Die Schlacht bei Handschuhsheim
Vorgeschichte und Ereignisse des 24. September 1795
Von Ursula Perkow

Der Beitrag erschien erstmals im "Jahrbuch" des Stedtteilvereins Handschuhsheim 1995 (eine Kurzfassung und dem Titel: "In aller Eile verhaun" in: "Blick in die Stadtteile", wöchentliche Sonderbeilage der Rhein-Neckar-Zeitung, Nr. 32, 26. September 1995). Er  ist hier bis auf wenige von der Autorin vorgenommene Korrekturen unverändert wiedergegeben. Die Autorin dankt dem Stadtteilverein Handschuhsheim für die Genehmigung der Wiederveröffentlichung sowie dem Kurpfälzischen Museum der Stadt Heidelberg für die Erlaubnis, die seinerzeit zur Illustration verwendeten Bilder von Friedrich Rottmann hier erneut zu publizieren.


Handschuhsheim den 24ten September 1795. Gezeichnet und geäzt von Friedrich Rottmann (Kurpfälzisches Museum, Aquatinta, koloriert, Inv.-Nr. S 2929. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Kurpfälzischen Museums, Heidelberg)

Am Morgen des 24. September 1795 „war es stille bis ¾ auf 9 Uhr, wo eine lebhafte Kanonade mit Gewehrfeuer untermischt anfing“ [1]. Die Szene, die der junge Lehrer Karl Philipp Kayser in Heidelberg verfolgte, spielte in nächster Nähe, zwischen Dossenheim und Handschuhsheim, und stündlich stieg die Gefahr für die eigene Stadt. Antoine Christophe Merlin von Thionville, als französischer Volksrepräsentant bei der Rhein- und Moselarmee mit General Charles Pichegru erst vor kurzem in Mannheim eingetroffen, hatte schon das Gastmahl zur Siegesfeier in Heidelberg für diesen Tag bestellt.[2] Seit dem Rheinübergang der „Sansculotten“ in der Nacht zum 6. September und der kampflosen Kapitulation der Festung Düsseldorf [3] konnte offensichtlich nichts mehr ihren Vormarsch aufhalten. Selbst Mannheim, am 20. September auf bloße Drohung hin vom Grafen Franz Albert Oberndorff und dem Stadtgouverneur Generalleutnant Johann Theodor Freiherrn von Belderbusch gleichfalls ohne Schwertstreich übergeben[4], schien nur eine Zwischenstation auf dem Weg zu größeren Zielen.

Über drei Jahre dauerte nun der Krieg, der längst auch für die nicht unmittelbar betroffenen Bewohner der Gegenden rechts des Rheins zum Alltag gehörte, den insbesondere Heidelberg als Lazarettstadt in seinen grausamsten Auswirkungen miterlebte [5] : Allein im Sommer 1794 starben in dem „erbärmlichen Loch am Schloßberg“ 397 Mann an Ruhr und Typhus, nach Ausweis des katholischen Totenbuchs der Schloßkapelle vor allem junge pfalzbayerische Soldaten. Eine Anfang Januar 1795 zur Prüfung der Verhältnisse eingesetzte Professorengruppe fand zwar die Sterblichkeit auf einem etwas niedrigeren Niveau, doch die Zahlen blieben beunruhigend genug, um im März noch eine Untersuchungskommission aus München zu entsenden. Verheerende Zustände herrschten auch auf der anderen Neckarseite, in dem zum Lazarett bestimmten, aber weder räumlich noch personell den Bedürfnissen angemessenen Stift Neuburg. Verzweifelt wehrten sich Kranke und Verwundete mit letzten Kräften, in die verpesteten Zimmer eingewiesen und rohen Individuen zur „Pflege“ ausgeliefert zu werden, die „in den Wirtshäusern das Geld versoffen, das sie den Sterbenden abgenommen“. Eine breite Spur des Elends zog sich Ende Februar bis Anfang März 1795 durch das Land, als man bei Ablösung der pfalzbayerischen Truppen in der Festung Mainz durch fränkische Kreistruppen 700 teils im Fieber tobende Kranke aus dem dortigen Lazarett in offenen Bauernwagen, dem Kontingent folgend, über Hattersheim, Sprendlingen, Arheilgen, Auerbach, Heppenheim und Weinheim zu dem gefürchteten Stift transportierte. In vielen der berührten Orte nahmen die Friedhöfe unterwegs verstorbene Soldaten auf.

Überall im Rhein-Neckar-Raum litt die Bevölkerung unter der Belastung durch Einquartierung, Truppenversorgung und angeordnete Lieferungen an Militärdepots; die Ratsprotokolle und Rechnungsbücher der Gemeinden bieten eine Fülle von Einzelheiten zur Illustration dieser schweren Zeit. Erwähnt sei etwa die Niederschrift im Ratsprotokoll Wiesloch über die handgreifliche Auseinandersetzung eines dortigen Bürgers mit einem Korporal der Hohenzollern-Kürassiere wegen einer vom ersteren abgelehnten Einquartierung[6], sowie der Neuenheimer Bericht über das Vergraben der 68 Pferde, die während des Aufenthalts mehrerer österreichischer Divisionen vom Fuhrwesen im Sommer 1795 einer Seuche zum Opfer gefallen und nach dem Abzug der Soldaten liegengeblieben waren [7]. Einen Eindruck der Gesamtbelastung vermitteln Dossenheimer Zahlen für 1794, die sich auf 50 Einquartierungen mit insgesamt 12.955 Mann und 2.878 Pferden beliefen, darunter einmal ein Transport von 1.008 französischen Gefangenen. Beschwerden der Dossenheimer über die im Vergleich zu den „ansehnlichen und volksreichen“ Orten Schriesheim und Handschuhsheim übermäßig harte Belastung ihrer „geringen“ Gemeinde durch Einquartierung und Fronleistungen wurden abschlägig beschieden - unter Hinweis darauf, daß gerade die genannten Orte sehr stark betroffen seien, und andere, wie etwa Sandhausen, sogar in noch höherem Maß.[8]

Das Sterbebuch der katholischen Kirche St. Pankratius in Dossenheim[9] verzeichnet unter dem 19. Juli 1794 Tod und Bestattung zweier französischer Gefangener aus der belgischen Festung Charleroi an der Sambre; andernorts bieten die Kirchenbücher reiches Material zum Aufenthalt fremder Truppen. Stellvertretend für viele Taufen, Eheschließungen und Beerdigungen auswärtiger Militärpersonen hier nur einige aus St. Vitus in Handschuhsheim[10], wo namentlich das fürstlich Anhalt-Zerbst’sche Kontingent und verschiedene Abteilungen des k. k. Fuhrwesens häufiger in Erscheinung traten. Da erhielt ein als „filia illegitima“ getauftes Mädchen nachträglich seine Legitimierung durch die knapp drei Wochen später folgende Heirat der Eltern; eine junge Handschuhsheimerin benannte einen Grenadier vom Regiment Anhalt-Zerbst als Vater ihrer unehelichen Tochter; der aus Frankenthal stammende Andreas Baumann, gleichfalls Anhalt-Zerbst, und seine Ehefrau Dorothea Elisabeth ließen am ersten Weihnachtsfeiertag 1794 ihren Sohn taufen, mit dem Korporal Carl Beitel von der Wagenburg als Paten und Namengeber. Der kaiserliche Soldat Mathaeus Steineck verlor seinen am Tag der Schlacht bei Handschuhsheim oder unmittelbar zuvor geborenen gleichnamigen Sohn, zwölf Tage alt, am 6. Oktober 1795 beigesetzt.

Unter den Eheschließungen verdient die des Mathias Fritsch aus Mähren am 9. August 1795 mit Anna Maria Weiss aus Obertiefenbach/Herrschaft Runkel besondere Aufmerksamkeit. Denn nicht allein der adelige Name des ersten Trauzeugen - der Marquis de Belcredi von den k. k. Stabsdragonern - läßt aufhorchen, sondern vor allem auch der bürgerliche des zweiten Zeugen, des Waisenschaffners Carl Rottmann. War dies doch der Vater des späteren Universitäts-Zeichenmeisters Friedrich Rottmann, dessen kolorierter Kupferstich „Die Schlacht bei Handschuhsheim“ bis heute das Gedächtnis des Tages selbst dort lebendig hält, wo Daten und Fakten ebenso wie die Namen der damals gefeierten Helden längst in Vergessenheit gerieten. Darüber hinaus lenkt die Tatsache der Einsegnung dieser Ehe durch den elsässischen Geistlichen Franz Rubin den Blick auf das Schicksal der Flüchtlinge aus dem Linksrheinischen und damit auf die welthistorischen Ereignisse.

Seit dem Sturm auf die Bastille in Paris am 14. Juli 1789 drängten Frankreichs Aristokraten in Scharen ins sichere Ausland, gefolgt von immer neuen Gruppen von „Verdächtigen“ aller Gesellschaftsschichten.[11] Einen nicht unerheblichen Teil der Emigranten stellten Angehörige der hohen und niederen Geistlichkeit, vor allem die den Eid auf die Zivilverfassung des Klerus verweigernden Priester. Wer auf eine Wiederkehr der alten Zeiten unter königlicher Herrschaft hoffte, wandte sich gerne einem jener Sammelpunkte zu, an denen führende Royalisten mit ihrer Anhängerschaft den Widerstand gegen die Revolution mobilisierten. Viele Tausende nahmen deshalb ihren Aufenthalt in Koblenz, als Wirkungsfeld der Brüder Ludwigs XVI., Louis Stanislas Xavier Comte de Provence (später Ludwig XVIII.) und Charles Philippe Comte d'Artois, bald ein Zerrbild der einstigen Verhältnisse am Hof von Versailles, mit Billigung und Unterstützung des Kurfürsten Clemens Wenzeslaus von Trier. Ähnliche Niederlassungen entstanden in Worms, vom Frühjahr 1791 bis Ende desselben Jahres Standort des Louis Joseph Prince de Condé mit seinem Emigrantenkorps, sowie in Speyer und in Mainz. Rechts des Rheins zog Mannheim die Emigranten besonders an - mit seiner weitberühmten Bühne unter Ifflands Leitung und mit einem Hauch vom Stil der alten Zeit am Hof der nach Trennung von dem Gatten aus München zurückgekehrten Kurfürstin Elisabeth Auguste, dazu gesellschaftlich belebt durch einen neuen Mittelpunkt im vormals Venning’schen Haus am Theaterplatz [12]: Hier residierte seit Oktober 1790 Pfalzgraf Max Joseph von Zweibrücken mit Familie, als Erbe seines Bruders Karl II. August 1795 Herzog von Pfalz-Zweibrücken, 1799 als Nachfolger seines Onkels Carl Theodor Kurfürst von Pfalz-Bayern und 1806 König von Bayern durch Napoleon. Obristinhaber des Regiments Royal Alsace in Diensten Ludwigs XVI. und diesem als dem Paten seines ältesten Sohnes persönlich verbunden, hatte er seinen Posten in Straßburg aufgegeben, da man ihm unter dem Vorwurf der Beherbergung von Emigranten die Stellung verleidete. Somit selbst ein Opfer der Revolution, fand Max Joseph in Mannheim viele seiner Bekannten von Versailles als Flüchtlinge wieder; und seine Frau Auguste Wilhelmine von Hessen-Darmstadt, seit einem Besuch am Königshof ganz für Marie Antoinette eingenommen, zeigte gleich ihm eine Vorliebe für die Franzosen.

