Die Schlacht bei Lobositz
am 1. 10. 1756


Es war die erste Schlacht des Siebenjährigen Krieges und fand eigentlich von beiden Seiten ungewollt statt. Auch ihr Ergebnis ist bis heute umstritten. War Friedrich II. oder FM U. Brown der Sieger? Die zeitgenössischen Berichte gehen teilweise stark auseinander. Franz Quandt hatte 1909 in seiner Doktorarbeit die verschiedenen Quellen ausgewertet. Die folgende Schilderung beruht größtenteils auf seinem Werk, ergänzt um einige Details aus anderen Quellen.

Einleitung

Im August 1756 fielen die Preussen in drei großen Heeressäulen in Sachsen ein. Die auf einen Krieg unvorbereiteten sächsischen Regimenter strebten einzeln zu dem Sammellager bei Pirna. Maria Theresia war bereit die sächsische Armee auf ihrem Gebiet aufzunehmen, die Sachsen hatten es aber nicht eilig. Dann war es zu spät. Friedrich II. umzingelte das Lager weiträumig, aus eigenen Kräften konnten sich die Sachsen nicht mehr nach Böhmen durchschlagen. König August flüchtete auf den uneinnehmbaren Königsstein und überließ seine Armee (ca. 20.000 Mann mit 97 Geschützen) ihrem Schicksal.
FM Maximilian Ulysses, Reichsgraf v. Browne de Camus u. Mountany
BrowneDie Sachsen baten Maria Theresia um Entsendung eines Hilfskorps von 10.000 Mann, in Wien wusste man jedoch, dass dies nicht ausreichen würde und bei einem Zusammenstoss mit Friedrich II. auch das kaiserliche Hilfskorps mit in´s Verderben gerissen würde.
In Böhmen standen damals zwei Armeen. Die Hauptarmee bei Kolin wurde FM Maximilian Ulysses, Reichsgraf v. Browne de Camus u. Mountany, einem erfahrenen General irischer Abstammung anvertraut. Die zweite Armee unter Piccolomini stand noch in Mähren. Diese war Browne nur bedingt untergeordnet.
Browne bekam den Befehl, die Sachsen aus ihrer misslichen Lage bei Pirna zu befreien. Dazu fehlten ihm aber im August die nötigen Truppen und jegliches sonstige Material (Geschütze, Potonbrücken) und leichte Kavallerie.

