Die Schlacht bei Soor am 30 September 1745
(heute Zdár, Nordböhmen, in der Nähe von Trautenau, heute Trutnov)


Es war die zweite große Schlacht im 2. Schlesischem Krieg  Friedrich II. ging Mitte August 1745 nach Semonitz, am 19.8. dann nach Staudenz (Studenec) südostwärts Trautenau.
Die kaiserlichen und Sachsen unter Oberbefehl von Prinz Karl von Lothringen folgten ihm mit ca 42.000 Mann um sein Lager, in dem die Preussen ca. 22.000 Mann stehen hatten, zu überfallen.
Der Verlauf der Schlacht ist ein gutes Beispiel des taktischen Können Friedrich II.
Dass die Verbündeten trotz Überzahl und vorteilhafter Position die Verlierer waren, war auf die schlechte Kommunikation zwischen den Truppenkörpern, Zaudern in Situationen, die einer raschen Entscheidung bedurften und nicht zuletzt auf Disziplinlosigkeit einiger Truppenteile zurückzuführen. Darüber später mehr. Friedrich II. nutzte dagegen sofort alle Fehler, die die Verbündeten machten geschickt aus und gewann die Schlacht.

Am Vortag der Schlacht nachts ließ FM Lobkowitz die das Gelände beherrschende Graner Koppe mit 10 Bataillonen, 15 Grenadierkompanien zu Fuß, 30 Schwadronen und 15 Grenadierkompanien zu Pferde und Karabiniers, dazu einer Batterie schwerer Kanonen besetzten. Das Hauptheer rückte auch nachts in 2 Treffen südlich der Graner Koppe, mit 6 Kavallerieregimentern auf dem rechten Flügel in Ausgangspositionen. Südwestlich Burkersdorf (heute Strítez) fuhr noch eine schwere Batterie auf.
Kurz vor Tagesanbruch war der Aufmarsch beendet, die Preussen von leichten Truppen eingeschlossen. Eine Niederlage der Preussen schien unausweichlich.

Aus Gründen, die nicht mehr nachvollziehbar sind, verzögerte Prinz Karl den Angriff.
Gegen 5 Uhr morgens erhielt Friedrich II. Meldung über den kampfbereiten Aufmarsch der Gegner, gleichzeitig begannen die Batterien auf der Graner Koppe zu feuern. Der König sah, das nur ein schneller Angriff helfen konnte, und außerdem die Graner Koppe umgangen werden konnte. Er ließ die Armee im Feuerbereich der Kanonen rechts schwenken. Anfangs begünstigte dichter Nebel die Operation, später erlitt die preussische Infanterie schwere Verluste, beendigte jedoch gegen 8 Uhr die Verschiebung der Front. FM Buddenbrock und General v.d. Goltz ließen die Kürassierregimenter Nr. 1 und 10 den steilen Hang der Graner Koppe hinaufstürmen, gefolgt von KR 13, DR 3 und den KR 2 und 12 im zweiten Treffen. Die Verbündeten hielte den steilen Hang als unangreifbar für Pferde, die Aktion der Preussen stiftete unter der kaiserlichen Reiterei große Verwirrung. Die Grenadiere und Karabiniers wurde in die Flucht gejagt und rissen die Kürassierregimenter Bernes und Serbelloni mit. Die preussischen Reiter wurde endlich durch schweres Gewehrfeuer in ihre linke Flanke gestoppt. Gleichzeitig waren jedoch 6 Bataillone der Brigade Blanckensee über den Osthang auf die Batterie vorgegangen.150 m vor ihr kam der Angriff ins Stocken, Oberst Benda führte mit 5 Grenadierkompanien einen Gegenstoß und drängte die Preussen zurück. Blanckensee sowie sein Sohn fielen.
Benda konnte seinen Vorstoß nicht ausbauen, da die nötige Unterstützung ausblieb.
Inzwischen hatte Friedrich II. die IR 17, 23 und das Grenadierbataillon 13/37 herangeführt, die nun unter Erbprinz Leopold in die große Batterie einbrachen. Keine der 75 Schwadronen der Verbündeten hatte in diesen Kampf eingegriffen! In dem engen Gelände drehten die Reiter ab und wandten sich zur Flucht. Die Schlüsselstellung der Verbündeten war verloren.

Friedrich II. wollte nun die Stellungen des Feindes von der Graner Koppe her aufrollen und hielt deshalb seine Mitte und den linken Flügel zurück. Er meinte jedoch ein Vorgehen der Verbündeten auf Burkersdorf zu bemerken und ließ deshalb ein Bataillon des IR 25 dorthin dirigieren. Die nachfolgenden Bataillone glaubten sich anschließen zu sollen, die Kavallerieregimenter Bornstedt, Rochow, Geßler und Alt-Württemberg links daneben. Dieser Aufmarsch geriet bald in das Feuer der schweren Batterie südwestlich Burkersdorf. Der Angriff stockte. Da sprang Prinz Ferdinand v. Braunschweig vom Pferd, setzte sich an die Spitze des II./IR 15 der Garde. Die Infanteristen stürmten mit gefälltem Bajonett die Höhe hinauf, und fielen in die IR Vetters und Botta. Die benachbarten preussichen Brigaden Dohna und Schlichting schlossen sich an. Die 14 Bataillone der Verbündeten wichen zurück und rissen das dicht aufgeschlossene 2. Treffen mit.
Gegen 11 Uhr räumten die kaiserlichen und Sachsen die Stellung und zogen unter schweren Rückzugsgefechten nach Altenbuch und Soor.
Am rechten Flügel der Verbündeten standen immer noch 2 Dragoner - und 4 Kürassierregimenter mit 36 Schwadronen (die Reg. Althann, Joh. Pálffy, Diemar,
St. Ignon, Hohen-Ems und Liechtenstein) nur 20 preussischen Schwadronen gegenüber. Sie hätten die linke Flanke der stürmenden preussischen Infanterie sehr gefährden können, blieben jedoch untätig stehen! Im Augenblick des beginnenden Rückzugs setzte GL v Rochow mit den Kürassierreg. 2 und 12 und dem DR 3 zur Attacke an, der die kaiserlichen Reiter auswichen. Die Kürassier zersprenget daraufhin die IR Damnitz und Kolowrat und machten viele Gefangene.

Die Katastrophe der Verbündeten wurde durch das undisziplinierte Verhalten des Kavalleriekorps Nádasdy besiegelt. Es hatte die Aufgabe, den Preussen im geeigneten Moment in den Rücken zu fallen. Vom letzten Standort in Chwalkowitz setzten sich die Husarenregimenter Esterházy, Nádasdy und Ghilányi mit Karlstädter, Temesvárer und Simbschen Grenzern Richtung Trautenau in Bewegung.
Anstatt jedoch wie vorgesehen in das Kampfgeschehen einzugreifen, überfielen sie das preussische Lager östlich Burkersdorf, steckten es in Brand und begannen zu plündern. Sie eroberten einen großen Teil der preussischen Bagage, darunter das ganze Gepäck Friedrich II. mit Kleidern, Tafelsilber, seinen geliebten Flöten und der Liebligshündin "Biche". Auch beide Kabinettssekretäre Eichel und v. Müller, der Leibarzt Dr. Lesser und die ganze königliche Dienerschaft fielen in die Hände der Husaren. Die Plünderer erkannten leider die Bedeutung der erbeuteten Kanzlei Friedrich II. nicht, vernichteten Karten, Briefe und wertvolles Geheimmaterial. Auch sollen sie wehrlose Männer niedergemacht und im Lager befindliche Frauen belästigt haben. Erst das Erscheinen von Truppen des preussischen Generals Hans v. Lehwaldt, die von Trautenau herbeieilten, machte dem Treiben ein Ende.
Graf Nádasdy bedauerte den Vorfall in einem Brief noch am selben Tag in dem er schrieb: ".....Die Beuthe so die Leute gemacht ist remarquable, allein solche hat unsere Leuthe verdorben da seer vüll Wein darbey gewesen...."
Erstaunlicherweise wurde dieser Vorfall nicht juristisch verfolgt, obwohl nach § 52 der Kriegsartikel Plünderungen während der noch andauernden Kampfhandlungen unter strenge Strafe gestellt waren. Da hier mehrere Einheiten plünderten, wurde wohl die ganze Sache mit Stillschweigen übergangen.
Um ihr schlechtes Image wieder aufzupolieren, verfolgten Nádasdys Husaren und Kroaten die abziehenden Preussen besonders eifrig und lieferten sich mit ihnen wütende Gefechte.

Verluste:
Die Preussen verloren 25% ihrer Soldaten.: 145 Offiziere und 3.766 Mann, davon 34 bzw. 852 tot.
Die kaiserlichen verloren 179 Offiziere und 6.510 Mann, verwundet, gefangen oder tot.
Die 6 sächsischen Bataillone verloren 35 Offiziere und 720 Mann

Ordre de Bataille der preussichen Armee
 
Oberbefehl: der König Friedrich II:
Linker Flügel: Prinz Leopold v. Anhalt, v. Kalckstein
v. Rochow, Markgraf Karl, 
v. Stille - Kav.. Reg. Geßler - v Kyau - Kav. Reg. Rochow, v Bornstedt, Kav. Reg. Bornstedt
v. Schlichting -IR. Schlichting und Grumbkow,  Prinz Ferdinand v. Braunschweig: Garde +
Gren.Garde
Zentrum: v. Jeetze
Graf z. Dohna, Prinz v. Preussen
Prinz Heinrich: IR Kalckstein, Lehwald, Polenz, Markgraf Karl
v. Blanckensee: IR Wedel, Tresckow, Finck, Anhalt
Rechter Flügel: v. Buddenbrock
v. Posadowsky
v.d. Goltz: Kav. Reg. Buddenbrock, Gensdarmes
v. Katzler: Kav. Reg. Prtinz v. Preussen, Kyau
 
Reserve: v. Bonin / de la Motte -  Kav. Reg. Alt Württemberg, Rothenburg ,Gardes du Corps
IR Gleist, Blanckensee, la Motte, Grenadier Bataillon Stangen
Brigade Schlichting: IR Schöning, Kleist v. Jung-Schwerin, Lindstedt, Trenck, Jeetze,
Natzmer
 
Ordre de Bataille der Verbündeten
 
Oberbefehl: Prinz Karl v. Lothringen
Linker Flügel: FM Fürst Lobkowitz
Graf Kolowrat: 15 Grenadier + Karabinier Kompanien zu Pferde
Meligni: IR Neipperg, Harrach. v. Hagenbach: IR Wurmbrand, 10 Grenz-Komp. zu Fuß
Graf Königsegg / Marschall: IR Franz Lothrimgen, Karl Lothringen, Alt-Königsegg
2. Treffen: IR Karl Lothringen, Alt-Königsegg, Franz Lothringen, 5 Grenz-Komp. zu Fuß
FML Preysing / Bechini: DR Preysing, Württemberg, Philipert
                        Soyer: KR Serbelloni, Bernes
Rechter Flügel: FM Herzog v. Arhemberg
FZM Wallis, G.d.C Hohen-Ems
FML Polenz: Radicati: Kav. Reg. Czernin, Birkenfeld. Buchner: Kav. Reg. O´Byrn.
 Bentheim: Kav. Reg. Dallwitz, Vitzthum
Prinz v. Sachsen-Gotha: GM Minckwitz: IR Prinz Xaver, Garde. GM Harsch: IR Botha
GM Heusler: IR Vettes. GM Bostanzi: IR Bayreuth, Wolfenbüttel.
FML Mercy: GM Durlach: IR Kolowrat, Baden-Baden.
                                   GM Sincére: IR Damnitz.
FML Balayra: GM Daun: DR Diemar. GM Kalckreuth: Kav. Reg. J. Pálffy, DR Althann
 
FZM Graf L. Daun: FML Bernes: GM Mörninger: DR Lucchesi, K. Pálffy
                               FML Dungern_ IR Sachsen-Gotha, Browne, Gyulai, Siebenbürger
                               FML Prinz L. E. v Braunschweig: GM Cosa: IR Andlau, O´Gylvi
                                   GM Puebla: IR Platz, Grünne GM St. André: IR Waldeck, Daun,
GM Wurmbrand: IR Neipperg, Harrach
       FML St. Ignon, GM Sproda: KR Hohen-Ems, DR Liechtenstein, St.Ignon

 Außerhalb des Schlachtfeldes: Korps FM Franz Nádasdy mit den HR Esterházy, Nádasdy und Ghilány sowie den Karlstädter, Temesvárer und Simbschen Grenzern.



Harald Skala

Quellen:

-    G.Dorn / J. Engelmann, Die Schlachten Friedrich des Grossen, Augsburg 1997
-    G. Schlag: Unser Leben und Blut für die Königin, Eisenstadt, 1999
-    Geschichte des K.u.K. Husarenregiments Graf Nádasdy Nr.9, Sopron, 1903   den Treueeid.


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