Die Übersiedlung erfolgte am 2. Oktober 1790, nachdem die hochschwangere Pfalzgräfin zuvor in Frankfurt noch an einigen der Festlichkeiten zur Kaiserwahl und Krönung Leopolds II. teilgenommen hatte. Am Tag nach dem Einzug in Mannheim kam als ihr drittes Kind Prinzessin Amalie Maria Auguste zur Welt. Zahllose “Fremde von Distinktion“ erschienen zur Beglückwünschung in Mannheim, darunter neben anderen Durchreisenden auf dem Rückweg von Frankfurt auch König Ferdinand IV. von Neapel mit seiner Frau Karoline, als Schwester der Königin Marie Antoinette und Kaiser Leopolds eine leidenschaftliche Gegnerin der Revolution. Das „lärmende Wochenbett“, wie Auguste Wilhelmine diese turbulenten Tage einmal nannte, gab den Mannheimern einen ersten Eindruck vom geselligen Umgang des Paares. Die Emigranten gehörten zu den stets willkommenen Gästen, und noch am 4. Januar 1792 schrieb die Pfalzgräfin nach der ersten Tanzveranstaltung des Winters bei der Kurfürstin im Schloß: „Der nombre prodigieux von anwesenden Franzosen und Französinnen hat den Ball sehr glänzend und animiert gestaltet.“[13]

Unterdessen stieg jedoch in den von Emigranten überschwemmten Gegenden der Unmut der Bevölkerung. Das anmaßende Auftreten und verschwenderische Wesen der als „Emigranten der ersten Stunde“ besonders im Blickfeld stehenden Hocharistokratie brachte die Auswanderer unabhängig von Herkunft, Motivation und Gruppenzugehörigkeit[14] als Gesamtheit in Mißkredit. Die revolutionäre Propaganda stieß auf wohlbereiteten Boden, die Stimmen der Kritik, selbst in den eigenen Reihen, mehrten sich.[15] Großen Schaden fügten auch die Emigrantenheere der Sache ihrer Führer insofern zu, als ihre bloße Existenz der tonangebenden Partei den Hebel bot, in Frankreich Furcht vor einer Invasion zu wecken und die den Royalisten zugeneigten deutschen Fürsten unter Druck zu setzen.[16]

Ein mißglückter Fluchtversuch Ludwigs XVI. am 20. Juni 1791, den Max Josephs Bruder Herzog Karl II. August durch Vorbereitung eines Quartiers im Schloß Karlsberg unterstützte und Auguste Wilhelmines Bruder Prinz Georg von Hessen-Darmstadt anscheinend auf dem Kutschbock begleiten sollte, gab der Monarchie einen entscheidenden Stoß.[17] Am 14. September desselben Jahres leistete der König vor der Nationalversammlung den Eid auf die am 3. des Monats in Kraft getretene Verfassung.

Während Kaiser Leopold II. auf die Ereignisse in Frankreich hin am 27. August 1791 mit König Friedrich Wilhelm II. von Preußen - unter Ablehnung weitreichender Wünsche des Comte d’Artois - in der Erklärung von Pillnitz das gemeinsame Interesse aller europäischen Mächte an der vollen Wiederherstellung des französischen Königtums bekundete, betrieb Carl Theodor eine eher die Revolutionsregierung begünstigende Neutralitätspolitik. Eine Reihe restriktiver Bestimmungen gegen die Emigranten reichte von der Verweigerung jeder Unterstützung ab Juni 1791 über ein Aufenthaltsverbot im November 1791 bis zu einer Beschränkung der Verweildauer in Mannheim auf 48 Stunden im Sommer 1792.[18] Ähnliche Maßnahmen, dazu ausschließlich gegen bewaffnete Emigranten gerichtet, ließen sich die geistlichen Fürsten am Rhein erst auf massive Drohung seitens der französischen Nationalversammlung und nach Intervention Kaiser Leopolds abringen.[19] Am 3. Januar 1792 veröffentlichten Kurtrier und Kurmainz die Verordnung zur Auflösung der Emigrantenkorps, die gleichzeitig fernere militärische Rüstung untersagte. Der Prince de Condé begab sich von Worms nach Freiburg, wobei er unterwegs in Mannheim Station machte und mit den Herzögen von Bourbon und Enghien - seinem Sohn und Enkel - auf dem von Pfalzgräfin Auguste Wilhelmine geschilderten Ball erschien.[20]

Als Zugeständnis an den Kurfürsten von Trier, der französische Übergriffe fürchtete, beauftragte der Kaiser Feldmarschall Blasius Columbus Freiherrn Bender in den Niederlanden mit dem Schutz der kurtrierischen Grenze. Die diesbezügliche kaiserliche Note vom 21. Dezember 1791 erhitzte in Frankreich die Gemüter, da sie für den Fall einer Verletzung von Reichsgebiet entschlossenen Widerstand ankündigte und im übrigen auf die gemeinsame Verantwortung aller zu einem „europäischen Konzert“ zu vereinigenden Fürsten für Ruhe und Frieden verwies. Man sah in dem geplanten Fürstenkongreß eine Einmischung in die eigenen Angelegenheiten und verlangte von Kaiser Leopold ultimativ bis zum 1. März 1792 den förmlichen Verzicht auf jedwede Aktion gegen Frankreichs Souveränität und Sicherheit. Der Kaiser reagierte darauf mit dem Abschluß des Freundschafts- und Verteidigungsbündnisses mit Preußen vom 7. Februar, nach wie vor um diplomatischen Ausgleich bemüht. Doch am Tag des Ablaufs der Frist, am 1. März 1792, ereilte ihn nach zweitägiger Krankheit der Tod.[21] Ihm folgte sein Sohn Erzherzog Franz, 24 Jahre alt und politisch ein unbeschriebenes Blatt. Den Kurs der nächsten Wochen bestimmten weder er noch der im Amt verbliebene Staatskanzler Wenzel Anton Fürst von Kaunitz-Rietberg, sondern die nach dem Ministersturz in Frankreich am 10. März in die Regierung berufene Gruppe der Freunde des Jacques-Pierre Brissot, mit General Charles-François Dumouriez als Minister des Auswärtigen. Ein an Schärfe zunehmender Notenwechsel trieb den Konflikt auf die Spitze. Am 20. April 1792 erklärte Ludwig XVI. gemäß Beschluß der Nationalversammlung dem König von Böhmen und Ungarn den Krieg.[22]

Die später als „Gironde“ bekannte Gruppe um Brissot, Verfechter der Ausdehnung Frankreichs nach Osten bis an den Rhein, hatte lange darauf hingearbeitet - unterstützt von deutschen und deutschstämmigen Abgeordneten, die mit flammenden Reden Optimismus verbreiteten: In Speyer, Mainz, Trier und in der ganzen Pfalz, so verkündete der Elsässer Jean-FranVois Reubell, sei die Bevölkerung bereits für Frankreich gewonnen, voller Sehnsucht nach Errettung aus der Knechtschaft der Tyrannen; und der Millionärssohn und Baron Anacharsis-Jean-Baptiste Cloots aus Kleve entwarf das Gemälde einer Zukunft, da die Trikolore und das „Ça ira“ für zwanzig Nationen Glück und Freiheit symbolisieren werde.[23]

Ebenso träumten die Gegner vom leichten, schnellen Sieg: König Friedrich Wilhelm II. stand im Sinne seines Bündnisses mit Kaiser Leopold treu zu König Franz; erfahrene preußische und österreichische Offiziere führten „weit über 100.000 Mann der diszipliniertesten Truppen der Welt“ unter dem ruhmreichen Oberkommandierenden Herzog Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig gegen die noch unerprobte Revolutionsarmee.[24] König Victor Emanuel von Sardinien unterstützte die Verbündeten, Zarin Katharina II. von Rußland sagte ihre Hilfe zu, Landgraf Wilhelm IX. von Hessen-Kassel hielt 6.000 Mann bereit, und die Brüder Ludwigs XVI. mit dem Prince de Condé sollten mit bis zu 17.000 Emigranten am Kampf teilnehmen dürfen. Im Vollgefühl der Überlegenheit rüstete man zum Triumphzug nach Paris.

Nachdem der am 5. Juli 1792 zum Kaiser gewählte König Franz am 14. Juli in Frankfurt gekrönt worden war, fanden hier und auf dem Fürstentag in Mainz Verhandlungen statt über die Gebietsansprüche Preußens in Polen, einen Austausch Bayerns gegen die österreichischen Niederlande und über Entscheidungen der kriegführenden Mächte nach dem Sieg.

Zu dieser Zeit bewog ein Abgesandter Ludwigs XVI. die Verbündeten, im Interesse künftiger Beziehungen zum gemäßigten Teil der Nation eine beruhigende Mitteilung an die französische Bevölkerung abzugeben.[25] Der Emigrant Marquis De Limon verfaßte die Vorlage, und am 25. Juli erschien mit Unterschrift des Herzogs von Braunschweig das Manifest, das einerseits zwar friedliche Absichten zum Wohle Frankreichs und der Königsfamilie bekundete, andererseits jedoch durch Androhung drakonischer Strafen für Übergriffe gegen diese sowie für Widerstand gegen die Invasionstruppen helle Empörung auslöste.

Ob das Bekanntwerden des „Machwerks“ in Paris zur Eskalation der Ereignisse wesentlich beitrug, ist umstritten, obgleich schon Ludwig XVI. das Schriftstück für schädlich genug hielt, um schleunigst seine Authentizität in Frage zu stellen. Aber es half nichts. Am 10. August erstürmte das Volk die Tuilerien, ein großer Teil der Schweizergarde fiel, der König mit Familie wurde im Temple gefangengesetzt. Georges Danton als neugewählter Justizminister begann die Jagd auf die „Verdächtigen“, die in den „Septembermorden“ vom 2. - 5. September gipfelte. Den Vorwand gab ihm die „Gefahr des Vaterlandes“.

Denn bis hierher glich der Vormarsch der Verbündeten dem erwarteten Triumph: Belgien, Anfang Juni von den Franzosen besetzt, wurde zurückgewonnen, Longwy an der Nordostgrenze Frankreichs nach Luxemburg kapitulierte am 23. August, Verdun am 1. September.[26] Die Wende kam mit der „Kanonade von Valmy“ am 20. September 1792, in Anwesenheit des Königs und des Kronprinzen von Preußen ein Tag der verpaßten Gelegenheiten. Goethe, im Gefolge Herzog Karl Augusts von Sachsen-Weimar Augenzeuge des Geschehens, tröstete nach eigener Darstellung[27] am Abend die Gefährten: „Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus, und ihr könnt sagen, ihr seid dabei gewesen.“

Bei unentschiedenem Stand des Kräfteverhältnisses brachte der gewesene Minister des Auswärtigen und derzeitige Oberbefehlshaber General Dumouriez Friedensverhandlungen in Gang. Während er die Zeit zur Verstärkung seiner Stellung und zur Vergrößerung seiner Truppe nützte, waren die Preußen, von der Ruhr gepeinigt und unter Nahrungsmangel leidend, binnen acht Tagen kaum mehr einer Schlacht gewachsen. Dennoch wirkte der am 28. September eingeleitete Rückzug des Herzogs von Braunschweig als Schock.[28]

Ernst Ludwig Posselts “Taschenbuch für die neueste Geschichte“ schildert den Eindruck auf die Zeitgenossen: „Ein so gewaltiges Manifest - und dieser über alle Beschreibung traurige Rückzug! ... Die stolzen, zuversichtlichen Erwartungen, nicht nur des in Frankreich eingerückten Heeres selbst, sondern in der Tat des ganzen Weltteils - und unmittelbar darauf, ohne allen mildernden Zwischenschatten, diese grelle, fürchterliche Täuschung!“[29] Ein Mythos war entzaubert, und die Franzosen gingen in die Offensive. Bereits am 23. September marschierten sie in Savoyen ein, sechs Tage später wurde mit Nizza die nächste Besitzung des Königs von Sardinien besetzt, und mit dem Sieg gegen Herzog Albrecht von Sachsen-Teschen bei Jemappes am 6. November eröffnete Dumouriez den Weg nach Brüssel.

Unterdessen eroberte Adam-Philippe Comte de Custine an der Spitze der Rhein-Armee Speyer, Worms und Mainz; am 22. Oktober setzte sich eine Kolonne unter General Neuwinger sogar in Frankfurt fest, um zur Sanierung der Finanzen von den Bürgern zwei Millionen Gulden zu erpressen. In Panik ergriffen Fürsten, Adel und hohe Geistlichkeit die Flucht. Schon glaubte man auch Koblenz verloren, als auf dem Rückzug von Verdun am 27. Oktober ein Kontingent der Hessen-Kasseler, gefolgt von preußischen Truppen unter König Friedrich Wilhelm II., unerwartet Hilfe brachte. Am 2. Dezember gelang die Vertreibung der Franzosen aus Frankfurt, und bis zum Ende des Jahres räumte Custine das rechte Rheinufer bis auf die Festung Königstein und Kastel, den Brückenkopf von Mainz.

