadiere geschickt. In Bereitschaft standen auch 200 Arbeiter.
Aus der vorderen, mit 6 Geschützen armierten Batterie wurden 3 weggeführt und die Schussscharten bei anbrechender Nacht erweitert, um sie als Ausgänge für den Sturm nutzen zu können.
Als erste sollte ein Sergeant mit 2 Korporalen und 20 Arrestanten (!) vorrücken, gefolgt von einem Lieutenant und 12 Grenadieren, dahinter ein zweiter Lieutenant mit 24 Grenadieren, die sich zwischen den Pallisaden und der Brustwehr halten sollten. Der ersten Gruppe folgte ein Kapitän mit 40 Grenadieren, die von den folgenden 100 Grenadieren unter einem Major, Kapitän und Lieutenant unterstützt wurden. Dieser Sturmtruppe folgten in zwei Abteilungen 200 Arbeiter ausgerüstet mit den nötigen Werkzeugen zur Überbrückung von Hindernissen. In Reserve standen 200 Mann unter einem Obristen.
Eine zweite Sturmkolonne, die über die Sappe ging, war ähnlich zusammengesetzt.
 
Den Sturm rechter Hand leitete FML Herzog Sachsen-Meiningen, unterstützt von Thüngen selbst.
Linker Hand stürmten die Truppen unter Befehl des GFM Baron Rehbinder, unterstützt von GFZM Graf Fürstenberg.
Weiterhin standen Truppen unter GFW Prinz v. Anspach in Bereitschaft.
Der rechten Kolonne war Obrist-Lieutenant Dumont mit der Hälfte der Mineure zugeteilt, bei der linken war der oben erwähnte franz. Deserteur La Douder (diesen musste man unter Androhung von Prügelstrafe zur Teilnahme zwingen, er wurde beim Sturm durch eine Musketenkugel seiner Landsleute getötet).
Nach der Zündung einer Angriffsmine begann in der gleichen Nacht der Sturm auf das Kronwerk. Die kleine Besatzung des Forts gab eine Salve ab, entzündete eine hinter der linken Bastion angebrachte Mine und zog sich in die Festung zurück.
Mélac unterstützte den Rückzug durch wirkungsvolles Feuer zweier Geschütze sowie Musketenfeuer, wodurch in den dichtgedrängten Massen der stürmenden Truppen erhebliche Verluste entstanden. Den Steg zwischen Kronwerk und Festung ließ Mélac anzünden, seine Vernichtung konnten die Kaiserlichen wegen dem starken Beschuss nicht verhindern.
 
Obwohl Ludwig XIV. und der Versailler Kriegsrat Marschall Catinat drängten, der Festung zur Hilfe zu ziehen, weigerte sich dieser hartnäckig mit Hinweis auf seine geringe Truppenstärke. Mélac war durch einen Kurier informiert worden, dass er keine Hilfe erwarten konnte.
Nach dem Fall des Kronwerks konnte die Übergabe der Festung nicht mehr hinausgezögert werden. Mélac berief also am 9.9. den Kriegsrat, der sich einmütig für die sofortige Übergabe entschied.
Gegen Mittag des gleichen Tages ließ Mélac die weiße Fahne hissen und schickte seinen Parlamentär du Breuil zu Verhandlungen. Am 10. September erfolgte die Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde durch Graf Mélac und den Markgrafen Ludwig v. Baden, der hierzu von Erzherzog Joseph autorisiert war.
Der Besatzung wurde freier Abzug mit klingendem Spiel und fliegenden Fahnen gewährt.
Die Mannschaft behielt ihre persönlichen Waffen und zog - mit Kugeln im Mund und brennender Lunte (ein alter Brauch) aus der Festung. Zwei 24- Pfünder, ein 12- und 6 Pfünder Geschütze sowie 2 Mörser mit je 24 Schuss Munition inklusive des gesamten Gepäcks durfte die abziehende Besatzung mitführen. Den französischen Beamten und Geistlichen wurden 6 Wochen zum Verlassen der Stadt zugestanden.
 
Am 11.11. empfing Markgraf Ludwig den tapferen Kommandanten Graf Mélac und drückte ihm seine höchste Anerkennung für die umsichtige und tatkräftige Verteidigung aus. Die am 12.9. nachmittags abziehenden Franzosen, denen die Sieger 400 Wagen und 6 große, gedeckte, die nicht kontrolliert werden durften, zur Verfügung stellten, wurden bis Billigheim von einem Bataillon Infanterie und 300 Reitern eskortiert. Die Reiter begleiteten die Kolonne noch bis Weißenburg.
 
