Der legendäre Husarenritt des
FML Andreas, Graf Hadik auf Futak nach Berlin 1757
Es gibt viele interessante Geschichten über berühmte "Husarenritte"
während der Kriege zwischen Preussen und Österreich im 18. Jahrhundert.
Eine der wohl bekanntesten ist die Besetzung von Berlin im Handstreich
durch Graf Hadik im Oktober 1757.
Die Geschichte hatte sich während des Siebenjährigen Krieges
zwischen dem Preussenkönig Friedrich II und Kaiserin Maria Theresia
zugetragen.
Im September 1757 war die Lage für Friedrich II. äußerst
kritisch. Nach der verlorenen Schlacht bei Kolin am 18.6. waren die Russen
- Verbündete der Österreicher - in Preussen eingerückt,
die Franzosen hatten die Hannoveraner geschlagen, die Schweden in Pommern
eingerückt und die Reichsarmee mit Franzosen auf dem Marsch nach Sachsen.
Im August teilte der König seine Kräfte, marschierte nach
Sachsen und ließ Herzog von Braunschweig-Bevern mit einem Teil der
Armee bei Görlitz. Dieser zog die Neisse abwärts und nahm bei
Liegnitz Stellung.
Dies war die Ausgangssituation für Graf Hadiks legendären
Ritt nach Berlin, der Haupstadt Preussens.
FML Graf Hadik sammelte sein kleines Korps am 10.10.1757 in Elsterwerda.
Es bestand aus 900 Mann Infanterie, 2100 Mann Szuliner und Gradiskaner
Grenztruppen, 1000 Kürassieren und 1100 Husaren, dabei das komplette
Regiment Ujházy (später HR Nr. 8). Außerdem wurden 6
Geschütze mitgeführt.
(Andere Quellen geben 3500 Grenzer, Husaren und 2 Eskadronen Kürassiere
sowie 1100 "Reiter" mit 2 Geschützen an).
Außer FML Graf Hadik waren noch die Generäle Paul Frhr.
v. Babocsay, Graf Mittrovsky und von Kleefeld mit von der Partie. General
Kleefeld blieb mit 1000 Grenzern, 240 Kürassieren, 300 Husaren und
2 Geschützen in Elsterwerda als Rückendeckung zurück. 100
Husaren mit ausgesuchten Pferden sollten die Kommunikation zwischen den
Generälen in den Marschstationen aufrecht erhalten. Obrist Ferdinand
Franz v.Ujházy mit 300 Husaren seines Regimentes sicherte die Marschkolonne.
Am 11.10. brach das Korps auf, erreichte Dobrilugk und am 12.10. Lukau.
Von hier verließ Obrist Ujházy mit seiner Abteilung die Hauptkolonne
um unterwegs über Golsen, Baruth nach Mittenwalde zu ziehen und so
viel wie möglich Kriegssteuer einzutreiben. Die Hauptmacht unter Graf
Hadik marschierte über Lübben und am 14.10 am Ufer der Spree
entlang auf direktem Weg nach Berlin. Eine Abteilung Husaren wurde nach
Beeskow geschickt um die dortige Brücke zu sichern. Am 15.10 erreichte
Graf Hadik Königs-Wusterhausen und befahl Obrist Ujházy auf
der Potsdamer Straße gegen Berlin zu marschieren. Um unentdeckt zu
bleiben, brach die Hauptkolonne noch in der Nacht zum 16.10 auf, bog von
der Hauptstraße ab und erreichte durch den königlichen Wald
das schlesische Tor vor Berlin.
Graf Hadik schickte einen Trompeter in die Stadt mit der Forderung
von 300.000 Talern Brandsteuer. Der Magistrat sah sich außerstande
zu verhandeln, da die Stadt unter einem Militär-Gouverneur stand.
Die Österreicher hatten inzwischen alle Vorkehrungen getroffen
und gingen zum Sturm über, der zuerst auf das schlesische Tor und
die Spreebrücke gerichtet war. Obrist Ried rückte mit 4 Kompanien
Grenzer über den Flossgraben gegen das Tor, zwei Kompanien mit 2 Kanonen
nahmen die ungefähr 300 Mann, die hinter der aufgezogenen Zugbrücke
und am Ufer der Stralauer Vorsdtadt Stellung bezogen hatten,unter Feuer.
Eine der ersten Kugeln zerschmetterte die Kette der Zugbrücke, die
herabfiel. Freiwillige drangen sofort ein und überwältigten die
Torwachen. Graf Hadik drang mit 1400 Reitern verschiedener Regimenter durch
das schlesische Tor und führte sie gegen 2 preussische Battalione,
die in 2 Straßen der Louisen-Vorstadt Stellung genommen hatten. In
dem anschließenden Gefecht wurden die 2 Battalione in wenigen Minuten
völlig aufgerieben, wobei Obrist Ried mit seinen Grenzern in der rechten
Flanke der Preussen fleißig mitgeholfen hatte. General Babocsay wurde
bei dieser Attacke tödlich verwundet und verschied kurz darauf, dem
Major Graeven (ab 1761 Regimentsinhaber des HR Nr. 8) wurde das Pferd unter
dem Leib erschossen.