Der ungehinderte Vormarsch des Generals, die Flucht der Mächtigen, die Klagen der Betroffenen vor dem Reichstag in Regensburg beleuchteten grell die Schwäche der Landesverteidigung, die auf allzu wenigen Schultern ruhte. Ein Reskript des Kaisers vom 11. Oktober mit der dringlichen Weisung an seine Minister, alle bewaffneten Reichsstände „Zur Gegenwehr reichsväterlichst aufzumuntern“, blieb - trotz der Gefahr und ungeachtet der vagen Hoffnung, Mainz zu retten - ohne die gewünschte Wirkung. Selbst klare Absagen fehlten nicht: Clemens Wenzeslaus von Trier meldete Bedenken an, und vor allem Carl Theodor von Pfalz-Bayern verweigerte sich. Letzterer gab unumwunden zu, er habe Rücksichten auf Frankreich zu nehmen, wie er denn in dieser Hinsicht auch sonst verschiedentlich Anstoß erregte. Zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen zählten die Duldung französischer Offiziere und Spione in Mannheim, die Genehmigung von Frucht- und Viehlieferungen an den Feind, ja, selbst der Abschluß persönlicher Lieferungsverträge zugunsten der feindlichen Armee. Streng hielt er den Franzosen sein am Tage nach der Kriegserklärung gegebenes Neutralitätsversprechen, obwohl keine der kämpfenden Parteien darauf Rücksicht nahm.[30]

Auch für den Reichskrieg ließen sich die Fürsten schwer gewinnen. Als der Kaiser beim Reichstag in Regensburg am 12. September 1792 einen entsprechenden Antrag stellte, reagierte Carl Theodor umgehend am 15. September mit einem Schreiben, das den Plan als einen Vorwand zur Befriedigung habsburgischer Eroberungsgelüste im Oberelsaß prinzipiell verwarf. Herzog Karl II. August von Pfalz-Zweibrücken blieb neutral, der Schwäbische Kreis erklärte sich für eine Politik der guten Nachbarschaft mit Frankreich, Herzog Karl Eugen von Württemberg pflegte diplomatische Kontakte zu Paris. So hatte der in Regensburg bis zum 23. November durchgesetzte Beschluß für den Reichskrieg praktisch nur Papierwert, da lediglich auf Preußen, Hannover und Hessen-Kassel, das dafür den Kurhut wünschte, im Ernstfall zu rechnen war.[31]

Die Dinge änderten schlagartig ihr Gesicht, als nach den Siegen der Revolutionsarmee ein „Delirium imperialistischer Begeisterung“[32] die französischen Volksvertreter erfaßte. In einem am 15. Dezember 1792 verabschiedeten Dekret nannte man die Voraussetzungen für die „Befreiung Europas“: Abschaffung der Privilegien, der Zehntrechte, Enteignung des Kirchengutes, Einführung des durch den Verkauf von Kirchen-, Kron- und Emigrantenländereien gedeckten Papiergeldes („Assignaten“); und man erklärte den „Krieg gegen alle Völker, die Freiheit und Gleichheit ablehnen“. Seit dem 11. Dezember stand Ludwig XVI. vor der Nationalversammlung, unter anderem des Verbrechens der Konspiration mit dem Ausland angeklagt; am 21. Januar 1793 fiel sein Kopf unter der Guillotine. Mit dem Beschluß der Nationalversammlung zur Einverleibung von Nizza am 31. Januar bewies die junge Republik ihren Expansionsdrang. Danton verlangte unter Hinweis auf die von der Natur vorgezeichneten Grenzen Frankreichs das gleiche für Belgien, und Lazare Carnot formulierte: „Die alten, natürlichen Grenzen Frankreichs sind der Rhein, die Alpen und die Pyrenäen; was aus diesem Gebiet abgetrennt worden ist, ist uns nur mit dem Rechte des Usurpators genommen worden.“

Jetzt fühlte sich Europa zu gemeinsamem Handeln aufgerufen. Familienbande der mit den Bourbonen verwandten und verschwägerten Herrscherhäuser, die Furcht vor Gebietsverlusten durch die angriffslustige Nation, die Sorge um Gefährdung der Throne durch Aufwiegelung der Völker - alles vereinte sich zu einer Kraft, die mehr vermochte als sämtliche Appelle. Die Unterzeichnung des Vertrages über die zweite Teilung Polens zwischen Rußland und Preußen zwei Tage nach der Hinrichtung Ludwigs XVI. gestattete Preußen, seine Aufmerksamkeit erneut der französischen Front zuzuwenden; der Papst, der Herzog von Parma, der Herzog von Modena und der König von Neapel brachen die diplomatischen Beziehungen zu Frankreich ab. Der wichtigste Partner wurde England unter Premierminister William Pitt dem Jüngeren, der angesichts des Einmarschs der Franzosen in Belgien schon seit Dezember 1792 für kriegsmäßige Ausrüstung von Heer und Marine sorgte und von Frühjahr 1793 an Bündnisverträge mit den Feinden Frankreichs schloß. Am 25. März Rußland, am 25. April Sardinien, am 25. Mai Spanien, am 12. Juli Neapel, am 14. Juli Preußen, am 30. August Österreich, am 26. September Portugal - halb Europa verschwor sich gegen die Franzosen, nachdem am 22. März endlich auch der Reichstag den vom Gegner aufgezwungenen Krieg offiziell zum Reichskrieg erklärte.[33]

In der Nacht zum 1. März 1793 überschritt die Hauptarmee unter dem österreichischen Feldmarschall Friedrich Josias Prinz von Sachsen-Coburg-Saalfeld bei Jülich und Düren die Rur, um Belgien zurückzuerobern. 15.000 Preußen und etwa 20.000 Österreicher unter dem Herzog von Braunschweig sollten Mainz und die linksrheinische Pfalz befreien; Feldmarschall Dagobert Siegmund Graf von Wurmser hatte den Auftrag, mit 20.000 Österreichern, 6.000 Emigranten unter dem Prince de Condé und 7 000 Mann der Schwäbischen Kreistruppen bei Mannheim und Ketsch über den Rhein gegen die Republikaner vorzugehen. Der Prinz von Coburg, an dessen Seite der 21jährige Bruder des Kaisers, Erzherzog Carl, als Generalmajor kommandierte, errang am 18. März in der Schlacht bei Neerwinden einen überragenden Sieg, der General Dumouriez zur Desertion veranlaßte.

Mainz kapitulierte nach monatelanger Belagerung am 23. Juli, nachdem vom 19. Juli an Graf Wurmser mit Preußen, Österreichern, Ungarn und dem sich mehrfach persönlich auszeichnenden Prince de Condé den Entsatz der Festung durch französische Truppen unter General Alexandre Prince de Beauharnais verhindert hatte. Custine, bis an die Queich zurückgeworfen, wurde am 16. Mai als Oberbefehlshaber der französischen Rheinarmee abberufen und starb am 27. August 1793 auf dem Schafott.[34]

Während Wurmser vor den Weißenburger Linien seit August seinen von den Preußen mit Mißfallen beobachteten „Separatkrieg“ gegen die Franzosen führte, für dessen Höhepunkte ihm der Kaiser das Großkreuz des Maria-Theresien-Ordens verlieh,[35] und der Herzog von Braunschweig weitgehend untätig auf den Hardthöhen verweilte, rüsteten die Republikaner zum Gegenschlag: Am 23. Oktober 1793 ernannte man den 25jährigen Lazare Hoche zum Oberbefehlshaber der Moselarmee, und im selben Monat erhielt Jean-Charles Pichegru das Kommando über die Rhein-Armee.[36] Ihr vordringlichster Auftrag, die Festung Landau zu entsetzen, war mit Abbruch der Belagerung durch General von Knobelsdorff in der Nacht zum 29. Dezember erfüllt. Seit dem 22. Dezember befanden sich die Truppen Graf Wurmsers und des Herzogs von Braunschweig in vollem Rückzug. Den abgerissenen, erschöpften Scharen fehlten Lebensmittel und Feuerholz; selbst die Fuhren, um ihre 18.000 Kranken von Weißenburg zurückzutransportieren, gingen ihnen ab - denn zu Tausenden hatten die Landleute auf der Flucht vor den wieder eindrängenden Franzosen ihre Heimat verlassen. Die als „Plünderungswinter“ in die Geschichte eingegangenen Monate hatten begonnen.

Die Verwüstung des Speyerer Doms, die Zerstörung des Schlosses der Kurfürstin Elisabeth Auguste in Oggersheim, die Niederbrennung der fürstlich leiningischen Schlösser Dürkheim und Heidenheim bezeichnen als willkürlich herausgegriffene Beispiele die unermeßlichen Verluste an Kunstschätzen und Kulturdenkmälern; Memoiren, Briefe, Tagebücher und amtliche Berichte sind voll von Klagen über die Leiden der Bevölkerung. Anschaulich schildert der Landpfarrer Peter Gregorius Kayser in Ensheim/ Oberamt Alzey die hier behandelten Tage in einem Brief vom 5. Januar 1794 an seinen Sohn Karl Philipp. Über den „unvermuteten Besuch“ zweier Professoren von Grünstadt am 30. Dezember schreibt er: „Sie gingen zu Fuß, weil keine Fuhre ums Geld zu haben war. Ein jeder nahm sein Bündel auf den Rücken. Die Ursache ihrer schnellen Flucht war, weil sich preußische Vorposten schon am 28. Dezember ohnweit Grünstadt sehen ließen, ein Beweis, daß sich die Deutschen retirierten und die Franken sie verfolgten, wobei die Grünstädter gewarnt worden, sich und alles, was sie hätten zu salvieren. Hierauf packte man Tag und Nacht ein, schaffte fort, was möglich war. So ist das Gymnasium jetzt nicht mehr und kein gräflicher Bedienter oder sonst angesehener Mann ist mehr in Grünstadt anzutreffen und so verhält es sich auch mit hiesiger Gegend. Pfarrer, Beamte und sonstige Begüterte haben sich aus dem Staube gemacht.“[37]

Die Geistlichen, insbesondere die „eidverweigernden Priester“, hatten nach den adeligen Emigranten zu den frühesten großen Flüchtlingsgruppen gehört[38] und mußten nun zum Teil nach einem ersten Unterkommen wieder fliehen. Einer unter ihnen, der evangelische Pfarrer Friedrich Karl Christian Lorch von Albersweiler ging 1791 nach Kleeburg im Elsaß, schloß sich 1793 den kaiserlichen Truppen an, lebte vorübergehend in Handschuhsheim und starb am 6. Juni 1806 im Alter von 43 Jahren als Pfarrer von Wilgartswiesen in der Pfalz. Der ihm am 14. August 1795 von seiner Ehefrau Catharina, geb. Gienandt, geborene Sohn Carl Philipp wurde tags darauf von Pfarrer Carl Friedrich Bender in St. Vitus getauft, der zu Pfarrer Lorch im Kirchenbuch vermerkte: “... hat sich auf seiner Flucht in dem verderblichen Krieg mit seiner Familie einige Zeit hier aufgehalten.“ Pfarrer Bender und Ehefrau Philippina übernahmen selbst die Patenschaft.[39]