Der Oberbefehlshaber kam im Lager bei Kolin am 26.8. an. Die dort versammelten Truppen bestanden damals aus ca. 23.400 Mann Infanterie, 7.300 Mann Kavallerie und 1.700 Artilleristen. Ein Teil der Geschütze, die Pontons sowie leichte Kavallerie waren noch nicht eingetroffen.
Nach Anweisung des Hofkriegsrates sollte Browne den Gegner beobachten und sich vorerst auf keine größere Aktion einlassen.
Um seine rechte Flanke zu decken, wurde Piccolomini mit seiner Armee nach Königgrätz (heute Hradec Kralove/CZ) herangezogen.
Um die Verbindung mit den Sachsen aufrecht zu erhalten, schickte Browne Anfang September GM Wied mit einer stärkeren Abteilung nach Aussig (Usti nad Labem/CZ). Nun sollte den Sachsen, die inzwischen von jeglichen Hilfslieferungen abgeschnitten waren möglichst schnell geholfen werden.
Browne brach deshalb am 14.9. mit seiner Armee von Kolin auf um das befestigte Lager bei Budin zu beziehen. Dort trafen die Truppen am 20.9 ein.
Die neue Order hieß - falls unumgänglich - auch eine Schlacht zu wagen.
Inzwischen war das Korps von Ferdinand v. Braunschweig nach Böhmen vorgerückt, das Korps Wied war zur Hauptarmee in Budin zurückgegangen. Braunschweig besetzte Aussig und blieb dort vorerst stehen, womit er Brownes Plan - ihn weiter in das Innere des Landes zu locken - vereitelte.
Oberstleutenant Strozzi mit seinen Székely-Husaren und 2 Bataillonen vertrieb die kleine Abteilung der Kaiserlichen aus Teschen (Decin/CZ).
Browne entsendete Oberstlieutenant Mac-Elliot mit 400 Karlstädter-Liccaner Grenzhusaren und Freiwilligen um das feste Schloss Schreckenstein (Strekov/CZ) bei Aussig zu besetzen und den von den Preussen beabsichtigten Brückenbau über die Elbe zu stören.
Gleichzeitig ging Oberst M. Graf Lacy mit 2 Bat. IR Browne und Colloredo, 6 Grenadierkompanien, 1 Bat. Karlstädter-Liccanern und 2 Grenadierkompanien zu Pferde nach Leitmeritz (Litomerice/CZ) um die Gegend rechts der Elbe zu decken.
So hatte sich Browne nach allen Seiten abgesichert und überlegte nun, wie er den Sachsen zur Hilfe gehen könnte.
Inzwischen waren sämtliche Verstärkungen eingetroffen und Browne brach Richtung Lobositz (Lovosice/CZ) auf, wobei er Täuschungsmanöver auf der anderen Elbseite vornehmen ließ. Der Aufbruch erfolgte am 30.9. Sämtliche Bagage und die Kranken blieben im Lager Budin. Marschverpflegung wurde für 2 Tage mitgenommen.
Im Laufe des Tages erhielt Browne die Meldung, dass Friedrich II. persönlich mit seiner Armee im Anmarsch ist.
Dieser hatte FM Keith (er übernahm am 19.9. von Herzog v. Braunschweig den Befehl über die Observationsarmee) mit weiteren Truppen verstärkt. Die preussische Armee sammelte sich im Lager bei Johnsdorf (Janov/CZ) wo der König mit seinem Stab am 28.9 eintraf. Zu diesem Zeitpunkt glaubte Friedrich II. immer noch, dass Browne bei Kolin steht und nur ca. 15.000 Mann zur Verfügung hat.
Um einem Entsatzversuch der Kaiserlichen zuvor zu kommen, entschied der König über Wellemin (Velemin/CZ) nach Lobositz zu marschieren. Inzwischen hatte er erfahren, dass bei Lobositz kaiserliche Truppen gesichtet wurden, über ihre Stärke war jedoch nichts bekannt.
Die Preussen rückten in 3 Kolonnen unter Zurücklassung des Gepäcks und der Pontons in Aussig über Türmitz (Trmice/CZ, heute Vorort von Aussig) vor.

Aufstellung der gegnerischen Streitkräfte
 
Die Armee FM U. v. Browne (1.10. morgens)

Infanterie

Kavallerie

Bataillon

Name des Regiments

Eskadron

Name des Regiments

2

IR Kaiser

6

Kürassier Reg. Cordova

2

IR Louis Wolfenbüttel

6

Kürassier Reg. Anspach

2

IR Harsch

6

Kürassier Reg. Trautmannsdorf

2

IR Alt-Wolfenbüttel

6

Kürassier Reg. Serbelloni

2

IR Baden-Durlach

6

Dragoner Reg. Erzh. Joseph

2

IR Wallis

6

Dragoner Reg. W. Liechtenstein

2

IR Harrach

1

Dragoner Reg. Batthyanyi

2

IR Hildburghausen

1

Dragoner Reg. Kolowrat

2

IR Kolowrat

6

Kürassier Reg. Erzh. Ferdinand

2

IR Nik. Esterházy

6

Kürassier Reg. Stampach

2

IR Jos. Estarházy

6

Kürassier Reg. Bretlach

2

IR Kheul

4

Husaren Reg. Baranyay (nur 300 )

2

IR Waldeck

4

Karlstädter Grenzhusaren*

2

IR A. Colloredo

 

 

2

IR U. Browne

 

 

2

Banaler Grenzinfanterie

 

 

2

Karslstäd.-Liccaner Grenzinfant.