Die Verluste der Verbündeten während der 85- tägigen Einschließung Landaus beliefen sich auf 30 tote Offiziere und 600 Mann. 65 Offiziere und 2.200 Mann waren verwundet.
Die Verluste der Franzosen waren ähnlich hoch, sie sind nicht genau bekannt.
Die Kriegsbeute war gering. Ein großer Teil der vorgefundenen Geschütze war unbrauchbar, nur 46 Kanonen und 19 Mörser konnten wiederverwendet werden.
Die Magazine waren leer, alles Wertvolle hatten die Franzosen mitgenommen.
 
In die Festung wurde eine Besatzung von 6 Bataillonen kaiserlicher Truppen gelegt, zum Gouverneur der FML Graf Friesen ernannt.
Erzherzog Joseph in Begleitung seiner Gemahlin besichtigten am 17.9. die Festung und reisten dann über Lauterburg nach Wien ab.
 
Am schlimmsten betroffen war die Bevölkerung Landaus. Viele Häuser waren durch das Bombardement zerstört, Hab und Gut von den Franzosen weggenommen. Auch für die Lieferungen an die Besatzung während der Belagerung bekamen die betroffenen Kaufleute keine Pfennig. Ersatz oder Bezahlung war in der Kapitulationsurkunde eindeutig ausgeschlossen worden! Eine vom Rat der Stadt bei dem neuen Kommandanten vorgetragene Bitte wurde kühl abgewiesen.
 

Das Ravelin am französischen Tor.

Die Belagerung Landaus durch die Franzosen 1703
 
Die Lage der kaiserlichen Armee in Deutschland war 1703 sehr düster. Durch die in Wien eingerissene Misswirtschaft  fehlten vor allem die finanziellen Mittel, um die Regimenter auf ihren Sollstand zu bringen und zu bezahlen. Der Hauptfinanzier des Kaisers, Samuel Oppenheimer, hatte Bankrott gemacht. Markgraf Ludwig v. Baden berichtete dem Kaiser über den schlechten Zustand des Heeres und die Missstände, Besserung konnte er jedoch nicht erreichen.
Die Franzosen waren in dieser Zeit in einer viel günstigeren Verfassung. Marschall Louis-Hector, Herzog de Villars überschritt bereits mitten im Winter auf drei Brücken gleichzeitig den Rhein, vertrieb die in den Winterquartieren im Breisgau liegenden kaiserlichen Truppen und warf sich auf Kehl. Er besetzte die Festung nach nur kurzen Belagerung am 9.3.1703. Wegen schlechtem Wetter entließ er dann seine Truppen in die Winterquartiere. Im April rückte Marschall Camille d´Hostun, Graf de Tallard mit seinem Korps von der Mosel an den Oberrhein und vereinigte sich mit Villars. Gemeinsam griffen sie die Stollhofner Linien, hinter der die Hauptmacht des Markgrafen Ludwig stand an, wurden aber abgewiesen.
Villars zog nun durch den Schwarzwald in´s Donautal, wo er sich mit den verbündeten Bayern vereinigte. Tallard blieb bei Offenburg stehen und brandschatzte die Umgebung.
Der Markgraf zog nun mit seiner Hauptmacht nach Franken, am Oberrhein ließ er nur ca. 13.000 Mann zurück.
Die Franzosen besetzten dann die Weißenburger Linien, die von den Kaiserlichen ohne Kampf geräumt wurden. Nun zogen die Franzosen vor Altbreisach, damals eine der stärksten Festungen die im Besitz der Kaiserlichen waren. Am 18. August begann die Einschließung. Obwohl die Festung noch mit allem nötigen gut versorgt war, kapitulierte ihr Kommandant, FML Graf Arco schon am 6.9. gegen Zusicherung des freien Abzuges.
Wegen Feigheit vor dem Feind wurde Graf Arco später in Bregenz vor ein Kriegsgericht, dessen Vorsitz FM Baron Thüngen hatte, gestellt. Graf Arco wurde zum Tode durch Enthauptung verurteilt, der 2. Kommandant, Graf Marsigli, wurde aller seiner Ämter entsetzt und sein Degen durch den Henker zerbrochen.
 
Marschall Tallard hatte schon lange vor, Landau zurückzugewinnen. In Versailles wollte man zwar zuerst Freiburg i. B. gewinnen, Tallard setzte sich aber durch.
Er hatte bereits vorher die nötigen Vorkehrungen getroffen, in Straßburg stand  der gesamte Belagerungspark bereit. Eine Bedrohung durch eine Entsatzarmee befürchtete er nicht, da der miserable Zustand des Gegners bekannt war.
In diesem Punkt hatte er sich jedoch getäuscht. Dem Wiener Hof war die Wichtigkeit Landaus wohl bekannt und es wurden nun die größten Anstrengungen unternommen.
Der Herzog von Marlborough, der mit englischen und niederländischen Truppen in den Niederlanden stand, wurde dringend um Hilfe gebeten. Dem gelang es, die Holländer zu überzeugen und so wurde ein Hilfskorps unter Befehl des Erbprinzen von Hessen-Kassel in Marsch gesetzt, dass sich mit Truppen des Grafen von Nassau-Weilburg, die am rechten Rheinufer standen, vereinigen sollte.
 