König Friedrich Wilhelm II. hatte bereits am 29. September 1793 den Kriegsschauplatz verlassen, um sich den polnischen Angelegenheiten zu widmen, daneben aber auch Verhandlungen über Preußens weitere Beteiligung am Krieg einzuleiten. Am 11. Oktober unterbreitete man in Wien eine Anfrage wegen möglicher finanzieller Unterstützung, später kam die Wunschvorstellung einer Zahlung von 22 Millionen Talern ins Gespräch. Aus eigenen Kräften könne Preußen zukünftig statt wie bisher 60.000 nur noch 20.000 Mann ins Feld führen. Als die Partner zu keinem Abschluß kamen, legte sich William Pitt ins Mittel und entsandte James Harris Earl of Malmesbury nach Berlin. Zarin Katharina verhandelte, der Kurfürst von Trier sprach beim Reichstag für eine Unterstützung Preußens, auf österreichischer Seite bemühten sich der Prinz von Coburg und Erzherzog Carl um eine einvernehmliche Lösung, und endlich ließ der König in der Aussicht auf Subsidien von England und Holland seine Truppen vorerst am Rhein. Daß der abschließende Vertrag von Haag vom 19. April 1794 auch den anderweitigen Einsatz der preußischen Truppen nach Bedarf der Seemächte als Möglichkeit vorsah, legte den Keim zu Differenzen.[40]

Doch man glaubte die Koalition gerettet, und hoffnungsfroh eröffnete Kaiser Franz am 16. April mit einer großen Truppenschau die Frühjahrsoffensive in Belgien. Beim Kampf um Landrecies, der am 30. April mit der Übergabe der Festung endete, führte er selbst den Oberbefehl.[41] Nach einer schweren Niederlage der Verbündeten mit Frederick Augustus Duke of York gegen Pichegru am 18. Mai bei Tourcoing und wochenlangen Kämpfen um Charleroi nahmen die Dinge trotz des Sieges bei Tournai am 22. Mai eine so bedenkliche Entwicklung, daß England und Holland preußische Hilfe erbaten. Während die Diplomaten ein offenes Zerwürfnis mit Mühe umgingen, kapitulierte Charleroi vor den Franzosen. Der Prinz von Coburg brach die am 26. Juni zum Entsatz dieser Festung unternommene Schlacht bei Fleurus ab und begann den Rückzug. Nachdem er den vom Kaiser zunächst verweigerten Abschied doch erhalten hatte, gaben die Österreicher unter seinem Nachfolger Karl Joseph Graf von Clerfayt die Maaslinie auf und wichen bis über den Rhein zurück. General Jean-Baptiste Jourdan folgte ihnen auf dem Fuße und besetzte zwischen dem 23. September und 23. Oktober Aachen, Köln, Krefeld, Kleve und Koblenz. Am 2. November ging mit der Feste Rheinfels einer der letzten vier linksrheinischen Stützpunkte der Deutschen verloren.[42]

Herzog Albrecht von Sachsen-Teschen, seit März 1794 Reichs-Feldmarschall, verlegte nach mit Herzogin Maria Christine und dem Neffen Erzherzog Carl im Schwetzinger Schloß und Park verbrachten Herbsttagen das Hauptquartier am 17. November von dort nach Heidelberg. Seinen Plan, den Feind durch beständige Ausfälle von der Belagerung der Rheinschanze vor Mannheim abzubringen, vereitelte der schwere Eisgang am 22. Dezember, der die Schiffsbrücke zerstörte. Nach Bombardierung der Stadt in der Nacht zum Heiligen Abend wurde die Schanze am 25. Dezember 1794 übergeben.[43]

Um diese Zeit verdichteten sich bereits die Nachrichten über preußische Verhandlungen mit Frankreich, die am 5. April 1795 im Frieden von Basel zum Abschluß kommen sollten. Der Hauptinhalt des Vertrages betraf Preußens Ausscheiden aus der Allianz mit Österreich, den Verzicht auf die preußischen Gebiete links des Rheins bis zum Zustandekommen eines Reichsfriedens und die Einräumung einer Vermittlerrolle für Preußen bei Friedensverhandlungen. In den später hinzugefügten Geheimartikeln versprach Preußen, nichts Feindseliges gegen Holland oder andere französisch besetzte Gebiete zu unternehmen; Frankreich sagte für den Fall einer Festschreibung der Rheingrenze die Entschädigung Preußens zu.[44]

Der Vertrag von Basel gab das Signal zum Abfall der anderen Koalitionspartner: Am 16. Mai schloß Holland Frieden mit Frankreich, am 22. Juli Spanien, am 28. August Hessen-Kassel; nach und nach folgten Portugal, Neapel, der Herzog von Parma und der Papst. Zwei Hauptgegner blieben der Republik - Österreich und das Königreich Sardinien.[45]

Am Rhein zogen vier mächtige Heeresmassen gegeneinander auf: Die Franzosen besetzten mit 104.000 Mann unter Jourdan die Strecke vom Ausfluß der Ruhr bis nach Koblenz; mit 96.000 Mann unter Pichegru das Stück von oberhalb Straßburg bis Mainz und um diese Stadt herum; rechtsrheinisch standen die Österreicher mit 90.500 Mann unter Clerfayt zwischen dem Angerbach und Altenheim, mit 79.500 Mann unter Wurmser zwischen Altenheim und Basel. Herzog Albrecht hatte die vom Kaiser vorgesehene Verteilung der Zuständigkeiten im Feldzug als persönliche Zurücksetzung empfunden und führte seit Annahme seines Rücktrittsgesuchs das Dasein eines Privatmannes, Erzherzog Carl war im Januar dem Drängen des Kaisers gefolgt, aus Rücksicht auf seine Gesundheit die Armee zu verlassen und nach Wien zu kommen.[46]

Während in der Festung Luxemburg nach achtmonatiger Belagerung bei Hungersnot der Kampf zu Ende ging, bereitete ein Emigrantenheer von England aus die Invasion in die Bretagne vor, die Österreich durch einen Zug ins Elsaß stützen sollte. Doch die Emigranten erlitten am 27. Juni auf Quiberon eine schwere Niederlage, Österreichs Angriff unterblieb,[47] und Anfang September kam General Jourdan mit Überschreitung des Rheins und der Einnahme Düsseldorfs weiteren Plänen zuvor. Pichegru, zum Übergang bei Breisach und Oppenheim postiert, um Jourdan durch eine Wendung gegen Mannheim zu begünstigen, brachte seine beiden Divisionen unter den Generälen Jean-Jacques Ambert und Georges-Joseph Dufour mit 12.000 Mann erst nach der Kapitulation Mannheims am 20. September über den Rhein.[48] Nachdem Jourdan sein Hauptquartier in Wiesbaden genommen hatte[49], suchte Pichegru die drohende Vereinigung der Heere der Grafen Wurmser und Clerfayt zu verhindern.

Letzterer, der auf die erste Nachricht vom Rheinübergang der Franzosen einen Eilboten an Wurmser geschickt hatte, postierte den Feldmarschall-Leutnant Zehentner mit einer Division bei Lampertheim rechts der Neckarmündung, ging am 22. September vom Main zurück und bezog am 23. mit seiner Armee das Lager bei Arheilgen.[50] Vergeblich hatte er den Mannheimer Gouverneur von Belderbusch auf den Schutz für die Stadt durch Zehentner hingewiesen, vergeblich auch auf die herannahende Vorhut Wurmsers unter Feldmarschall-Leutnant Peter Vitus Freiherrn von Quosdanovich: Belderbusch und Oberndorff zweifelten an der Stärke des Hilfskontingentes ebenso wie an der Zuverlässigkeit des Oberkommandierenden Clerfayt, dessen Rückzug sie befürchteten. Lieber traten sie in Verhandlung mit dem Feind, obwohl Quosdanovich bereits in Seckenheim stand und Hilfe anbot. Noch während man am 19. September in Mannheim hierüber diskutierte, meldete die Wache vom Heidelberger Tor, das kaiserliche Bataillon Lattermann begehre für sich und ein weiteres die Erlaubnis zum Durchmarsch durch die Stadt zur Neckarbrücke. Der Antrag wurde Carl Theodors Neutralitätspolitik entsprechend abgelehnt, das Bataillon auf den zeitraubenden Umweg um die Stadt verwiesen, und drohend richteten sich von den Wällen herab die Geschützmündungen auf die Österreicher.[51]

Wenige Stunden nach dieser Szene, am 20. September 4 Uhr nachmittags, kehrte Pichegrus Adjutant mit dem Übergabepapier auf das jenseitige Ufer zurück. Die Kaiserlichen sahen die Behandlung der Ihrigen als Affront, die schmähliche Übergabe als Verrat. Von einer „seltenen Eilfertigkeit“ war die Rede in einer Gegenerklärung zur pfalzbayerischen Verteidigung der Kapitulation, und davon, daß der Feind, “der einen so wichtigen Platz ohne einen Tropfen Bluts, ohne ein Korn Pulver erobert zu haben, sich selbst wundert“; und der in der Schlacht bei Handschuhsheim gefangengenommene General Dufour erklärte, niemals hätte er geglaubt, daß Mannheim so wohlfeil zu bekommen sei.[52]

Die kleine österreichische Besatzung unter Generalmajor Freiherrn von Kospoth verließ am 20. September die Stadt; die pfalzbayerischen Truppen zogen am 23. aus, vorweg um 9 Uhr vormittags die Kolonne unter Generalmajor Georg August Freiherrn von Kinkel, eine Stunde später gefolgt von einer zweiten unter dem Stadtkommandanten Generalmajor Erasmus von Deroy. Zur Abwicklung der Übergabe blieb ein kleiner Rest von Mannschaften und Offizieren in der Stadt.

Den erbetenen Durchzug nördlich und südlich des Neckars hinter die österreichischen Linien hatte Zehentner bei Käfertal für die nördliche Route energisch untersagt, so daß alle - nach Entsendung des Majors von Wagner als Geisel ins österreichische Hauptquartier in Heidelberg - den von Quosdanovich gestatteten Weg über Schwetzingen nehmen mußten. Während die Abteilung Kinkel noch am selben Tag nach Mosbach, Sinsheim und Bretten weiterging, blieb die Abteilung Deroy auf Belderbuschs Veranlassung über Nacht in Schwetzingen und wurde Zeuge der Kämpfe, die sich tags darauf auf der Linie Eppelheim - Wieblingen - Handschuhsheim abspielten.

Eingreifen durften sie nicht. General Clerfayt tadelte Quosdanovich sogar, daß er versäumt habe, durch Entwaffnung der „Verräter“ ein Exempel zu statuieren und so der Flut von Einzelverträgen mit dem Gegner Einhalt zu gebieten. Später handelte der Feldmarschall-Leutnant entsprechend härter; doch im Augenblick beschäftigten ihn andere Sorgen.[53]

Seit Tagen war man in Heidelberg mit dem Verladen und Abtransport der seinem Schutze anvertrauten Vorratsmagazine beschäftigt, da ein Angriff Pichegrus von Mannheim zu erwarten stand; darüber hinaus galt es nun, die Bergstraße als Rückzugslinie zu decken und bei Neuenheim die Verbindung zu dem mit seiner Vorhut in Weinheim und Schriesheim haltenden Zehentner herzustellen. Aus Freiburg[54] rückte die am 22. September von Wurmser entsendete Verstärkung für Feldmarschall-Leutnant Maximilian Graf BailIet de Latour in Rastatt an, die dort zugleich die Freisetzung von Truppen des „Rheinkordons“ ermöglichte. Graf Latour, „der Kriegsheld jener Gegenden, im Munde des Volkes wohl bekannt und gefeiert, den Feinden gefürchtet“[55], sollte dann mit allen irgend entbehrlichen Kräften bis gegen Schwetzingen vorgehen, um sich Quosdanovich bei Wiesloch anzuschließen.

Wurmser selbst brach am 24. September von Freiburg nach Norden auf, von Arheilgen aus setzte sich am frühen Morgen desselben Tages Clerfayt nach Zwingenberg in Marsch. Die Bergstraße entlang „scharmützten“ überall die „Franken“[56]; zwischen Heidelberg und Mannheim sowie zwischen Heidelberg und Weinheim war die Postverbindung unterbrochen. Leicht wäre es für Pichegru gewesen, mit einem Großteil seiner Gesamtarmee von Mannheim her ins Neckartal zu dringen und sich dort festzusetzen.[57] Doch er ließ bedeutende Kräfte oberhalb von Straßburg und begnügte sich damit, die 12.000 Mann der Divisionen Ambert und Dufour hierzu abzukommandieren. Er stand in diesem Sommer in Verbindung mit dem Prince de Condé, der ihn für eine Proklamation des Comte de Provence zum König von Frankreich und Navarra gewinnen wollte; der Titel eines Marschalls von Frankreich war ihm versprochen, das Schloß von Chambord, ein Jahreseinkommen von 200.000 Livres, ein Geldbetrag von 1.000.000 Livres, ein Haus in Paris, zehn Jahre Steuerfreiheit für seine Geburtsstadt Arbois, und vieles andere mehr. Der republikanische General neigte zur royalistischen Seite und soll hier am Neckar in verräterischer Absicht wider besseres militärisches Wissen gehandelt haben.[58] Doch das ist eine Geschichte für sich.