 

 

 

Karlstädter-Oguliner Grenz. (400 M.)

 

 

  * Bemerkung: in der Literatur wird das Husarenreg. "Hadik" geführt. Graf Andreas Hadik führte bei Lobositz das Karlstädter Grenzhusarenregiment, nicht sein eigenes!!


Insgesamt hatte also Browne bei Lobositz 34 Bataillone Infanterie, 56 Esk. "deutsche Kavallerie", ein Grenzhusarenregiment und einige hundert "Kommandierte".
Jedes der o. erw. Infanterieregimenter hatte 2 Grenadierkompanien. Diese wurden vor der Schlacht zu einem Grenadierkorps zusammengefasst (es waren dementsprechend 34, plus 1 Grenadierkompanie vom IR Marschall, das selbst  bei Piccolomini stand).
Die Anzahl der Grenzer ist nicht genau bekannt. Außer den 4 Bat. Liccaner und Banalisten (insgesamt 3.916 "streitbare") wohl noch ca. 400 Oguliner. Sie spielten in der kommenden Schlacht eine wichtige Rolle.
Von den Kavallerieregimentern wurden die Elitekompanien - Karabiniérs (Kürassiere) und Grenadiere (Dragoner und Grenzer) auch zusammengefasst, es waren also insgesamt 12.
 
In Summe hatte Browne 26.500 Mann Infanterie, 7.500 Reiter (hier sind nur die "streitbaren" genannt!) und 94 Geschütze.
 
Oben erwähnte Zahlen decken sich weitgehend mit den in der zeitgenössischen Literatur genannten. Friedrich II. selbst erwähnte allerdings später (wohl um seinen "Sieg" noch mehr hervorzuheben) die Stärke seines Gegners mit 60.000 Mann!

Die Armee Friedrich II.
(so wie sie auf dem Schlachtfeld eintraf)

1. Kolonne (FM Keith)

2. Kolonne (Pr. v. Preussen)

3. Kolonne (FM v. Gesler)

1 Gren. Bat. Puttkammer

2 Bat. IR Hülsen

1 Gren. Bat. Kleist

1 Bat. Anhalt

2 Bat. Münchow

1 Bat. Zastrow

2 Bat. Itzenplitz

2 Bat. Blanckensee

5 Esk. Driesen

2 Bat. Münchow

2 Bat. Bevern

5 Esk. Schönaich

5 Esk. Gensd´armes

2 Bat. Kleist

5 Esk. Markgr. Friedrich

5 Esk. Pr. v. Preussen

20 Kanonen (12 Pfd.)

5 Esk. Leibregiment

5 Esk. Karabiniérs

 

200 Husaren (Szekely)

5 Esk. Rochow

 

 

10 Esk. Bayreuth

 

 

200 Husaren (Szekely)

 

 

20 Kanonen + 10 Haubitz.

 

 

 
Avantgarde unter dem König

1 Gren. Bat. Grumbkow

5 Esk. v. Oertzen Dragoner

1 Gren. Bat. Billerbeck

5 Esk. Truchsess Dragoner

2 Bat. IR Braunschweig

1 Esk. Grade du Corps

2 Bat. IR Quadt

1 Gren. Komp. Grade

2 Bat. IR Anhalt

500 Husaren (Szekely)



Insgesamt hatte Friedrich II. 18.250 Mann Infanterie und 10.500 Mann Kavallerie (nur "streitbare"!) so wie 47 große und 52 Bataillonsgeschütze zur Verfügung.