Zur gleichen Zeit hatte sich eine Abteilung von 300 bis 400 Mann preussischer
Infanterie beim Cotbusser Tor aufgestellt. Als sie die Niederlage rechts
von sich sahen, ergriffen sie die Flucht, wurden aber von den Husaren eingeholt,
zusammengehauen oder gefangen.
Die Königin von Preussen verließ in Begleitung des Gouverneurs
und des Restes der Garnison die Stadt, die nun 210.000 Taler Kontribution
und 25.000 Taler an die Truppe zahlte, um Plünderung zu vermeiden.
Graf Hadik verteilte den Betrag sofort unter die Truppe und schickte an
Prinz Karl von Lothringen eine Eilstafette mit dem berühmten Titel:
"Aus den Mauern von Berlin", in der er die Erstürmung der Stadt meldete.
In der Nacht vom 17.10 verließ Graf Hadik mit seinen Truppen
Berlin, als der vom König zum Entsatz ausgeschickte Fürst Moritz
von Dessau mit starken Truppen nur noch 2 Stunden von der Stadt entfernt
war.
Die Österreicher zogen über Storkow, schickten noch eine
Abteilung nach Frankfurt a.O. die 30.000 Taler Kontribution eintrieb und
sich dann in Lieberose mit der Hauptkolonne wieder vereinigte. Am 20.10
in Cotbus, zogen die Österreicher noch an diesem Tag bis Spremberg,
wo sie einen dringend nötigen Rasttag einlegten. Am 23.10 marschierte
man weiter nach Hoyerswerda und war endlich außer dem Bereich der
Verfolger. Obrist Ujházy mit den Husaren seines Regimentes (HR Nr.
8) sicherte rechts den Marsch, wobei es zu Scharmützeln mit Husaren
des Generals Seydlitz kam bei denen Ujházy 20 Mann einbüßte
und ein Rittmeister auf Patrouille mit 50 Husaren in preussische Gefangenschaft
geriet. Obrist Ujházy erreichte am 22.10. den Ausgangspunkt der
Aktion, das Lager des General Kleefeld.
Die Verluste der Österreicher bei der ganzen Aktion waren äußerst
gering: 10 Tote, 28 Verwundete und 4 Pferde.
Kaiserin Maria Theresia schickte an Graf Hadik folghendes Schreiben:
"Wir haben die andurch unsere ob der von dir so klug und wohl ausgeführten
Unternehmung gegen Berlin geschöpfte gnädigste Zufriedenheit,
und dass uns die hierbei von den Generalen, Officiers und Gemeinen nicht
nur erwiesene standhafte Tapferkeit sondern auch der von letzteren in sothaner
occassion bezeigte blinde Gehorsam und eingezogene Betragen zu ausnehmenden
Wohlgefallen gereiche, zu erkennen zu geben, das Vergnügen machen
wollen und beziehen uns des Weiteren auf jenes, was wohl dir, als unserem
Ober-Feldzeugmeister Baron Marschall, durch unseren Hofkriegsrath diesfalls
zukommen wird, dir mit k. k. Huld und Gnade gewogen bleibend
Maria Theresia m. p."
FML Graf Hadik erhielt für seine Tat das Gross-Kreuz des Maria-Theresien-Orden.
Nach Graf Franz Nádasdy, der diese höchste Auszeichnung für
seine Verdienste in der Schlacht bei Kolin im Juni 1757 erhalten hatte,
war Graf Hadik der zweite Husarengeneral, dem diese Ehre zukam.
Insgesamt wurde das Gross-Kreuz nur 20-mal verliehen. Die Träger
waren die Generäle
Arenberg, Beck, Brentano, Buccow, Daun, Giannini, Gribeauval, F. Guasco,
Hadik, Lacy, Löwenstein, Carl von Lothringen, Loudon, Maquire, Marschall,
Nádasdy, C.O´Donell, Sincère, Wied und Zweibrücken.
Harald Skala
Quellen:
-
Gustav Ritter Amon v. Treuenfest, Geschichte des k.k.Huszaren-Regimentes
Nr. 8, Wien 1880
-
Egon Sauer v. Nordendorf, Österreichische Militärgeschichte -
Österreichische Kavallerie, Sonderband 1997, Verlagsbuchhandlung Stöhr,
Wien
-
Lars-Holger Thümmler, Die Österreichische Armee im Siebenjährigen
Krieg, Brandenburgisches Verlagshaus Berlin, 1993
-
Günter Dorn / Joachim Engelmann, Die Schlachten Friedrichs des Grossen,
Bechtermünz Verlag, im Weltbild Verlag, Augsburg 1997
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