Am 22. September rückten zwei Kolonnen neckaraufwärts: General Ambert südlich des Flusses, und am nördlichen Ufer General Dufour, an dem bei Neuenheim postierten rechten Flügel von Quosdanovich vorbei, der Bergstraße zu. Im Rücken hielten sie die Orte Neckarau und Seckenheim durch General Ambert besetzt, Käfertal und Ladenburg durch General Dufour. Der Letztgenannte warf die Vorhut Zehentners aus Dossenheim und Schriesheim zurück, verlor die beiden Orte aber in der Nacht zum 23. September an Quosdanovich.

Zwei Divisionen vom Slavonier Grenzbataillon und eine Eskadron Hohenzollern-Kürassiere unter Slavonier-Oberst Carl Freiherrn von Preschern blieben in Schriesheim und lieferten den Franzosen vom Morgen an ein siebenstündiges Gefecht, bevor sie der Übermacht weichen mußten.[59] Feldmarschall Clerfayts Bericht nach Wien war voll des Lobes für den hierbei verwundeten, „durch Mut und Tapferkeit bekannten“ Oberst, rühmte dessen Retter, den Feldwebel Markus Karatarovics, und erwähnte ferner das „kluge Benehmen“ des Rittmeisters von Wiedersberg und des Oberleutnants Hiller, beide von den Hohenzollern-Kürassieren. Zu demselben Regiment gehörte auch der unbekannte Reiter, den sein Pferd nach Handschuhsheim trug, nachdem ihm eine Geschützkugel zwischen Dossenheim und Schriesheim einen Fuß abgerissen hatte. Er starb, noch auf dem Pferde sitzend, und wurde auf dem Friedhof von St. Vitus bestattet.[60]

Unter lebhafter Kanonade zogen sich die Kaiserlichen von Schriesheim nach Handschuhsheim zurück, wo Quosdanovich für den erwarteten Hauptangriff des Gegners Vorsorge traf und das Dorf „durch Verrammelungen und Verhaue unzugänglich machte“.[61]

Die von Herbert Derwein verwendete und auch sonst gelegentlich zitierte Schilderung der Ereignisse des 24. September 1795 durch Pfarrer Eduard Johann Joseph Mühling[62] aus dem Jahre 1839 stimmt in weiten Passagen mitunter wörtlich überein mit einem nahezu vergessenen Bericht, den Friedrich Rottmann 1805 bei J. M. Gutmann in Heidelberg veröffentlichte: „Kurze historische Beschreibung zu den am 18ten Dec. 1804 angekündigten zwei Kupferplatten: Die Schlacht bei Handschuhsheim und die Bestürmung der Heidelberger Brücke.“ Einige geringfügige Erweiterungen bei Mühling lassen vermuten, daß er entweder Rottmann selbständig ergänzte, oder aber eine von beiden benutzte ältere Vorlage umfassender übernahm. Auf jeden Fall beweisen gleiche Redewendungen und bezeichnende Details wie die identische Namenschreibung „Quostanovig“ den Zusammenhang mit Rottmanns Text. Der Erzähler steht - auch dies ein gemeinsames Charakteristikum - in Handschuhsheim, aus der Perspektive der Belagerten wendet sich der Blick dem Gegner zu.

Friedrich Rottmann zeichnet an einem Ort schräg hinter seinem Vaterhaus, dem links unten angeschnitten dargestellten „Schlößchen“, rechter Hand die Tiefburgmauern. Weit schaut man in die Ebene, über ein Schlachtfeld, dessen Vordergrund noch einem aufgeräumten Exerzierplatz gleicht. In wunderbarer Ordnung entwickeln sich die Linien, die Schützen legen an zur Salve, erste Einzelkämpfe eröffnen das Gefecht. Im Hintergrund dagegen entdeckt man Pulverdampf und Kriegsgetümmel, dort scheint die Schlacht bereits in vollem Gang zu sein. Offenbar wählt Rottmann für sein Bild die Szene am frühen Morgen, wie sie die „Kurze historische Beschreibung“ wiedergibt: „In der Frühe gegen halb 7 Uhr kam die französische Armee von Mannheim über Ladenburg in die Gegend zwischen Handschuhsheim und Dossenheim; ihr linker Flügel berührte die Gebirgskette, ihr rechter den Neckar. Hier stellten sich derselben die österreichischen Truppen, die meistens erst in großer Eile sich vom Oberrhein herabzogen, unter Anführung des Generals Quostanovig entgegen, und ein hartnäckiges Gefecht, worin das Ungarische Infanterie-Regiment von Devins sich durch seinen mutigen Widerstand auszeichnete, nahm seinen Anfang.“

Unwillkürlich sieht man Friedrich Rottmann als „Aktualitätenmaler“, in sicherer Entfernung und doch nah genug, um alles minutiös im Gedächtnis aufzunehmen oder schon vor Ort zu skizzieren - wie es für die zweite der erläuterten Kupfertafeln ein Zeitgenosse überliefert [63]: Am 16. Oktober 1799 beobachtete Rottmann aus nächster Nähe, zwischen Häusern vor den umherpfeifenden Kugeln geschützt, den Sturm der Franzosen auf die von ungarischer Infanterie und kleineren Abteilungen anderer Regimenter verteidigte Neckarbrücke. „Ein Blatt, das derselbe danach zeichnete, und flüchtig in Kupfer stach, machte bunt illuminiert, ein einträgliches Geschäft.“

Die Truppenaufstellung am 24. September 1795 durch Quosdanovich entnehmen wir zur Hauptsache dem „umständlichen Bericht“ des Generals Clerfayt[64], als Auszug aus dem Wiener Hofbericht in Fortsetzungen veröffentlicht im „Schwäbischen Merkur“; Ergänzungen ergeben sich aus österreichischen Bearbeitungen des militärischen Archivmaterials[65]: Generalmajor Adam Freiherr Bajalich von Bajaháza hielt mit 4 Bataillonen, 2 Kompanien und 6 Eskadronen das rechte Neckarufer, davon je 1 Bataillon Kaunitz und Erzherzog Karl in Neuenheim, 2 Kompanien Slavonier als Vortrab in Handschuhsheim, je 1 Bataillon Wartensleben und Lattermann sowie die aus je 2 Eskadronen Hohenzollern-Kürassiere, Kaiser-Dragoner und Szekler Husaren zusammengesetzte Reiterei bei Heidelberg. Rottmann erwähnt unter den in Handschuhsheim aufgestellten Abteilungen noch ausdrücklich die Tiroler Scharfschützen, die in einem Gebirgsweg, laut Derwein wahrscheinlich das Hellenbachtal, die Franzosen zurückschlugen.

Auf dem linken Neckarufer, Heidelberg gegenüber, stand General von Fröhlich (Frehlich) mit je 1 Bataillon Kaunitz, Erzherzog Karl und Wartensleben, 4 Kompanien Slavonier, und der Reiterei von je 2 Eskadronen Hohenzollern-Kürassiere und Szekler Husaren - die Hauptmacht zwischen Kirchheim und dem Neckar, Vorposten in Wieblingen, Eppelheim und auf dem Bruchhäuser Hof. Weiter südlich befehligte Generalmajor Andreas Graf Karaiczay de Wallje-Szaka bei Wiesloch 1 Bataillon Wartensleben, 2 Bataillone Szekler Grenz-Infanterie, je 2 Eskadronen Hohenzollern-Kürassiere und Szekler Husaren und 4 Eskadronen Kaiser-Dragoner. Seine Vorposten reichten über Sandhausen, St. Ilgen und Walldorf bis an die Kraich, wo inzwischen 4 Eskadronen des Grafen Latour von Rastatt eingetroffen waren. Insgesamt berechnete man ein Aufgebot von 4.000 Mann auf österreichischer Seite - gegen eine gewaltige Übermacht von 12.000-15.000 Franzosen.[66] „Unter den täglichen seit dem 20. September zwischen dem Rhein und Neckar vorgefallenen Gefechten ist das heutige bei weitem das bedeutendste. Von früh 7 Uhr bis 12 Uhr mittags schlugen sich die Östreicher und Franzosen, diesseits und jenseits des Neckars, bei Wieblingen und Handschuhsheim, unaufhörlich fort.“ So berichtet der „Schwäbische Merkur“ vom 27. September nach einer Mitteilung aus Heidelberg vom Tag der Schlacht; Rottmann spricht vom Anmarsch der Franzosen von Ladenburg „gegen halb 7 Uhr“, Mühling bestimmt den Zeitpunkt der Aufstellung der Schlachtordnung auf 7 Uhr, General Clerfayt vermerkt das Anrücken des Gegners um 8 Uhr, und nach Ernst Ludwig Posselts „Europäischen Annalen“ begann zu dieser Zeit der „allgemeine Angriff der Franken auf beiden Ufern des Neckars“. Kanonendonner vernahm Karl Philipp Kayser in Heidelberg seit „3/4 auf 9 Uhr“.[67] Die unterschiedlichen Angaben bieten die Möglichkeit, den Beginn der Kämpfe einigermaßen einzugrenzen.

Unscharf bleibt dagegen die Endphase. Die relativ häufige Erwähnung der Mittagszeit als Schlußpunkt spricht für einen „Kern“ stärkster Kampfintensität etwa von 8-12 Uhr; demgegenüber steht einerseits die Meldung aus Bruchsal mit der Minimalangabe: “In dem gestrigen Treffen bei Wieblingen und Handschuhsheim, unfern Heidelberg, wurde mit der größten Anstrengung von beiden Seiten gefochten. Zwei Stunden lang wollte kein Teil weichen.“ - und andererseits die Aussage von Alfred von Vivenot, der aus dem Geschehen ein „zwölfstündiges blutiges Treffen“ macht. Eine weitere Variante bietet der Bericht aus Karlsruhe vom 28. September, der nicht nur eine Dauer über die Mittagszeit hinaus annimmt, sondern die Kämpfenden erst sehr spät nach Handschuhsheim gelangen läßt: „Das Plänkeln und der Kanonendonner dauerten von morgens 8 Uhr bis Mittag unaufhörlich fort, ohne daß ein Teil wich. Endlich aber zog sich die feindliche Infanterie gegen Handschuhsheim, um die Kaiserlichen in die Flanke zu nehmen, und wagte sich dabei zu weit ins Freie und ins Gebirg.“[68]

Die genaueste Angabe zum Nachmittag macht Karl Philipp Kayser: „Collega und ich gingen nach 2 Uhr gegen Handschuhsheim, um das Schlachtfeld zu sehen. Wir kamen nicht hin, weil es zu kanonieren anfing.“ Fügt man noch hinzu, daß der 24. September auf einen Donnerstag fiel, so sind Ort und Zeit des Schauspiels nach heutigem Kenntnisstand beschrieben, und das Stück kann beginnen. Der Vorhang hebt sich vor einem Bild von dramatischer Eindringlichkeit: Im Angesicht des mit erdrückender Übermacht herannahenden Feindes die „exhortatio“ des Feldherrn, die Aufmunterung für die Krieger vor der Schlacht. Peter Vitus Quosdanovich, Geburtsjahrgang 1738, von seinem ersten Feldzug mit den Warsdiner Husaren über den Bayerischen Erbfolgekrieg 1778/79 bis hin zum jetzigen Koalitionskrieg gegen Frankreich immer wieder ausgezeichnet und 1792 zum Feldmarschall-Leutnant befördert, feuerte seine Leute zu höchster Leistung an. Als Kommandeur der drei Brigaden Bajalich, Fröhlich und Karaiczay „fühlte er die Wichtigkeit seines Postens“, entschied sich, ihn bis auf den letzten Mann zu verteidigen, und „teilte seinen Mut, und seine Entschlossenheit Sr. Majestät braven Truppen mit.“ Er selbst ging im Kampf mit gutem Beispiel voran.