Auch der Festungskommandant, Graf Friesen unternahm - entsprechend seinen begrenzten Möglichkeiten - die zur Verteidigung nötigen Maßnahmen.
Die Werke der Festung waren nach der langen Belagerung 1702 noch nicht in Stand gesetzt, die beschädigten Mauern nur notdürftig mit Faschinen ausgebessert. Auch an Pulver und Proviant fehlte es.
Von Philippsburg wurde ein Konvoi mit dem nötigsten in Marsch gesetzt. Durch Unachtsamkeit der unterwegs postierten kaiserlichen Truppen (ca. 1.600 Mann Kavallerie und Infanterie) gelang es den Franzosen, den Konvoi kurz vor Landau zu überfallen und zu beschlagnahmen.
Tallard hatte schon am 12.10. von dem Konvoi Kenntnis erlangt und ließ sofort eine Abteilung von 1.500 Mann Infanterie und eben so vielen Reitern Richtung Neustadt aufbrechen. Im Schutze des Nebels näherten sich die Franzosen den kaiserlichen Schanzen, überfielen das Lager der völlig überraschten Husaren und trieben sie in die Stadt. 300 Husaren und 100 Dragoner fanden den Tod, die übrigen 600 Husaren und Dragoner bahnten sich mit dem Säbel in der Faust den Weg nach Speyer. Die Infanterie unter Oberst Schönburg - ca. 600 Mann - fiel in Gefangenschaft.
 
Die Besatzung von Landau bestand aus 6 größtenteils unvollständigen Regimentern oberrheinischer, kurmainzischer und kaiserlicher Infanterie und einigen Eskadronen Reiter. Der Sollstand war 5.600 Mann, wegen vieler Abkommandierungen war der tatsächliche Stand nur 4.291 Mann, wozu auch die unter einem Stückhauptmann stehenden Artilleristen und Mineure - zusammen 155 Mann -  zu rechnen sind. Einen Teil der Kavallerie schickte Friesen noch vor der Einschließung nach Speyer.
Auf den Festungswällen standen 86 Geschütze und 37 Mörser, zum Teil noch französischen Ursprungs (Dreiviertelkarthaunen, halbe Karthaunen und Quartierschlangen). Unter den Mörsern waren einige von schwerstem Kaliber (franz. Zwölfzöller).
 
Inzwischen rückte das französische Belagerungskorps (54 Bataillone, 73 Eskadronen) immer näher an Landau heran, wobei Tallard seine Kolonnen so eingeteilt hatte, dass sie am 13. Oktober - inklusive der Belagerungsgeschütze - die Festung gleichzeitig erreichten. Tallard legte sein Hauptquartier nach Wollmesheim, 2 Km südwestlich von Landau.
Den Hauptangriff richtete er gegen die Südfront der Festung (Friesen vermutete, dass das Kronwerk angegriffen wird und legte deshalb seine schwersten Geschütze dorthin).
Marschall Vauban, der Erbauer der Festung, hatte sich vom König die Erlaubnis erbeten, den Angriff selbst führen zu dürfen, was jedoch aus Angst vor Eifersüchteleien zwischen den Generälen abgelehnt wurde. Vauban hatte bereits einen Plan ausgearbeitet, wie der Festung am besten beizukommen wäre, nach dem sich Tallard - wie man später feststellte - tatsächlich richtete. Tallard blieb jedoch alleiniger Befehlshaber des Belagerungskorps.
Ihm zur Seite stand als Artillerieoberst Marquis de Freselliere, ein äußerst fähiger Offizier und Oberst Lapara (der schon bei der Belagerung von Altbreisach wertvolle Dienste geleistet hatte), der mit den Angriffsarbeiten betraut war. Sechs weiter Generäle standen an der Spitze der Truppenverbände.
 
Die französischen Ingenieure wendeten die neuesten Vauban´schen Angriffspläne an, die Laufgräben und Parallelen waren schmäler und weniger tief ausgehoben, als es 1702 bei den Kaiserlichen üblich war. Da Tallard jedoch mit dem Angriff eines Entsatzheeres rechnen musste, ließ er das ganze Lager mit Schanzen gegen einen möglichen Angreifer schützen.
Am 17.10 Abends begann man mit dem Ausheben der 1. Parallele und das viel näher, zur Festung, als es die Kaiserlichen getan hatten (nur 150 Klafter = ca. 292 m). Am 19.10 standen schon 23 Geschütze und 12 Mörser in der Parallele und eröffneten ihr Feuer gegen die Festung.
Am 23.10 wurde bereits die 2. Parallele, am 27.10 die Dritte eröffnet. So hatten die Franzosen alle Parallelen bereits in der 11 Nacht eröffnet, die Kaiserlichen ein Jahr davor erst in der 29 Nacht!
Die Verteidiger wehrten sich tapfer und kein Werk der Festung wurde aufgegeben, bevor es nicht vollkommen in Trümmern lag. Die Verluste auf beiden Seiten waren dementsprechend hoch.
Anders als Markgraf Ludwig, konzentriere Tallard das Feuer seiner schweren Geschütze auf die drei Werke vor dem französischen Tor und vergeudete keine Geschosse an die Stadt selbst (die Kaiserlichen hatten 1702 - zumindest in den ersten Tagen, die Stadt heftig mit Bomben belegt).
Die Wirkung an den nur dürftig instandgesetzten Mauern war bald sichtbar. Friesen unternahm eine Reihe von Ausfällen, bei denen die Arbeiter vertrieben und ein Teil der Gräben zugeschüttet wurde, aber stoppen konnte er das Vordringen der Franzosen nicht.
Die Festungsartillerie vermerkte große Erfolge. Tallard musste bald 40 schwer beschädigte Geschütze und Mörser nach Straßburg schicken, erhielt von dort jedoch sofort Ersatz durch 28 Zwölfpfünder .
Die Belagerten bemühten sich nachts die beschädigten Wälle auszubessern, wozu auch die Stadtbevölkerung unter Androhung der Todesstrafe gezwungen wurde.
 
Am 27.10 musste Friesen den gedeckten Weg räumen lassen. Als die Franzosen nachdrängten, wurden die Minen unter den Waffenplätzen gezündet, wodurch viele franz. Sappeure verschüttet wurden.
Am 29. unternahm Friesen mit 2 Kompanien einen Ausfall, hauptsächlich um einen Boten zu Graf Nassau-Weilburg zu schicken. Dies gelang auch und der Graf erfuhr so, dass sich Friesen noch ungefähr 6 Wochen zu halten glaubte.
Das Ravelin vor dem franz. Tor war am 2.11. bereits so beschädigt, dass man in der Festung mit dem Hauptsturm rechnen musste. Aus Gründen, die nicht mehr geklärt werden können, nutzte Friesen das vorhandene und noch weitgehend intakte Schleusensystem zur Flutung des Grabens nicht. Die Franzosen errichteten Übergänge über den Graben und am 4.11. noch bei völliger Dunkelheit führte Generalleutnant Yrieix de Magonthier de Laubanie drei Grenadierkompanien zum Sturm. Drei mal wurden sie abgewiesen, erst der 4. Angriff mit frischen Truppen gelang dank eines Mißverständnises bei den Kaiserlichen. Der Oberstlieutenant, der die Verteidigung leitete, war von den Mineuren dahingehend informiert, dass die sich unter dem Werk befindliche Mine so angelegt ist, dass sie nach Außen schlagen würde. Tatsächlich war es eine Demoliermine. Als der Oberstlieutenant sie beim Ansturm der Franzosen zünden ließ, zertrümmerte sie das halbe Werk und verschüttete den Großteil der Verteidiger, nur wenige entkamen. Die Franzosen besetzten die Trümmer.
 
Die Belagerer konzentrierten nun ihr Feuer auf die beiden -  die angegriffene Front begrenzenden -  Kontergarden, die am 6.11. weitgehend ihres schützenden Mauerwerks entkleidet waren. Nachmittags um 4 Uhr stürmten je 6 Kompanien gegen die beiden Werke. Die Besatzung - teilweise nicht mehr im Besitz von Schusswaffen - verteidigte sich nur mit Hellebarden, Sensen und Morgensternen. Trotzdem wurden zwei Angriffe zurückgeschlagen, erst der dritte war erfolgreich. Die völlig erschöpften Grenadiere gerieten jedoch in Panik und fluteten zurück, als jemand "Gare la mine!" schrie. Auch die zweite Sturmkolonne hatte trotz zweier vorgetragener Angriffe nicht den erhofften Erfolg und wurde jedes Mal mit großen Verlusten zurückgewiesen. Der Rest versuchte es ein drittes Mal, gelangte aber auch da nicht in das Innere des Werkes. Bei der folgenden wilden Flucht stürzten viele in den Graben und ertranken.
Aufgrund der hohen Verluste musste Tallard nun doch die Mineure einsetzten.
 
Inzwischen war Graf Nassau-Weilburg mit einem Teil seiner Truppen und 12 Geschützen bei Daxlanden (Maxau) über den Rhein gegangen. Am 10.11. hörten die Belagerten vom Rhein her vier Geschützsalven - das vereinbarte Signal. Erbprinz von Hessen-Kassel war mit seinem holländischen Korps zwischen Frankenthal und Dürkheim angelangt.
 
Tallard bedurfte nun dringend Verstärkung und sandte einen Kurier nach dem anderen zu Marschall Pracontal, dessen Korps allerdings noch in Lothringen unterwegs war. In der Nacht vom 13.11. vollendeten die franz. Mineure ihre Arbeit unter den beiden Kontergarden und bei Tagesanbruch wurden die Minen gezündet. Sie hatten eine gewaltige Wirkung so dass Tallard sofort einen Sturm anordnete. Erst nach stundenlangem zähen Kampf gelang es den Stürmenden die Schanzen in ihre Hand zu bekommen. Die Außenwerke waren nun im Besitz der Belagerer und am 14.11. war der Zustand der Festungswerke in solch einem erbärmlichen Zustand, dass ohne Aussicht auf nahen Entsatz eine sofortige Übergabe geboten gewesen wäre.
Friesen war - da er die Entsatzarmee in seiner Nähe wusste - zu einer Übergabe nicht bereit, wobei er von seinen Offizieren voll unterstützt wurde.
 
Die beiden Führer der Entsatztruppen wussten wohl vom Anmarsch des Pracontal´schen Korps, wähnten es jedoch noch weit entfernt. Und ohne diese Verstärkung hatten sie seitens Tallards Belagerungskorps wenig zu fürchten. Man dachte deshalb, dass man mit dem Angriff auf das Belagerungsheer noch etwas warten könnte. Diese Nachlässigkeit rächte sich in den nächsten Tagen bitter!




Die Schlacht bei Speyer
(nach manchen Quellen "am Heiligenstein" oder "La bataille de Spire")
 
Am 13.11. trafen die Truppen des Grafen von Nassau-Weilburg bei Speyer mit dem holländischen Hilfskorps zusammen. Die Holländer hatten ca. 16.000, Graf Nassau-Weilburg ca. 4.000 Mann. Weitere Reichstruppen waren im Anmarsch, alles in allem
5 - 6.000 Mann. Am 16.11. wollte man gemeinsam gegen Landau aufbrechen.
Die Katastrophe war jedoch schon vorprogrammiert.
Da es keine einheitliche Leitung gab, schlugen die zwei Korps ihre Lager getrennt auf, wobei die Holländer ziemlich weit von Speyer, bei Heiligenstein, also rechts des Speyerbaches lagerten (das Pracontal´sche Hilfskorps und Tallards Armee standen ebenfalls rechts des Baches !!).
Am 14.11. wurde Oberst v. Frankenberg mit 400 Reitern auf Erkundung Richtung Landau geschickt. Bei Essingen (4 Km vor Landau) traf er auf mehrere Eskadronen feindlicher Kavallerie (es waren Reiter des Tallard´schen Vortrupps), die sich sofort zurückzogen.
Frankenberg meldete seine Erkenntnisse im Hauptquartier. Die beiden Befehlshaber folgerten daraus, dass sich Tallards Belagerungsarmee noch vollzählig vor Landau befindet und das Entsatzkorps noch in weiter Ferne marschiert (tatsächlich hatte Parcontal bereits an diesem Tag Kaiserslautern passiert.).
Den nächsten Tag verbrachten die Befehlshaber mit Rangstreitigkeiten, so dass auch der 15.11. durch Untätigkeit verloren ging.
Tallard war durch seinen hervorragenden Kundschafterdienst über die Bewegungen der Feinde bestens informiert. Durch Kurier befahl er Pracontal, am Morgen des 15.11. mit seinen Truppen an einer bestimmten Stelle der Straße Landau - Speyer zu sein. Bei Einbruch der Dunkelheit am 14.11.verließ Tallard mit dem größten Teil der Belagerungstruppen in aller Stille Landau (zurück blieben ca. 6.000 Mann unter GL Laubanie) und erreichte gegen 10 Uhr nachts Niederissingen, wo er sein Heer aufmarschieren ließ. Pracontal mit 19 Eskadronen Kavallerie aber nur 800 Mann Infanterie (die auf Bauernwagen mitgeführt wurde) ereichte den Treffpunkt tatsächlich noch vor 4 Uhr morgens. Die Reiter waren 30 Stunden kaum aus dem Sattel gekommen!
Die komplette Armee - 34 Bataillone und 66 Eskadronen , zusammen ca. 18.000 Mann marschierte bei Tagesanbruch Richtung Speyer.
Gegen Mittag des 15.11. - 3 Km von Heiligenstein - teilte Tallard seine Armee in 2 Treffen und rückte weiter vor.
Im kaiserlichen Lager widmeten sich die Truppen noch dem ungebundenen Lagerleben, die Generalität war in Speyer versammelt.
 
Um ein Uhr begann die Schlacht. Reiterpatrouillen hatten inzwischen gemeldet, dass die ganze französische Armee im Anmarsch ist. Hastig stellten sich die kaiserlichen Regimenter in Schlachtlinie auf, aber da ein einheitliches Kommando fehlte, wurden viele Fehler gemacht - Verschiebungen einzelner Regimenter während des Kampfes waren deshalb nötig.
Den ersten Angriff empfing die pfälzische Kavallerie am linken Flügel. 14 franz. Eskadronen brausten heran, wurden jedoch abgewiesen und vom kurpfälzischen Dragonerregiment Leiningen verfolgt. Auch eine zweite Attacke der Franzosen (Gendamerie) scheiterte. Sie wurden von den Pfälzern bis vor ihre eigene Artillerie zurückgetrieben, wo sich die Pfälzer sogar einiger franz. Geschütze bemächtigten, die sie sofort gegen den Feind in Aktion brachten.
Die Pfälzer wurden nun von rechts und links bedroht und zogen sich hinter ihre eigene Infanterie zurück .Bis dahin war von der kaiserlichen Artillerie wenig zu sehen. Sie war zwischen Heiligenstein und Mechtersheim aufgefahren, ihr Feuer hatte jedoch wenig Erfolg.
Langsam begann sich die Übermacht der franz. Kavallerie durchzusetzen. Graf Nassau-Weilburg musste weichen und verlor den Kontakt zu dem holländisch-hessischen Korps. So waren nun seine beiden Flügel in Gefahr. Die franz. Kavallerie drängte die pfälzische ab, gleichzeitig stürmte die Infanterie, unterstützt von ihrer Artillerie.
Die Geschütze der Kaiserlichen waren mit Bauernbespannung. Diese floh beim ersten Schuss und die Geschütze blieben stehen, wo sie eben waren!
Gegen 3 Uhr nachmittags war der ganze linke Flügel der Kaiserlichen auf der Flucht!
Auf dem rechten Flügel, bei Erbprinz von Hessen-Kassel, sah es besser aus. Der Kampf begann dort erst gegen 14 Uhr. Die Kavallerieattacke warf die Franzosen und die Infanterie verteidigte sich erfolgreich gegen das heftige Geschützfeuer und die franz. Angriffe. Das hessische Grenadierregiment verlor hierbei 2/3 seiner Mannschaft, das hannover´sche Regiment Carles die Hälfte seiner Leute. Der Erbprinz - an der Spitze seiner Männer - wurde durch einen Säbelhieb am Kopf verwundet.
Gegen 16 Uhr erfuhr der Erbprinz vom Zusammenbruch des linken Flügels. Er ordnete gegen 17 Uhr, ale es schon dunkel wurde, den geordneten Rückzug über die Speyerbachbrücken an. Nach dem seine Truppen den Bach überquert hatten, ließ er die Brücken abbrennen.
Graf Nassau-Weilburg zog mit dem Rest seiner Truppen schleunigst nach Mannheim, das holländische Korps marschierte geordnet über Mutterstadt nach Mainz.
 
Tallard ließ die Besiegten nicht verfolgen. Seine Truppen hatten ca. 4.000 Tote und Verwundeten. Unter den Toten befand sich auch GL Pracontal und die Brigadiérs d´Auriac, Comte de Caylus, Marquis de Calvo und Marquis de Coeteau.
Das geschlagene "Entsatzheer" hatte ungefähr gleich hohe Verluste, zu dem verlor es 2.000 Gefangene, darunter 149 Offiziere. Unter den gefallenen waren Prinz Philipp v. Hessen-Homburg, Oberst Graf v. Nassau-Weilburg (Sohn des Oberbefehlshabers) GM v. Tettau und der pfälzische GM Graf Hochkirch.
Dem kurpfälzischen Leibregiment war der Weg nach Speyer verlegt, so dass 2 seiner Bataillone in Gefangenschaft gerieten.
Das Lager der Verbündeten mit 23 Geschützen, 50 Standarten und Fahnen, Munition und Gepäck fielen in die Hände der Sieger.
Das Debakel der Kaiserlichen war komplett!
 
Übergabe der Festung

Am Morgen nach seinem Sieg zog Tallard mit einem Teil seiner Truppen wieder vor Landau. Graf Friesen erfuhr von der Niederlage der Entsatzarmee durch seinen eigen Sohn. Dieser hatte als Rittmeister in einem holländischen Regiment gedient und war Adjutant des gefallenen Prinzen Philipp von Hessen-Homburg. In der Schlacht wurde er gefangen und von Tallard mit einem Brief, in dem er den Festungskommandanten zur Übergabe aufforderte, in die Festung geschickt worden.
Nach zwölf Stürmen war die Angriffsfront in einen Schutthaufen verwandelt, die waffenfähige Mannschaft betrug kaum noch 2.000 Mann, die meisten Infanteriewaffen waren unbrauchbar und der Pulvervorrat beinahe aufgebraucht.
General Friesen ließ deshalb noch am 15.11. gegen 17 Uhr die weiße Fahne aufziehen und die Übergabeverhandlungen begannen.
Nach anfänglichem Zögern gewährte Tallard der Besatzung die gleichen Bedingungen, wie sie ein Jahr vorher Gen. Mélac bekommen hatte.
Die Belagerung hatte 30 Tage gedauert.
Am 17. 11. wurde das nördliche Tor geöffnet (das südliche - französische - war total verbaut). Mit dem - kaum 1.800 Mann zählenden - noch dienstfähigem Rest der Besatzung zog Friesen am 18.11. von Landau ab und begab sich über Speyer nach Philippsburg.
Dabei ereignete sich ein Zwischenfall, als französische Soldaten über die Gepäckwagen der Abziehenden herfielen und zu Plündern begannen. Erst das persönliche Eingreifen General Laubanies machte dem Treiben ein Ende.
Er wurde anschließend Festungskommandant und leitete als solcher die Verteidigung Landaus während der 3. Belagerung im Jahre 1704*
Die Einnahme der Festung hatte die Franzosen verhältnismäßig hohe Verluste gekostet. Nur bei dem missglückten Sturm auf die beiden Kontergarden am 8.11. hatten sie 1.200 Mann ihrer besten Truppen verloren. Insgesamt betrugen die Verluste an die 5.000 Mann.
Die Kaiserlichen hatten 24 Offiziere und 600 Mann tot, etwa tausend Mann verwundet. Außerdem hatten Krankheiten noch viele weitere dahingerafft.
Graf Friesen wurde von Kaiser Leopold per eigenem Handschreiben für die heldenmütige Verteidigung zum Feldzeugmeister befördert und auch Prinz Eugen drückte ihm in mehreren Briefen sein Lob aus.
 
Für die Bewohner Landaus hatten die Gräuel des Krieges aber noch kein Ende gefunden. Im September 1704 - also nach nicht ganz einem Jahr, standen die Kaiserlichen bereits wieder vor der Festung! Sie fiel am 23. November in ihre Hände. Nach einigen Jahren Ruhe kam es im Juni 1713 zur vierten Belagerung, wieder durch die Franzosen. Am 20 August übergaben die Kaiserlichen die Festung, die nun 200 Jahre unter französischer Verwaltung blieb. Dann kam sie einige Monate unter österreichische Verwaltung, wurde am 3.11.1815 zur Bundesfestung erklärt und anschließend am 1.5.1816 dem Königreich Bayern zugesprochen.
 
*General Laubanie wurde am 10.10.1704, als er die Verteidigung des gedeckten Weges organisierte schwer verwundet. Als in seiner Nähe eine Bombe explodierte, riss ihm ein Splitter den Leib auf, durch die aufspritzenden Sandmassen wurde er außerdem im Gesicht verletzt. Er verlor beinahe vollendst seine Sehkraft und musste sich bis zum Ende der Belagerung auf die Nachrichten und Beschreibungen seiner Offiziere verlassen. Trotzdem behielt er den Oberbefehl weiterhin in seinen Händen.
 
Resümee

Von den 4 Belagerungen Landaus hat der Autor gezielt die zwei ersten für den obigen Bericht ausgewählt, einmal - weil sie in kurzem Zeitlichen Abstand erfolgten, zum zweiten mal, weil an ihnen am Besten die unterschiedlichen Voraussetzungen und Taktiken der verfeindeten Parteien dargestellt werden können.
 
Was die Fähigkeiten und Verhalten der beteiligten Befehlshaber Margraf Ludwig v. Baden, FM v. Friesen, GL de Mélac , Marschall Tallard und den Mut und Zähigkeit der kämpfenden Truppen betrifft, haben sich Franzosen sowie Kaiserliche hervorragend gehalten. Große Unterschiede gab es jedoch in den Abläufen beider Belagerungen, verursacht durch äußere Einflüsse.
 
Wenn wir die beiden Belagerungsarmeen betrachten, stellen wir fest, dass Markgraf Ludwig einen bunt zusammengewürfelten Haufen von kaiserlichen und ständischen Truppen zur Verfügung hatte, die auch erst nach und nach vor Landau eintrafen (einige erst 6 Wochen nach Beginn der Einschließung). Das benötigte Belagerungsgeschütz musste er sich erst mühsam bei den Reichsstädten zusammenbetteln und auch dann fehlte es noch lange an qualifizierter Geschützbedienung. In seinen Entscheidungen war Ludwig nicht nur durch seinen offiziellen Vorgesetzten, Erzherzog Joseph beschränkt, sondern sicher auch durch die Befehlshaber der Reichskontingente, die ihre eigenen Interessen vertraten. Die von den Ingenieuren angewandte Art der Annäherung war sehr langwierig und uneffektiv. Die Artillerie vergeudete einige Zeit und Munition durch Beschießung der Stadt selbst und konzentrierte sich nicht nur auf die wichtigsten Werke der Festung
Dagegen befehligte Marschall Tallard* eine homogene Truppe, die geschlossen vor Landau aufmarschierte und vor allem - sämtliches schweres Belagerungsgeschütz inklusive Bedienung stand vom ersten Tag zur Verfügung (außerdem bekam er für beschädigte Stücke aus Straßburg sofort Ersatz). Die Artillerie konzentrierte ihr Feuer auf die wichtigsten Abschnitte der Verteidigungsanlagen. Die französischen Ingenieure schafften es auch viel schneller, die Annäherungsgräben herzustellen.
Tallard gelang es auch rechtzeitig Verstärkung durch die Truppen von GL Practonal, die er gegen das heranziehende Entsatzheer benötigte, heranzuziehen.
 
Auch bei der Verteidigung der Festung gab es gravierende Unterschiede. Mélac verteidigte eine völlig intakte Festung, die mit genügend Festungsgeschütz und hochqualifizierten Artilleristen ausgestattet war. Die Vorräte an Waffen, Pulver und Nahrungsmitteln gestatten eine längere Verteidigung.
FM Graf Friesen war in einer viel schwierigeren Situation. Die Schäden an den Festungswerken, die 1702 entstanden, waren nur notdürftig beseitigt, die Festungsartillerie von sehr verschiedener Provenienz und die Vorräte an Infanteriewaffen, Pulver und Nahrungsmitteln ungenügend (der Versuch Friesens, die Festung noch rechtzeitig zu versorgen scheiterte bekanntlich).
 
In beiden Fällen bekamen die Belagerten von Außen keine Hilfe. Im Falle Mélacs war dies durch die hartnäckige Weigerung von Marschall Catinat, der Festung zur Hilfe zu eilen, verursacht (wahrscheinlich wären die ihm zur Verfügung stehenden Truppen wirklich nicht in der Lage gewesen, Markgraf Ludwig ernsthaft zu gefährden).
1703 war die Situation völlig anders. Die vereinigten Truppen des Entsatzheeres der Holländer und Kaiserlichen, die ja schon nahe Landau standen, wären zahlenmäßig durchaus in der Lage gewesen, Tallard zum Abbruch der Belagerung zu zwingen.
Der Heeresleitung unterlief aber eine Reihe haarsträubender Fehler - man kann es auch Schlampigkeit nennen (die wir bei den Kaiserlichen in einer Reihe von anderen Feldzügen auch feststellen können).
Durch Rangstreitigkeiten wurde wertvolle Zeit vergeudet, die beiden Korps lagerten weit voneinander und unter Berücksichtigung des zu erwartenden Angriffs an ungünstigen Stellen, der Kundschafterdienst versagte völlig und die Generalität vergnügte sich zur Zeit, als der Tallard´sche Angriff bereits begonnen hatte noch in Speyer!
So kam es, das Landau - trotz Entsatzversuch, kapitulieren musste.  


*Marschall Tallard wurde in der Schlacht bei Höchstädt (Blenheim) am 13.8.1704 gefangen genommen. Als er Erbprinz Friedrich v. Hessen-Kassel seinen Degen überreichte, sagte dieser: "Die Revanche für Speyerbach" (dort hatte Tallard am 15.11.1703 den Erbprinzen besiegt). Tallard wurde dann am 18.8. mit weiteren hohen Offizieren in die Festung Hanau gebracht, wo er einige Tage blieb. Anschließend wurde er acht Jahre in England interniert.    
Harald Skala, 2005
Quellen:
-          E. Heuser, "Die Belagerungen von Landau", Landau, 1913
-          A. Dolleczek, "Geschichte der österreichischen Artillerie",  Wien, 1887
-          Kriegsarchiv, "Feldzüge des Prinzen Eugen v. Savoyen" Bd. IV. Wien 1877
-          A. v. Treuenfest, "Die Geschichte des Husarenregiments Nr. 3" Wien, 1893
-          U. A. Oster, "Markgraf Ludwig v. Baden", Bergisch Gladbach, 2001
-          Stadtarchiv Landau, Belagerung der Stadt (Stich)


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