Browne hatte seine Truppen wie folgt aufgestellt:
vor Lobositz 6 Grenadier Kompanien unter Oberstlieut. Baumbach, 1.800 Grenzer unter GM Draskovics, 4 Grenadierkompanie z. Pf. unter Oberstlieut. Fuchs, 8 Karabiniérkompanien unter GM O´Donell und eine Abteilung Karlstädter Grenzhusaren unter Graf A. Hadik.
Bei Tagesanbruch wurden diese Truppen noch durch die IR Louis Wolfenbüttel, Jos. Esterházy, Hildburghausen, U. Browne und Colloredo (die letzten beiden erst bei Tagesanbruch unter Lacy von Leitmeritz angekommen).sowie dem Dragonerregiment Erzh. Joseph verstärkt, so dass hier 12.000 Mann, beinahe 1/3 der Armee, stand.
Am Hang des 572 m hohen Lobosch Berges, in den Weinbergen, waren ca. 1.000 Karlstädter Grenzer (unter Oberstlieut. G. Laudon), Grenadierkompanien der IR Kaiser und Jos. Esterházy so wie 100 Freiwillige Füsiliere beider letztgenannten Regimenter. Diese Einheiten hatten in der folgenden Schlacht eine maßgebende Rolle.
Die 12 Karabiniér- und Grenadierkompanien zu Pf. standen südlich von Lobositz, Richtung Sullowitz, hinter ihnen die Husaren. Weiter rückwärts standen die KR Cordova und Stampach.
Das Gross des Heeres stand in 2 Treffen innerhalb des großen Bachbogens des Modelbaches hinter Sullowitz. Dieses Dorf war von Grenadieren und Grenzern stark besetzt.
Auch in der Stadt Lobositz hatte Browne eine stärkere Abteilung aufgestellt, ihre Linie reichte bis an das an der Elbe gelegene Velhota. Die Linie war durch Schanzwerke und eine Batterie verstärkt.
In dieser Stellung erwarteten die Kaiserlichen ihren Gegner.

Die Schlacht bei Lobositz
Reitergefecht in der Schlacht bei Lobositz


Die Preussen rückten von Velemin durch das Tal zwischen dem Lobosch Berg und dem Bergrücken des etwas niedrigeren Homolka gegen Lobositz vor.
Auf dem linken Flügel nahm der Herzog v. Bevern mit Gren. Bat. Grumbkow und Billerbeck und 2 Bat. IR Anhalt in dem nördlich des Lobosch zur Elbe führendem Tale Aufstellung. Rechts stand FM Keith mit seinem Korps. Das Gross der Armee lagerte während der Nach unter Gewehr zwischen Velemin und Bilinka.
Kurz vor Sonnenaufgang erhielt Friedrich II. zwei unterschiedliche Meldungen. Nach der ersten marschierte der Gegner gegen die Elbe um sich zurückzuziehen, die andere besagte, dass er in zwei Linien gegen die preussischen Stellungen vorrücke.
Um gegen alle Eventualitäten gerüstet zu sein, befahl Friedrich den sofortigen Aufmarsch des Heeres. Da er immer noch nicht wusste, was ihn erwartet, hatte er auch keine Order für den folgenden Tag ausgegeben.
Dem rechten Flügel gelang es ohne große Schwierigkeiten die Grenzer aus dem Dorf Wchinitz (in manchen Quellen Kitnitz genannt) zu vertreiben und den Homolka Bergrücken zu besetzen. Das Zentrum ging entlang der beiden nach Lobositz führenden Straßen vor. Der linke Flügel unter Bevern hatte größere Schwierigkeiten. Die in den Weinbergen des Lobosch versteckten Grenzer empfingen die Preussen mit einem gut gezielten Feuer.
Der König wusste immer noch nicht, wie stark der Gegner war und wo er genau stand. Die Landschaft war in dichten Nebel gehüllt. Friedrich, der sich auf den Homolka Rücken begeben hatte, sah nur dass Lobositz von Infanterie besetzt ist und dass bei Sulowitz einige Kavallerie stand. Von den hinter dem Model Bach aufmarschierten zwei Treffen sah er nichts.
Gegen 7.30 eröffneten die Batterien beider Seiten ihr Feuer, dass über 4 Stunden andauerte. Augenzeugen behaupteten, dass es das vernichtendste Feuer war, dass sie bis dahin erlebt hätten. Die Kaiserlichen ließen sich von dem Feuer nicht beeindrucken, nur die Kavallerie wechselte mehrmals ihren Standort. Diese Beharrlichkeit überraschte die preussischen Generäle, sie merkten, dass ihr Gegner gegenüber dem letzten Krieg eine andere Qualität hatte!
Gegen 7 Uhr stieg der Nebel etwas, blieb aber in höheren Lagen hängen. Der Pulverdampf verschlechterte die Sicht zusätzlich. Die in niedrigeren Lagen stehenden Generäle meldeten nun dem König, dass Browns Armee hinter Lobositz in 2 Treffen steht. Er selbst sah von seinem erhöhtem Standpunkt immer noch nichts!
Mehr und mehr glaubte er nun aber doch, dass er es nicht nur mit einer Arriérgarde zu tun hat.
Die Grenadiere und Grenzer am Lobosch wehrten sich nun schon mehrere Stunden gegen die Überzahl der Preussen. Sie wichen zwar, benutzten aber jeden Stillstand des Gegners um wieder vorzurücken. Das Terrain war für die Kampfweise der Preussen völlig ungeeignet. Die gut versteckten Grenzer verteidigten ihre Stellungen hervorragend. Sie wurden auch von der vor Lobositz stehenden Batterie wirkungsvoll unterstützt. Bevern musste also den König um Unterstützung bitten. Kurz nacheinander kamen das 2. Bat. Itzenplitz und die Gren. Bat. Kleist und Münchov in den Weinbergen an.
Im Zentrum und am rechten Flügel der Preussen hatte sich bis dahin nichts getan. Durch das Feuer der Kaiserlichen Geschütze wurde GM Quadt durch einen Steinsplitter tödlich verletzt, GL v. Kleist schwer verwundet (er blieb aber bis zum Ende der Schlacht im Sattel!)

Es ging auf 10 Uhr und Friedrich wusste noch immer nicht genau, wo die Hauptmacht des Feindes steht. Er entschied sich also die für ihn sichtbare kaiserliche Kavallerie aus der Ebene vor Lobositz zu vertreiben. GL Kyau attackierte mit 18 Eskadronen. Das DR. Bayreuth sollte im 2. Treffen folgen. An der Spitze ritt FM v. Gesler.
Die kaiserliche Kavallerie hatte durch das Feuer der preussischen Kanone bereits viel gelitten (FML Graf Radicati wurde durch eine Kugel tödlich getroffen, GM O´Donell übernahm den Befehl). Es standen hier 12 Karabiniér und Grenadierkompanien zu. Pf. das DR Erzhr. Joseph und die Husaren. Dahinter die KR Cordova und Stampach.
Vor der Attacke der preuss. Reiter zogen sich die in den Gräben und Hohlwegen versteckten Grenzer zurück, die Kaiserlichen wurde durch den Aufprall geworfen. Die Preussen kamen aber in das Kleingewehrfeuer von der bei Sullowitz stehenden Infanterie. Das Garde du Corps erlitt schwere Verluste. Das DR Bayreuth fiel den Kaiserlichen nun in die Flanke. Gegen sie ritt das KR Cordova an, büßte aber 2 Standarten ein und konnte sich erst durch das herbeigeeilte KR Stampach wieder sammeln.
Die Preussische Kavallerie wurde nun von allen Seiten bedrängt und flutete zurück, wobei sie von den Kaiserlichen Reitern nur eine kurze Strecke verfolgt wurde. Als Friedrich den Rückzug seiner Reiter bemerkte, schickte er 13 weitere Eskadronen unter GM v. Driesen zur Unterstützung. Durch ein Misverständnis setzte sich jedoch der ganze Rest der Reiterei (43 Eskadr.) in Bewegung.
FM Gesler, GL Kyau und der Adjutant des Königs, Oberst Oelsnitz versuchten die hinter ihre eigene Infanterie zurückgewichenen Reiter der 1. Attacke zu ordnen und nochmals vorzuführen. Zu dieser Zeit begab sich wohl die in mehreren Quellen beschriebene Geschichte: Friedrich II. kritisierte den alten FM Gesler wegen der erfolglosen Attacke. Gesler schob wutentbrannt seinen Säbel in die Scheide, schwor ihn niemals wieder zu ziehen und ritt nur mit seiner Reitpeitsche bewaffnet zur 2. Attacke. Von 2 Musketenkugeln getroffen fand er dabei den Tod.
Ungefähr 10.000 preussische Reiter brausten nun gegen die Kaiserlichen. Die Grenzer hatten wieder rechtzeitig das Weite gesucht, die kaiserliche Kavallerie floh gegen den Ort Prosnick. Ihrer Verfolgung beendeten aber bald Geländehindernisse.
59 Eskadronen waren auf einem Raum von 1.000 m Breite zusammengedrängt, vor ihnen Hohlwege, Gräben und sumpfiges Gelände. Vom linken Flügel wurden sie außerdem noch von Prinz Löwenstein mit den KR Bretlach und Anspach angefallen.
Die preuss. Reiter wendeten ihre Pferde und versuchten ihre Ausgangsposition zu erreichen. Viele versanken dabei im morastigen Boden, andere wurden von dem Feuer, das von allen Seiten auf sie hereinprasselte getötet. Die Reiterei der Preussen war völlig durcheinander, die Pferde ermattet, in den weiteren Kampf konnte sie nicht mehr eingreifen. Eine dritte Attacke, so wie sie in manchen Berichten erwähnt wird, gab es jedenfalls nicht. Beide Attacken fanden zwischen 11 und 12 Uhr statt.
Graf Lucchese, der mit KR Trautmannsdorf und DR Liechtenstein den Kaiserlichen zur Hilfe geeilt war, stieß nur noch auf flüchtende preuss. Reiter.


"Die Schlacht bey Lowositz war die erste im siebenjährigen Kriege. Der Künstler hat den Augenblick gewählt, der den Sieg entschied. Nach verschossenen Patronen drangen die Regimenter v. Itzenplitz u. v. Manteufel mit gefälltem Bajonett in die Stadt und schlugen neun ganz frische österreichische Bataillone in die Flucht."


Nach dem der Nebel nun völlig gewichen war, sah Friedrich II. nun auch die gesamte Aufstellung der Kaiserlichen vor sich, die hinter dem Modelbach standen.
Heftig gekämpft wurde immer noch auf dem linken Flügel, am Lobosch Berg. Der König bemerkte, dass sich bei Lobositz ein neues Angriffskorps bildet  Herzog v. Bevern bat abermals um Verstärkung. Das 1. Bat. IR Itzenplitz eilte zur Hilfe. Gleichzeitig kam die Meldung, dass den Regimentern auf den Hängen des Lobosch die Munition ausging! Friedrich ließ schnell Munition vom rechten Flügel dahinschaffen.

Wie sah nun die Lage am späten Vormittag aus? Die Preussen standen noch in ihren ursprünglichen Positionen, das Zentrum und der rechte Flügel hatten noch kaum in die Kämpfe eingegriffen. Der linke Flügel war nach stundenlangen Kämpfen gegen die relativ kleine Schar Grenzer und Grenadiere erschöpft und litt an Munitionsmangel. Die Kavallerie war zu keinem weiteren Einsatzes fähig.

Browns Heer hatte zwar Verluste, seine Kavallerie hatte stark gelitten, ihr größter Teil stand aber noch bei Sullowitz und auf dem linken Flügel völlig intakt. Die Infanterie hatte zwar durch ihr Feuer in den Kampf der Kavallerie eingegriffen, stand aber die übrige Zeit völlig untätig in ihren Positionen.

Wenn sich nun FM U. Browne entschlossen hätte mit aller Kraft einen Vorstoß gegen den preuss. linken Flügel zu unternehmen, wäre ihm ein grandioser Sieg gewiss!

Die Lage wurde auch Friedrich II. bewusst. Er rief seine Generäle zusammen um zu beraten. Es wurde beschlossen, das Bevern am Lobosch noch "sein Bestes tun" sollte, FM Keith danach den geordneten Rückzug in die Wege leiten sollte. Der König verließ danach mit seiner Begleitung das Schlachtfeld und ritt nach Bilinka zurück.

FM Browne hatte Oberst M. Lacy den Befehl, mit dem IR Jos. Esterházy, 1 Bat. IR Colloredo und 6 Grenadierkompanien unter der Führung von Oberst Philipp Georg Browne (auch der 2. Sohn des Feldmarschalls, Joseph Ulysses, kämpfte in der Schlacht als Obrist im Regiment seines Vaters) und Obstlt. Baumbach die Grenzern am Fuße des Lobosch in ihrem heldenmütigen Kampf zu unterstützen (das waren die Bewegungen, die Friedrich II. wie vorher geschildert gegen 12 Uhr vom Homolka-Berg gesehen hatte).
In den Weinbergen entstand ein heißer, ca. 1,5 Std. dauernder Kampf. Den ca. 4.200 Kaiserlichen standen 9 komplette preussische Bataillone mit Geschütz gegenüber.
Lacy, der unerschrocken vorstürmte, wurde von einer Kugel getroffen und musste vom Kampfplatz getragen werden. Der Sturm erlahmte. Nun warfen sich den Kaiserlichen die preuss. Grenadiere mit dem Bajonett (da sie keine Munition mehr hatten) entgegen und trieben sie langsam aber stetig den Berg hinunter. Der Rückzug setzte sich bis Lobositz fort. Die dort stationierte kaiserl. Infanterie stoppte vorerst den Ansturm.
Der Erfolg des Bevern´schen Korps hatte jedoch die Aufmerksamkeit der Preussen auf dem rechten Flügel geweckt. Adjutant Oberst Oelsnitz ritt die ganze Linie entlang und bewegte das Ganze, sich nach links zu ziehen. Auch FM Keith befahl seinem Korps nun von den Höhen herunterzugehen, auf der ganzen Front vorzurücken und übernahm die Führung.
Die äußerste Linke der Preussen hatte sich inzwischen bis Welhota an die Elbe bewegt und stand in der rechten Flanke des Gegners. Ein Teil der kaiserlichen Infanterie stürzte sich in die Elbe. Die vorgezogenen preussischen Geschütze schossen mehrere Häuser in der Stadt in Brand. Die kaiserlichen Truppen in der Stadt wehrten sich noch eine Zeitlang, mussten dann den Ort aber gegen 12 Uhr nach kurzem Häuserkampf mit dem Grenadierbataillon Kleist unter Hptm. v. Bornstädt doch räumen.
FM U. Browne versuchte noch die IR Kaiser, Kolowrat und Nikolaus Estarházy zur Verstärkung heranzuziehen, aber auch sie vermochten die Situation nicht mehr zu Gunsten der Kaiserlichen zu ändern. Gegen 14.30 war die Stadt endgültig in den Händen der Preussen.

FM U. Browne zog sich gegen 15 Uhr mit seiner Armee in völliger Ordnung und unter Verlust von nur 3 Geschützen und 2 Standarten (die des KR Cordova) in sein ursprüngliches Lager hinter Lobositz zurück. Bis zur Nacht blieben die Truppen unter den Waffen.

Als Friedrich II. durch Adjutant v. Oelsnitz die Nachricht von der Wende des Geschehens bekam, ritt er zurück und übernahm wieder den Oberbefehl. Er ließ Lobositz durch die noch frischen Bataillone IR Zastrow und Anhalt besetzten, FM Keith logierte im Stadtschloss, Friedrich verbrachte die Nacht im Hause des Richters in Wchinitz. Auch die Preussen blieben über die Nacht unter den Waffen.
Friedrich II. erwähnte übrigens in seiner späteren Korrespondenz nirgends, dass er zeitweilig nicht am Schlachtfeld zugegen war!

Bei einer neuerlichen Beratung der preuss. Generäle in Wchinitz, kam man zu dem Ergebnis, dass falls FM Browne am nächsten Tag den Kampf wieder aufnehmen würde, das Ergebnis wegen der doch stark angegriffenen preussischen Truppen sehr fraglich wäre. Den Beschluss zu einem weitern Rückzug auf Velemin fasste man jedoch nicht. Um 2 Uhr morgens meldete ein Deserteur, dass sich die kaiserliche Armee auf dem Marsch nach Budin befindet.

Was hatte FM Browne zu einem weiteren Rückzug bewogen? In der Schlacht hatte er ca. 3/5 seiner Truppen eingesetzt, Teile der Infanterie und die Kavallerie hatten große Verluste erlitten (hauptsächlich durch Geschützfeuer!). Eine Notwendigkeit, unter diesen Umständen eine Entscheidung zu suchen bestanden für FM Browne nicht. Seine Ordre war ja vor Allem den Sachsen bei Pirna aus ihrer misslichen Lage zu helfen. Dies wollte er nun - ungestört von dem angeschlagenen Friedrich II.-  tun.
Wann der Aufbruch erfolgte ist umstritten. Die Quellen geben zwischen 23 Uhr und 02 Uhr an.

Die Verluste

Wie bei den meisten Schlachten, sind auch hier die Quellenangaben sehr unterschiedlich. Nach Auswertung aller damals (1909) zur Verfügung stehenden Informationen gibt F. Quandt an:

Preussen:
Infanterie: tot: 5 Offiziere, 425 Mann, verwundet: 53 Offiziere, 1.374 Mann, desertiert: 138 Mann.
Gesamt: 1.995
Kavallerie: tot: 11 Offizier, 333 Mann, verwundet 28 Offiziere, 424 Mann, gefangen: 8 Offiziere, 232 Mann.
Gesamt: 1.036
Artillerie:    keine Angaben
Gesamtverlust: 3.031 Mann

Kaiserliche:
nach der von FM Browne persönlich gemachten Meldungen belief sich der Gesamtverlust auf 2.863 Mann

FM Browne war mit seinem Heer unbehelligt von den Preussen am 8.10 in Budin aufgebrochen, in Richtung Pirna gezogen und erlangte den mit den Sachsen vereinbarten Treffpunkt Mitteldorf am 11.10.. Die Verbindung scheiterte, die Sachsen kapitulierten am 16.10. und Browne marschierte wieder zurück nach Böhmen.

Harald Skala

Quellen:
  • Franz Quandt, "Die Schlacht bei Lobositz", Dissertation, Berlin, 19009
  • Edith Kotasek, "Graf Lacy", Horn, 1956
  • G. Dorn/J. Engelmann, "Die Schlachten Friedrich des Grossen", Augsburg, 1997
  • M. Bertling, "Die Kroaten u. Panduren in der Mitte des XVII Jh.", Dissertation, Berlin, 1912
  • W. Edler v. Janko "Laudon´s Leben", Wien, 1869
  • A. v. Wrede, "Die Geschichte der k. k. Wehrmacht", Wien 1898 - 1905
  • Kolektiv, "Pod Cisarskym Praporem", Prag, 2003


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