General Wurmser rühmte nach der Schlacht „das vorzügliche Verdienst des Feldmarschall-Leutnants Quosdanovich“, dem daraufhin der Kaiser durch den Hof-Kriegsrat seine „allerhöchste Zufriedenheit zu erkennen geben“ ließ und „in allergnädigster Rücksicht seines so standhaften, als guten Benehmens, das Militär-Ordens Kommandeurs-Kreuz zu verleihen“ geruhte. Als Kaiser Franz mit Schreiben vom 19. Dezember 1795 Wurmser nach Rückgewinnung Mannheims den Marschallstab verlieh, kam er nochmals auf Quosdanovich zurück: „Ich werde es nie vergessen, daß es Quosdanovich war, welcher, I h r e n Befehlen nachkommend, der E r s t e den Lauf unseres Mißgeschickes aufhielt und einer Reihe von Erfolgen die Bahn brach, welche die Ehre meiner Waffen gerettet und diese Campagne zum ruhmreichen Ende gebracht haben, ein Ende, das nun auch noch durch die Eroberung Mannheims besiegelt wird.“[69]

Quosdanovich bezeichnete seinerseits in einem vertraulichen Schreiben an Wurmser seinen Adjutanten Oberleutnant Peter Oreskovich als denjenigen, der „unbedingt das Meiste zum Siege von Handschuhsheim beigetragen habe“ und der „des Ritterkreuzes sich so würdig gemacht, daß Quosdanovich keinen Augenblick anstehen würde, ihm das seinige abzutreten“. Höchstes Lob erteilte er außerdem der „besonderen Tapferkeit, Einsicht und dem rastlosen Bestreben“ des Generalmajors Bajalich und des Oberstleutnants Johann Graf Klenau, die in Anerkennung ihres Einsatzes beide gleichfalls das Ritterkreuz des Maria-Theresien-Ordens erhielten.[70]

Letzterer, unmittelbar nach der Schlacht zum Oberst der Wurmser-Husaren ernannt, erfuhr die Ehrung allerdings erst verspätet am 30. Oktober, nachdem Graf Dietrichstein am 21. Oktober in einem umfangreichen Schreiben aus Wurmsers Hauptquartier in Seckenheim an Staatskanzler Franz Freiherrn von Thugut nachdrücklich die überfällige Auszeichnung angemahnt hatte: Wurmser, der das Kreuz gleichzeitig für Bajalich, Oreskovich und Klenau beantragt habe, sei tief betroffen über das Ausbleiben dieses einen, zumal er nachträglich die mangels eigener Anschauung nach dem Bericht von Quosdanovich weitergegebenen Belobigungen für Bajalich und Oreskovich jetzt in anderem Licht sehen müsse. Bajalich habe eigentlich nichts getan, Oreskovich nicht einmal im Feuer gestanden; Klenau allein habe im Grunde alles geleistet, alles ersonnen und alles durchgeführt. In zwei Tagen werde eine Delegation zweier Regimenter Thugut aufsuchen, um ihm den ganzen Hergang zu schildern. Ein Postscriptum vom 22. Oktober berichtet von einer bei Wurmser erschienenen Delegation von vier Regimentern, die ebenfalls den Orden für Klenau forderten. Sie betonten zugleich, das Ritterkreuz für Bajalich als gerechtfertigt anzusehen, äußerten sich jedoch mißfällig über die Auszeichnung von Oreskovich: Kein Mensch habe ihn bei der Affäre auch nur gesehen. Klenau selbst zwar, „aussi modeste que brave“, erklärte sich gegenüber jedermann für vollkommen zufrieden, doch Dietrichstein sah in der Bevorzugung des Oreskovich „un malheureux hazard“.[71]

Ein weiteres Ritterkreuz für Taten bei Handschuhsheim ging 1796 an den Jüngsten im Bunde, den am 30. Juli 1772 geborenen Grafen Ignaz Hardegg-Glatz[72], als 16jähriger als Unterleutnant bei dem damaligen Chevauxlegers-Regiment Fürst Kinsky Nr. 5 eingetreten, 1790 Oberleutnant im 3. Husaren-Regiment Emmerich Eszterházy und als solcher 1792 Teilnehmer des Feldzuges in die Champagne. Er war bei Valmy, Jemappes und anderen Kämpfen, zum Teil mit besonderer Auszeichnung, dabei und wurde 1793 zum Rittmeister bei dem 8. Kürassier-Regiment Hohenzollern befördert, dessen Inhaber er später wurde. Nachdem er sich 1793 unter General Wurmser im Elsaß vielfach hervorgetan hatte, stand er seit 1794 ohne Unterbrechung am Oberrhein. Sein Regiment, die „Hohenzollern-Kürassiere“, griffen in Schriesheim und Handschuhsheim so oft verdienstvoll ein, daß man sich fragt, weshalb ihr Name in den ersten Belobigungen fehlt: „Der General Quosdanovich hält sich auch verpflichtet, dem unter ihm gestandenen ganzen Korps das ehrenvollste Zeugnis zu geben, insbesondere aber den Regimentern Kaiser-Dragoner, Szekler Husaren, und den Slavonier Grenzern das vorzüglichste Lob zu erteilen.“[73] So der Hofbericht vom 1. Oktober nach den Mitteilungen von General Clerfayt.

Am 3. Oktober kündigte man aus Wien den „umständlichen Bericht“ Clerfayts „über den von dem Feldmarschall-Leutnant Quosdanovich erfochtenen wichtigen Vorteil“ an, der am 14. Oktober im Hofbericht erschien und dem der Gefechtsverlauf in großen Zügen zu entnehmen ist. Während General Ambert links des Neckars gegen Karaiczay und Fröhlich rückte, griff General Dufour mit weit überlegener Infanterie bei Handschuhsheim den Generalmajor Bajalich an. Bis 10 Uhr vormittags hielt unausgesetztes Kanonen- und Gewehrfeuer an, bis von Schriesheim her weitere französische Infanterie zur Verstärkung nahte und Anstalt machte, die Österreicher auf der Bergseite zu überflügeln. Friedrich Rottmann überliefert Einzelheiten: „Eine Abteilung der französischen Armee, geführt von einem Gegendkundigen, wollte durch einen Hohlweg über das Gebirg den Österreichern in den Rücken kommen, doch diese hatten den Ausgang des Wegs mit umgehauenen Bäumen und vorgeworfenen Steinen verrammelt, dann oberhalb demselben ihre Tiroler Scharfschützen postiert. Gedrängt standen die Franzosen in der Hohle, wo ihnen das weitere Vorrücken unmöglich war, da fiel gählings das Feuer der Tiroler auf sie, nur durch schnelle Flucht konnte sich diese Abteilung retten und mußte 2 Kanonen nebst mehreren Gefangenen und Toten zurück lassen.“[74]

Als Bajalich die Umgehungsabsicht und Überlegenheit des Gegners erkannte, ließ er die zur Verteidigung  Handschuhsheims bestimmte Division Slavonier durch Major von Pfanzelter vom Infanterie-Regiment Erzherzog Karl mit 1 Division und 2 sechspfündigen Kanonen verstärken. Später rückten noch 3 Kompanien Erzherzog Karl mit 2 sechspfündigen Kanonen und 1 Division Kaunitz zur Deckung der Westseite Handschuhsheims nach. Laut Clerfayts Bericht brachte hiernach „das entschlossene und besonders tapfere Betragen der Infanterie und Artillerie“ unter lebhaftem Kanonen- und Gewehrfeuer den bereits eindringenden Feind zum Weichen. Um dieselbe Zeit scheinen die Tiroler Scharfschützen am Berg ihre Gegner bezwungen zu haben, die laut Rottmann durch ihre Flucht bei der französischen Infanterie in der Ebene „einige Unordnung“ verursachten.

In dieser Situation gestattete Bajalich dem Oberstleutnant Graf Klenau von den Kaiser-Dragonern auf dessen mehrfach geäußerten Wunsch, mit 3 Divisionen Kavallerie den Angriff auf 5 Bataillone Infanterie und 3 Divisionen Kavallerie des Gegners zu wagen, die soeben mit 8 Geschützen einen weiteren Ansturm gegen Handschuhsheim unternahmen. Es war 11 Uhr vormittags.[75] Bevor wir mit Klenaus Aktion zum Höhepunkt des Tages kommen, sei ein Heldenstückchen eingeschoben, das Johann Christian von Mannlich von einem  unbekannten Dragoner-Leutnant erzählt: Als der österreichische General angesichts der feindlichen Übermacht die Ebene zu räumen beschloß, bat ihn jener Leutnant um die Erlaubnis zu einer Attacke, „und wäre es nur mit 60 Mann“. Mit den ihm daraufhin zugeteilten 100 Mann stürzte er sich in den seichten Fluß und gelangte, im Schutz des hohen Ufers verborgen, ungesehen hinter die Linien der feindlichen Infanterie. Dort sprang die kühne Schar unter lautem Hurra-Geschrei ans Ufer und stiftete solche Verwirrung, daß das Entsetzen der sich umzingelt Glaubenden auch die Reiterei zur Flucht veranlaßte, zum Teil über die eigene Infanterie hinweg. Ihnen nach die österreichische Kavallerie, während der österreichische General im allgemeinen Chaos an der Front angriff und den Sieg perfekt machte.[76] Spuren von Mannlichs Geschichte scheinen der Wirklichkeit angenähert. Der Dragoner, die Bitte um Abordnung zu einem waghalsigen Manöver, das glückliche Ergebnis durch Überrumpelung des Gegners:

Oberstleutnant Graf Klenau drang mit den Kaiser-Dragonern über Neuenheim gegen die Handschuhsheim umgehenden französischen Jäger vor, gefolgt von 3 Flügeln der Division Hohenzollern-Kürassiere unter Oberstleutnant Fabritius Graf Serbelloni. Rittmeister Ignaz Graf Hardegg führte einen der Flügel nach vorn, um die ungenügend geschützte linke Flanke Klenaus zu decken. Die unterschiedlichen Darstellungen der folgenden Ereignisse lassen sich auf zwei Hauptvarianten reduzieren, von denen eine den Erfolg Graf Klenau zuschreibt, der sich zunächst auf die Chasseurs gestürzt und anschließend die durch die Vernichtung ihrer Reiterei erschütterte Infanterie in die Flucht gejagt habe[77]; die zweite dagegen schildert, wie Graf Hardegg dem bereits weichenden Grafen Klenau zur Hilfe eilt, innerhalb weniger Minuten die feindliche Infanterie nahezu aufreibt und danach die Kavallerie zurückschlägt [78]. Eine Verschmelzung beider Varianten zeigt beide Offiziere in synchronem Zusammenspiel, wobei Hardegg dem im Kampf mit den Chasseurs in Bedrängnis geratenen Klenau durch einen Angriff auf die Infanterie Luft verschafft und letzterer nach Überwältigung seines Gegners den Sieg über die Infanterie vollendet.[79]

Noch am Tag der Schlacht bezeugen im Feldlager bei Heidelberg mehrere Offiziere in einem Schreiben mit eigenhändiger Bestätigung durch Bajalich, der junge Rittmeister habe „durch freiwillige, von Anfang bis Ende, ohne hierzu befehligt worden zu sein, wiederholt gemachte Attacken den vorteilhaften Erfolg dieses siegreichen Tages bestimmt”[80]; und Quosdanovich bemerkt in seinem Bericht nach Wien, „daß durch die kluge Aufführung der Kavallerie, unter dem nunmehrigen Obersten Grafen Klenau, der linke Flügel des Feindes ganz geschlagen worden ist; daß nach dem Zeugnisse des Obersten der Hohenzollersche Rittmeister Graf Hardegg, welcher nach seinem eigenen Anerbieten die linke Flanke des Obersten Klenau mit einem Flügel von Hohenzollern-Kürassieren deckte, und gänzlich unter den ersten in die feindliche Truppe einhieb, und den Feind verfolgte, zu dem glücklichen Ausgang des Treffens Vieles beigetragen hat”[81].

Von Handschuhsheim setzte Major von Pfanzelter mit 2 Kompanien Slavonier, 5 Kompanien Erzherzog Karl, 2 Kompanien Kaunitz, 1 Bataillon Lattermann und zwei Kanonen auf der Bergstraße den Fliehenden gleichfalls nach und vertrieb sie aus Dossenheim und Schriesheim.[82] Bis nach Mannheim ging die Jagd, ein wahres Gemetzel der Verfolger unter den Verfolgten. Erst das Feuer von der Festung bot den traurigen Resten derer Schutz, die morgens siegessicher ausgezogen waren, vom „Tapferkeitsbranntwein“ erregt und unter dem Feldgeschrei „vive la république“ und „à bas les tyrans“.[83] In den „Planken“ drängte sich das Volk, um alles hautnah mitzuerleben, vielleicht auch Neuigkeiten zu erfahren. Wilhelmine Reinhardt, die achtjährige Tochter des Handelsmannes und späteren Oberbürgermeisters Johann Wilhelm Reinhardt, nahm sich als Samariterin eines vor der Pfarrkirche zusammengebrochenen verwundeten Trommlerjungen an und brachte ihn zu einem Arzt.[84]

War der Junge noch „mit seiner Einheit“ zurückgekommen, so berichtete dagegen eine Gruppe von sieben Husaren unter Racheschwüren, daß sie als einzige von ihrem ganzen Regiment dem Massaker entronnen seien.[85] Die Brigade Dusirat war in Auflösung, der General erschossen.[86]

Divisionskommandeur Dufour geriet bei dem Angriff der von Graf Klenau geführten Kaiser-Dragoner, Hohenzollern-Kürassiere und Szekler Husaren (unter Oberleutnant Anton von Bayer und Rittmeister Alexander von Szekely) in Gefangenschaft. Die Szekler Husaren Mathias Keresztes und Petrus Jakob verdienten sich hierbei die silberne Tapferkeitsmedaille, der Trompeter Valentin Rakosy vom selben Regiment eine Belobigung. Im übrigen ging der Lorbeer wieder einmal an den Rittmeister von den Hohenzollern-Kürassieren: „Noch in den letzten Momenten dieses herrlichen Reitergefechtes, das zu den glänzendsten im Laufe der ersten Revolutionskriege gehörte, war es Graf Hardegg gelungen, den durch 2 Säbelhiebe verwundeten Divisions-General Dufour gefangen zu nehmen.“[87]

Hilflos mußten auf dem anderen Ufer die Franzosen, bei denen sich auch General Pichegru befand[88], die Not der Kameraden mit ansehen - zumal sie selbst hart in Bedrängnis gerieten. General Karaiczay konnte unterdessen nicht nur seine Stellung bei Wiesloch halten, sondern schickte sogar noch den größten Teil seiner Reiterei unter Major Graf Nostitz von den Kaiser-Dragonern dem General Fröhlich bei Wieblingen zur Unterstützung.[89] Sobald General Ambert von der Niederlage Dufours vernahm, begann er den Rückzug nach Mannheim, von der österreichischen Reiterei bis unter die Kanonen der Stadt verfolgt.

In Handschuhsheim atmete man auf. Je mehr sich das Kriegsglück den Österreichern zuneigte, desto mutiger werden sich Neugierige aus ihren Häusern hervorgewagt haben. Mancher beobachtete wohl schon länger aus sicherer Entfernung das Geschehen; wie etwa der dreizehnjährige Friedrich Ludwig Bassermann, Sohn des Heidelberger Tuchhändlers Johann Wilhelm Bassermann, später Bankier und bayerischer Konsul in Mannheim und - Ehemann der oben als Samariterin des Trommlerjungen erwähnten Wilhelmine Reinhardt. Ein Schmied nahm ihn mit auf den Heiligenberg, zu dessen Füßen der Kampf tobte. Sie fanden einen günstigen Aussichtsplatz und verfolgten alles mit Spannung, während zu Hause die Besorgnis der Eltern um ihren „Fritzel“ wuchs. Als er mit den siegreichen Österreichern schließlich wieder in Heidelberg einzog, erwartete ihn in der Einfahrt der Vater mit dem Ochsenziemer und bleute ihn tüchtig durch.[90]

Ein anderer kam näher heran: Der Heidelberger Wirt zum „Ritter“, seit kurzem stolzer Besitzer eines den Husaren abgekauften Pferdes, folgte jenen als Schlachtenbummler nach Handschuhsheim. Plötzlich ertönte das Angriffssignal, das Tier sprang an und trug den Ritterwirt mitten hinein ins Gefecht. Zum Glück rettete man Roß und Reiter aus dem Gewühl, bevor einem von beiden etwas geschah.[91]

Nach der Gefangennahme Dufours zog sich General Louis Joseph Baron Cavrois, der mit seiner Brigade an dem Gefecht nicht teilgenommen hatte, eiligst nach Mannheim zurück. Die Kaiserlichen verfolgten ihn bis nach Feudenheim und fügten ihm dort noch schwere Verluste zu.[92]

Ein zusammenfassender Bericht im „Schwäbischen Merkur“ vom 2. Oktober nach Meldungen aus Karlsruhe vom 28. September bezifferte die Verluste der Franzosen allein für das Reitergefecht auf 100 Tote und mehr als 500 Mann an Verwundeten und Gefangenen, dazu eine unbekannte Zahl für den Kampf am Berg: „Das Regiment Royal Allemand hat von den im Gebirg zersprengten und ins Freie geflüchteten Feinden noch 2 Kompanien bis auf 3 Mann zusammengehauen.“ Noch am 25. Oktober brachte man Zersprengte und Gefangene ein. Am 14. Oktober gab der Wiener Hofbericht Genaueres bekannt: Die Österreicher erbeuteten 9 Kanonen, 1 Haubitze, mehrere Munitionskarren und 31 bespannte Wagen; gefangen wurden außer dem Divisionskommandeur Dufour 19 Stabs- und Oberoffiziere sowie gegen 400 Mann an Gemeinen; an Toten hatte man auf dem Schlachtfeld über 1.000 gezählt, darunter „ein feindlicher Brigadier, namens Duval du Surard“. Der größte Teil der Geflüchteten sei im Neckar ertrunken, gegen 30 Trommeln und sehr viel Gepäck lag auf dem Felde hingeworfen.

An eigenen Verlusten meldete man 1 Unteroffizier, 34 Gemeine, 54 Pferde; an Verwundeten den Oberst Preschern und Hauptmann Garzuli von den Slavoniern, Oberleutnant Forstner und Unterleutnant Antikos von den Kaiser-Dragonern, Oberleutnant Graf Toldalagi von den Szekler Husaren, sowie 144 Mann und 78 Pferde; ferner an Vermißten 2 Mann und 3 Pferde. Da der österreichische Militärhistoriker J. B. Schels auf Grund seiner Quellen die Gesamtzahlen übernimmt[93] und die auf anderer Basis fußende „Karmeliterchronik“ französische Verluste von 2.000 Mann verzeichnet[94], muß man größenordnungsmäßig von den vorliegenden Angaben ausgehen. Die Durchsicht einiger Kirchenbücher der Umgebung ergab, abgesehen von dem unbekannt bestatteten Hohenzollern-Kürassier in St. Vitus, keinen Hinweis auf Gefallene aus den Kämpfen bei Handschuhsheim und Schriesheim; aus archäologischer Sicht spricht nichts für die Existenz bedeutender Massengräber, und an Einzelfunden wurde bisher lediglich die Entdeckung eines seinerzeit der „Handschuhsheimer Schlacht“ zugeordneten Skeletts im Hof des „neuen Apfel’schen Hauses“ in der Schulstraße (April 1898) festgestellt. Aber die „Relation“ des Peter Vitus Quosdanovich vom 29. September über das von ihm geleitete Gefecht hält ausdrücklich fest, daß man drei Tage benötigte, um die auf dem Schlachtfeld gezählten „über tausend“ Toten zu begraben.[95]

Die Verwundeten und Gefangenen brachte man zunächst nach Heidelberg und Neuenheim, wobei allein 400 Gefangene in Neuenheim verblieben. Die Abrechnung des Dorfes über die Kriegsausgaben für 1795 spezifiziert die Kosten für sechstägige Verpflegung und nennt als Unterkünfte das Rathaus, die „Rose“ und das „Rebstöckel“.[96]

Als Karl Philipp Kayser auf seinem Weg nach Handschuhsheim Verwundeten und Gefangenen begegnete, sah er auch den General Dufour, mit je einem roten, weißen und blauen Federbusch auf dem Hut; „übrigens ein wohlgerüsteter Mann“. Diesem Gefangenen erwies man ausgesuchte Höflichkeit und brachte ihn am 28. September in Begleitung eines kaiserlichen Offiziers in einer Chaise von Heidelberg nach Bruchsal, wo beide im Gasthof „Zum Hirsch“ an der zahlreich besuchten Table d’Hôte gemeinsam speisten. Dufour „betrug sich sehr gut und lobte dabei die Großmut der österreichischen Offiziere, ohne solche er zusammengehauen worden wäre; auch hätten ihm solche sogleich 24 Louisdors zugestellt und ihn bisher sehr gut behandelt“. Bis zum 11. Oktober befand er sich dann in Freiburg, von wo er an diesem Tage mit 20 weiteren Offizieren und 100 Gemeinen von kaiserlicher Reiterei zur Auswechslung nach Basel eskortiert wurde. Der Oberkommandierende Pichegru erhielt hierüber so vorteilhaften Bericht, daß er sich zu einem Schreiben an General Wurmser veranlaßt sah: „Herr General! Tapferkeit und Menschlichkeit waren von jeher unzertrennliche Eigenschaften, die ich aber besonders in Ihrer Person, mein Herr General, und bei den Offizieren, die unter Ihren Befehlen stehen, vereinigt antreffe. Gegen die Person des Herrn General Dufour haben Sie einen neuen Beweis gegeben: und es konnte mir die besondere Achtung und Güte, die Sie ihm erwiesen haben, nicht verborgen bleiben. Ich bitte Sie, dafür meine Erkenntlichkeit mit der ausdrücklichen Versicherung anzunehmen, daß ich es auf gleiche Art, gegen alle jene, die durch die Kriegsbegebenheiten in unsere Hände fallen, erwidern werde. Erlauben Sie zugleich, daß ich hier auch dem Ausdrucke meiner Dankbarkeit und Achtung gegen den Herrn Grafen von Hardegg einen Platz anweisen darf: denn dieser Kavalier ist dem General Dufour auf dem Schlachtfelde sehr menschenfreundlich zu Hilfe gekommen. Ich habe die Ehre mit der entschiedensten Hochachtung zu sein, Herr General; der Kommandant der Französischen Armee am Rhein und an der Mosel, Pichegru.[97]

Pichegru - vom Prince de Condé „ Baptiste „ genannt - dessen Rolle im Intrigenspiel der Bourbonen den österreichischen Heerführern spätestens am 20. November durch ihren Spion vollkommen deutlich wurde, knüpfte offenbar schon hier Fäden zur Unterminierung der Revolutionsherrschaft an. Nach dem Verlust Mannheims und erfolglosen Rückzugsgefechten reichte er sein Abschiedsgesuch ein, das das Direktorium am 23. Dezember 1795 bewilligte. - Sein abenteuerliches Leben als Verschwörer gegen die Revolution und später gegen Napoleon endete mit der Verhaftung am 28. Februar 1804 und fünfwöchiger Gefangenschaft im Temple. Man fand ihn dort am Morgen des 6. April erdrosselt; wie viele sagen, von eigener Hand.[98]

Die Sieger des Tages von Handschuhsheim verteilten sich auf verschiedene Quartiere. Gegen Abend rückten Scharen in Schriesheim ein, wo 1.200 Grenadiere im Ort ihr Unterkommen fanden und 4.500 Husaren in Zelten unterhalb des Dorfes rund um das Wirtshaus „Zur Pfalz“. 50 Slovenier lagen im „Kranz“ bei der Unteren Mühle, und General Bajalich, der vom 25. September an bei Wirt Chevalier im „Grünen Laub“ in Neuenheim residierte, ließ sich im Oberndorff’schen Hause von der besten Köchin im Ort verwöhnen. In Neuenheim, „allwo die k.k. Truppen nach glücklich gewonnener Schlacht, als wodurch alle Einwohner mit Trost und Freude erfüllet, ganz erhitzet und verlöschet aus dem Felde rückgekommen“, traktierten auf Gemeindebeschluß sämtliche Schild- und Straußwirte die Krieger mit Wein und Branntwein, während die Verwundeten mit Essig behandelt und verbunden wurden.[99]

Hoch mag es da hergegangen sein, und sicher schwelgten alle in Erinnerungen ihrer Heldentaten, ein Regiment das andere übertrumpfend. Und lange lebte im Gedächtnis der Beteiligten das prächtige Bild, wie Graf Hardegg in der letzten Phase der Schlacht den im Karree sich verteidigenden rechten Flügel der Franzosen überwältigte: „Langsam und entschlossen rückte das kaiserliche Kürassierregiment von Hohenzollern darauf an, allmählich schneller wurden seine Bewegungen, endlich schmetterte die Trompete zum Angriff, der Boden zitterte unter dem Tritt der schweren Pferde, das Karree ward niedergeworfen und damit das Schicksal des Tags entschieden.“[100]

General Quosdanovich übernahm das Kommando in Heidelberg, dessen Bürgern General Clerfayt Ende des Monats „in den schönsten Ausdrücken“ für ihr gutes Betragen am 24. September dankte.[101] Später kam er mit General Bajalich zur Armee nach Italien, wo ihm jedoch ebenso wie diesem weitere Erfolge versagt blieben, und er starb in Pension am 13. August 1802; Bajalich starb am 5. Juni 1800, nachdem er in Italien einmal in Gefangenschaft geraten war.

Ruhmreiche Karrieren durchliefen dagegen Graf Klenau, der vor allem in Italien verdienstvoll kämpfte, und Graf Hardegg, bis Dezember 1831 im aktiven Dienst als kommandierender General. Beider Namen glänzten im Mai 1809 in den Schlachten bei Aspern und Wagram sowie vom 16.-19. Oktober 1813 in der Völkerschlacht bei Leipzig. Für Hardegg, seit August 1834 wirklicher Hofkriegsrats-Präsident, gab Erzherzog Carl am 25. September 1845 in Wien ein festliches Diner, wozu neben den höchsten Staatsbeamten und den Maria-Theresien-Ordensrittern auch ein großer Teil des Offizierskorps der dortigen Garnison geladen war - zum „Jahrestage des denkwürdigen Gefechts bei Handschuhsheim“, bei welchem sich Seine Exzellenz das Ritterkreuz verdient hatte.[102] Man gedachte hierbei nicht nur eines schönen Siegs in einem verhältnismäßig kleinen Treffen, sondern eines Wendepunkts: Die Heidelberger Magazine waren gerettet, die drohende Stabilisierung der französischen Position im Rhein-Neckar-Raum verhindert, die Verbindung der beiden österreichischen Heere unter Clerfayt und Wurmser gesichert. Mehr als alles aber wog der moralische Effekt, der die Franzosen niederdrückte, den Österreichern dagegen mit dem Vertrauen auf die eigene Stärke den Mut zu neuen Taten gab.[103]

Daß man in Wien den 25. September als Jahrestag beging, mag irritieren, zumal an anderer Stelle von den „siegreichen Gefechten Quosdanovichs“ am 24. und 25. September die Rede ist.[104] Doch das dichte Netz der Quellen stellt das Tagesdatum außer Diskussion, das man in Handschuhsheim vor hundert Jahren termingerecht zu feiern wußte: Der ganze Ort war beflaggt, und am Abend um 8 Uhr versammelten sich mehrere Bürger bei Metzger Anweiler im „Roten Löwen“, um das Ereignis gebührend zu beleuchten und zu schildern. Weit holte man aus, rief sich die Notzeiten der Pfalz bis zurück auf Mélac in Erinnerung, verweilte bei dem „Eroberer Napoleon I.“ und zog schließlich befriedigt die Parallelen zwischen einst und jetzt, die patriotisch bei 1870/71 endeten. Wie glücklich konnte man sich preisen, seit 1871 in einem geeinigten, starken deutschen Reich, mit einem Kaiser an der Spitze![105]

Der Jubiläumsartikel in den „Heidelberger Familienblättern „ vom 25. September 1895 brachte historische Einzelheiten mit ähnlichem Grundton, anfangs noch durchaus objektiv: „Die Zerfahrenheit und Ränkewirtschaft im alten Reiche, sowie die Eifersucht zwischen Preußen und Österreich zeigen sich in ihrer ganzen Größe in dem Kampfe, den vor hundert Jahren die deutschen Fürsten in Gemeinschaft mit anderen Staaten Europas gegen die französische Revolution begannen. Preußen und Österreich hatten sich 1792 verbündet, um Ludwig XVI. zu retten.“ Hiernach aber folgt in Kurzfassung die Vorgeschichte im kämpferischen Stil des preußisch-österreichischen Dualismus, dessen Tendenz sich in Sätzen wie diesem zu Ereignissen des Jahres 1793 zeigt: „England und Österreich suchten für sich zu erobern und Preußen auf die Seite zu schieben.“ Österreichische Verdienste dürfen ungetrübt nur dort erscheinen, wo der ungenannte Verfasser des Artikels Friedrich Rottmanns Schrift - unter vollständiger Quellenangabe - einfügt. Der Beitrag endet nach Wiedergabe des Geschichtchens vom Heidelberger Ritterwirt mit der Bemerkung, die auch heute den Schluß des Berichts zum Jubiläum bilden soll: „Die Franzosen verloren in der Folge ihr Belagerungsheer vor Mainz samt 138 Geschützen. So war auf pfälzischen Fluren der Feind geworfen und Heidelberg blieb verschont bis 1799.“

Anmerkungen:

(Zitate sind - soweit nicht handschriftlichen Originalquellen entnommen - orthographisch dem heutigen Gebrauch angepaßt.)

 



[1] Stadtarchiv Heidelberg: Tagebücher Karl Philipp Kayser. - Auszugsweise veröffentlicht: Karl Philipp Kayser: Aus gärender Zeit. Tagebuchblätter aus den Jahren 1793-1827, hrsg. von Franz Schneider. Karlsruhe 1923. (Vom Bodensee zum Main. 24.), 18.

[2] Johann Christian von Mannlich: Lebenserinnerungen. Gernsbach 1974, 448. - Ders.: Histoire de ma vie: mémoires de Johann Christian von Mannlich (1741-1822). Éd. par Karl-Heinz Bender et Hermann Kleber. Trier, II (1993), 416. - Vgl.: Chronik des Barfüsser Karmelitenkloster zu Heidelberg. (UB Heidelberg, Heid.Hs. 1199.),  365.

[3] Oskar Bezzel: Geschichte des Kurpfalzbayerischen Heeres von 1778 bis 1803. München 1930. (Geschichte des Bayerischen Heeres. 5.), 479 f.

[4] Mannheim in Vergangenheit und Gegenwart. Bd. 1: Friedrich Walter: Geschichte Mannheims von den ersten Anfängen bis zum Übergang an Baden (1802). Mannheim 1907, 817-822. - Vgl. Bezzel (wie 3), 299-302. - Adalbert Prinz von Bayern: Max I. Joseph von Bayern. München 1957, 364-368.

[5] Bezzel (wie 3), 374 f. - Schloßkapelle Heidelberg, Beerdigungen 1794 und 1795 (Katholisches Kirchenbuchamt Heidelberg).

[6] Stadtarchiv Wiesloch: Gemeinderats-Protokolle 1793-1797, 341 ff. (2.2.1795).

[7] Stadtarchiv Heidelberg: Neuenheimer Kriegsschulden-Wesen. Protocoll 1793-1798; 1795, 17, § 15. - Vgl. Heinrich Schmith: Neuenheim. Heidelberg 1928, 231.

[8] Rudolf Conzelmann: Dossenheim. Dossenheim 1966, 63 f. - Vgl. Hermann Brunn: 1200 Jahre Schriesheim. Mannheim 1964, 167. - Für zahlreiche Hinweise zu Dossenheim danke ich Herrn Christian Burkhart, Dossenheim.

[9] St. Pankratius, Dossenheim, Beerdigungen (Kirchengemeindeamt St. Pankratius, Dossenheim).

[10] Zum Folgenden: Kirchenbücher St. Vitus, Handschuhsheim (kath.: katholisches Kirchenbuchamt Heidelberg; ev.: evangelisches Kirchengemeindeamt Handschuhsheim). Auswahl Taufen, kath.: 25.12.1794 (Baumann), 19.8.1795, 25.4.1796, 7.4.1797; ev.: 21.3.1795, 7.12.1795; Trauungen, kath.: 13.7.1795, 3.8.1795, 9.8.1795 (Fritsch), 6.6.1797; Sterbefälle, kath.: 23.9.1795, 6.10.1795 (Steineck), 2.2.1797, 7.3.1797. - Der korrekte Name für "Pelcredi" ermittelt in: Alphons Frh. von Wrede: Geschichte der k. und k. Wehrmacht. Bd. 1-5. Wien 1901-1905 (Mittheilungen des k. und k. Kriegs-Archivs. Suppl.), III, T. 2, 941.

[11] Zum Folgenden: Sydney Seymour Biro: The German policy of revolutionary France. Vol. 1.2. Cambridge, Mass., 1957. I, 42 ff. - Sabine Diezinger: Französische Emigranten und Flüchtlinge in der Markgrafschaft Baden 1789-1800. In: Die Französische Revolution und die Oberrheinlande (1789-1798). Hrsg. von Volker Rödel. Sigmaringen 1991. (Oberrheinische Studien. 9.), 275-284; hier: 276 ff. - Jürgen Voss: Die Kurpfalz im Zeichen der Revolution. In: Die Französische Revolution (wie Diezinger), 9-31; hier: 13 f.

[12] Zum Folgenden: Bayern (wie 4), 46 f., 86 ff., 173 f., 194, 201 ff., 209, 211-216.

[13] Bayern (wie 4), 217.

[14] Einteilungskriterien s. Wilhelm Wühr: Die Emigranten der französischen Revolution im bayerischen und fränkischen Kreis. München 1938. (Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte. 27.), 1 ff.

[15] Voss (wie 11), 12,14. - Diezinger (wie 11), 277.

[16] Biro (wie 11), I, 45 f. - Vgl. Ludwig Häusser: Deutsche Geschichte vom Tode Friedrichs des Großen bis zur Gründung des deutschen Bundes. 4., unveränd. Aufl. T. 1-4. Berlin 1869, I, 325 f.

[17] Bayern (wie 4), 216. - Häusser (wie 16), I, 312.

[18] Voss (wie 11), 12.

[19] Biro (wie 11), I, 46. 48, 51 f.

[20] Häusser (wie 16), I, 330. - Bayern (wie 4), 216.

[21] Biro (wie 11), I, 51-55. - Häusser, I, 329, 331 f.

[22] Biro (wie 11), I, 57, 61 f.

[23] Biro, I, 63; zu Cloots ebd. 198-201.

[24] Taschenbuch für die neueste Geschichte. Hrsg. von Ernst Ludwig Posselt. Nürnberg, 2. Jg. (1795), 3 f. - Häusser (wie 16), I, 355-366; das Folgende ebd.

[25] Zum Folgenden: Häusser (wie 16), I, 364 ff. - FranVois Furet/Denis Richet: Die Französische Revolution. Frankfurt a. M. 1989, 200 ff., 223-226.

[26] