Schlacht bei Dettingen
   
Die Schlacht bei Dettingen am 27.Juni 1743



Vorgeschichte:

Diese Schlacht, die während des österreichischen Erbfolgekrieges geschlagen wurde, hat einige Besonderheiten, die erwähnenswert sind.
Die Koalitionspartner  während dieses Krieges wechselten öfters die Fronten, im Jahre 1743 standen Franzosen an der Seite der Bayern (Karl Albrecht von Bayern war am 24.1.1742 als Karl VII. zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation gewählt worden), Österreich wurde von Großbritannien und Hannover (von König Georg II in Personalunion verwaltet) unterstützt, wobei auch hessische Mietregimenter an der Seite der Engländer kämpften (Landgraf Wilhelm v. Hessen vermietete seine Regimenter gleichzeitig auch an Kaiser Karl VII.).
Die Schlacht bei Dettingen fällt in die Zeit zwischen dem 1. und 2. Schlesischen Krieg, also in eine Zeit, in der der Hauptgegner Maria Theresias, der preussische König Friedrich II. keinerlei Kampfhandlungen gegen die Monarchie durchführte.
Am 10.7.1742 landete ein britisches Expeditionskorps in Ostende und zog nach Flandern, wo es sich mit hannoverischen, österreichischen und den angemieteten hessischen Truppen vereinigte. Die britischen Truppen standen unter Befehl von John Dalrymple, Earl of Stair.
In diesem Jahr unternahm die Armee - die den Namen "Pragmatische Armee" erhielt, keinerlei Kampfhandlungen und bezog Winterquartiere in den österreichischen Niederlanden.
Im Januar 1743 erhielt Stair von Georg II. den Befehl zum Vormarsch in das Innere Deutschlands. In Flandern blieben die hessischen Kontingente und einige österr. Truppen.
Der Befehlshaber der österreichischen Truppen, General Leopold Herzog von Arenberg schlug vor, am Rhein entlang bis zum Neckar vorzurücken und von dort nach Bayern zu ziehen. König Georg II. befürchtete, dass in diesem Fall Hannover von Friedrich II. bedroht würde und erteilte die Weisung, nur bis zur Mainlinie vorzugehen und danach den Bewegungen des Gegners gemäß zu handeln. Im April 1743 erhielt Marschall Adrien Maurice, Duc de Noailles den Oberbefehl über die französische Ersatzarmee mit der Order, der Pragmatischen Armee entgegenzutreten und sie zu schlagen.
Ende April waren die Briten und Österreicher an die Lahn vorgerückt und bewegten sich in das Gebiet zwischen Mainz und Hanau. Die Franzosen sammelten sich bei Heidelberg und Speyer. Am 31. Mai überquerten die Truppen Stairs den Main auf zwei neuerrichteten Brücken zwischen Sindlingen und Höchst. Am selben Tag traf dort auch eine Vorabteilung der Franzosen ein und beobachtete den Übergang. Die Österreicher unter Leopold Herzog von Arenberg weigerten sich den Übergang mitzumachen und blieben am Nordufer, die Briten bezogen zwischen Kelsterbach und Schwanheim ein Lager. Am 9. 6. traf die franz. Hauptarmee bei Pfungstadt ein. Noailles wollte rasch vorrücken und die Briten angreifen. Zwischenzeitlich hatten auch die Österreicher den Main überschritten, als abends der Befehl Georg II. kam, die Armee wieder über den Main zurückzuziehen (wogegen sich Stair anfangs weigerte).
Die Armeen standen sich also an verschiedenen Ufern des Main gegenüber. Stair zog nun den Main hinauf, um einen ev. Marsch der Franzosen nach Bayern zu verhindern. Am 17.6. erreichte die Armee das Lager zwischen Kleinostheim und Aschaffenburg. König Georg II. begleitet von 25 Schwadronen britischer und hannoverischer Kavallerie traf am 19.6. ein und übernahm das Oberkommando.
Den französischen Husaren gelang es den Nachschub der Pragmatischen Armee zu unterbrechen, ab da litt diese an Nahrungsmangel. Die grausamen Ausschreitungen britischer Truppen gegen die Zivilbevölkerung verschlechterte die Versorgungssituation zusätzlich. Georg II. war sich bewusst, dass seine Truppen in dieser prekären Lage nicht lange verharren konnten und befahl am 27.6.um 1 Uhr Nachts den Aufbruch Richtung Hanau.
Genau dies hatte Marschall Noailles erwartet, er ging nun daran, seinen Plan zu verwirklichen. Er hatte Vorbereitungen getroffen, bei Seligenstadt Brücken über den Main schlagen und Furten erkunden lassen. Er glaubte, die Verbündeten in eine Falle gelockt zu haben.

Karte der Schlacht bei Dettingen

Die Schlacht.

Kurz nach 7 Uhr bemächtigten sich die Franzosen des von Briten verlassenen Aschaffenburg. Gegen 8 eröffneten franz. Batterien bei Stockstadt das Feuer auf die marschierenden Kolonnen der Verbündeten, ohne allerdings großen Schaden anzurichten.
Der Artilleriekampf entwickelte sich immer stärker, allerdings auf weite Entfernung, so dass die moralische Wirkung größer als die materielle war.
GL Gramont, Kommandeur der franz. Garde, erhielt von Marschall Noailles den Befehl Dettingen zu besetzen und sich hinter dem versumpften Forchbach zu verschanzen. Gramont ging nun aber über diese Stellung hinaus, was später einer der Gründe der franz. Niederlage war. Obwohl zahlenmäßig den Verbündeten überlegen, gelang es Noailles nicht, seine Regimenter alle sinnvoll einzusetzen, viele kamen überhaupt nicht in den Kampf.
In der Armee Noailles diente eine große Menge schlecht ausgebildeter Milizen, die erst im Februar zur Armee gestoßen waren. Aber auch die Ausbildung der britischen Truppen ließ zu wünschen übrig. Dafür war die Ausbildung und Disziplin der Hannoveraner und Österreicher um so besser.
Gegen 12 Uhr wurde die Schlacht von den Franzosen mit dem Angriff der Garde Kavallerie eröffnet. Es gelang ihr zunächst die britische Kavallerie zu werfen (deren Pferde unzureichend ausgebildet waren, oft scheuten und ihre Reiter abwarfen, was auch Georg II. und seinem Sohn dem Herzog von Cumberland geschah). Die Franzosen gerieten dann zwischen die Linien der Infanterie und somit in ein vernichtendes Kreuzfeuer, in dem sie schwere Verluste hinnehmen mussten. Sie wiederholten zwar ihre Angriffe mehrmals, wurden aber schließlich von der britischen Kavallerie und Infanterie und den österreichischen Dragonern fast völlig aufgerieben. Die Reihe war nun an der französischen Garde Infanterie.
Sie rückte am Main entlang vor, zwang allerdings dadurch die eigene Artillerie auf dem anderen Ufer ihr Feuer einzustellen. Während die Infanterie auf die vor ihr stehenden Hannoveraner vorrückte, fiel ihr FML Graf Salm mit 3 österr. Regimentern in die Flanke. Da der Rückweg abgeschnitten war, versuchten sich die Franzosen durch den Main zu retten, was vielen das Leben kostete.
In der Zwischenzeit hatte der Rest der franz. Infanterie und Kavallerie am anderen Flügel am Fuße des Spessarts seinen Angriff vorgetragen. An dieser Stelle hatte der hannoverische Artillerieoberst Brückmann seine große Batterie postiert, die mit Kartätschenfeuer den Franzosen fürchterlich zusetzte. Alle Angriffe der Franzosen brachen im Feuer der Artillerie und Infanterie zusammen.
König Georg II befand sich während der Schlacht am rechten Flügel und führte die britische Infanterie in den Kampf. Zeitgenössische Darstellungen zeigen ihn mit der Fahne in der Hand vor seinen Regimentern schreitend (sein Pferd hatte er verloren - siehe oben). Seine persönliche Tapferkeit bewies er nicht nur bei Dettingen, aber auch in der Schlacht bei Oudenarde.
Nachdem Marschall Noailles erkannt hatte, das die Schlacht nicht mehr zu gewinnen ist, befahl er den Rückzug über den Main, der ohne Panik und in guter Ordnung erfolgte, ohne das die Verbündeten einen Versuch der Verfolgung machten. Die Truppen der Pragmatischen Armee waren nach dem langen Marsch (seit 1 Uhr Nachts waren sie unterwegs gewesen!) erschöpft, bei einer Verfolgung hätte sie am anderen Ufer die noch frische Hälfte der Franzosen, die überhaupt noch nicht eingegriffen hatte, erwartet.
Da die Versorgungssituation immer bedrohlicher wurde (der Train war während der Schlacht unter Artilleriebeschuss gekommen und anschließend von franz. Husaren geplündert worden) brachen die Verbündeten am nächsten Morgen Richtung Hanau auf, um sich mit den dort stehenden Hannoveranern und Hessen zu vereinigen und die dortigen Magazine zu erreichen.

Die beteiligten Armeen:

Pragmatische Armee:   
42 Batallione (34 Regimenter)
27.098 Mann
71 Schwadronen (25 Regimenter)
8.004 Reiter

98 Kanonen

Die österreichischen Regimenter (14 Batallione aus 12 Regimentern und 10 Schwadronen aus 2 Regimentern + 3 Frei-Kompanien) kamen aus Garnisonen der österreichischen Niederlande (Los Rios, Salm, Arenberg, Jung-Arenberg, Jung-Wolfenbüttel, Priè, Ligne, Gaisruck, Chanclos, Heister, Arberg. Kavallerie: Dragoner Limburg-Styrum und de Ligne)
Die Hannoveraner (13 Batallione aus 12 Regimentern und 16 Schwadronen aus 13 Regimentern) hatten Infanterie aus folgenden Regimentern: Schulenburg, Borch, Soubiron, Jung-Spörcken, Garde, Spörcken (Wrangel), Campe, Sommerfeld, Middachten, Böselager, Zastrow, Monroy. Kavallerie: Adelpsen, Wendt, Bussche, Pontpietin, (Dragoner),
Schultzen, Bremer, Hammerstein, Wrede, Bülow, Montigny (Kürassiere), Leib-Regiment, Garde du Corps, Grenadiere zu Pferde.
Die Briten (15 Batallione aus 15 Regimentern sowie 18 Schwadronen aus 10 Regimentern)
hatten an Infanterie: Foot Guards, Bligh, Sowle, Campell Huske, Howard, Ponsonby, Pier, Onslow, Pulteney, Johnson. Kavallerie: Bland-Dragoons, Royal Horse Guards, Horse Grenadier Guards and Life Guards, Stair-Dragoons, Hawley-Dragoons, Ligonier-Curassiers, Honeywood-Curassiers, Rich-Dragoons, Cope-Dragoons, Campbell-Dragoons.

Die französische Armee:

an der Schlacht beteiligt:  53 Bataillone und 44 Schwadronen, davon mit Gen. Gramont ab 7 Uhr über den Main gegangen:

Infanterie: Brigaden Orléans, Auvergne, Tourain, Noailles, (26 Batallione)
Kavallerie: Dragoner Brigade (11 Schwadronen) und 27 Schwadronen Kürassiere,
Husaren (Berchény  und Esterházy 6 Schw.) in den Bergen flankierend
Kanonen: 16 in 2 Batterien

Verstärkung zwischen 12 und 13 Uhr:

Infanterie: Brigaden Navarre, Roi, Eu, Rohan, Piémont (23 Batallione)

Verluste in der Schlacht:

Pragmatische Armee: 2.600 - 2.700 Mann, davon 615 tot
Franzosen:         3.500 - 4.000 Mann, davon 931 tot

Zeitgenössische Quellen bewerten den Ausgang der Schlacht unterschiedlich. Britische sprachen von Sieg, da die Franzosen zum Rückzug gezwungen wurden; französische wiederum sprachen vom Erfolg Noailles, dem es gelungen war, der Pragmatischen Armee den Weg nach Bayern zu versperren.

Zwei Gegebenheit im Zusammenhang mit dieser Schlacht sind außerdem interessant.
Britische Quellen geben als Tag der Schlacht den 16. Juni 1743 an, französische und österreichische den 27. Juni. In England galt zu dieser Zeit noch der Julianische Kalender (bis 2. bzw. 14. September 1752), die katholischen Reichsstände hatten den neuen, Gregorianischen Kalender bereits 1583, teils 1584 eingeführt, die evangelischen erst am 18. Februar 1700 (auf den sofort der 1. März folgte). Dadurch ergab sich die verschiedene Datierung.
Die zweite erwähnenswerte Geschichte zu der Schlacht ist die vor der Schlacht getroffene Vereinbarung über Verwundete und Gefangene - einen Vorläufer der Genfer Konvention.
Am 20. Juni 1743 trafen sich Unterhändler des Grafen Stair und Noailles und vereinbarten, dass Kranke und Verwundete nicht als Kriegsgefangene gelten sollten und in Hospitälern in sicherer Obhut bleiben können, bzw. im Schutz von Geleitbriefen entlassen werden. Nach der Schlacht, am 18. Juli unterzeichneten in Frankfurt Vertreter der kämpfenden Parteien den entsprechenden Vertrag. Nach ihm galten eine Reihe von Personen (z. Bsp. Generalprofoß, Gerichtsräte, Feldgeistliche, Priester, Kuriere, Ärzte, Vorsteher und andere Beamten u.s.w.) nicht als Kriegsgefangene und waren so schnell wie möglich zu entlassen. Beide Seiten wollten sich der Verletzten annehmen und wechselseitig die bei der Behandlung anfallenden Kosten übernehmen. Es war erlaubt, den Verletzten eigene Chirurgen sowie Dienstpersonal zuzusenden. So ging diese Vereinbarung über die spätere Genfer Konvention noch hinaus.
Die Verbündeten überließen dann auch ihre Verwundeten der Obhut der Franzosen und marschierten schnellstens in Richtung ihrer Magazine, um die Verpflegung zu sichern.

Quellen:
- Die Schlacht bei Dettingen 1743, H. B. Spieß, Geschichts- und Kunstverein Aschaffenburg e.V. 1993

Harald Skala


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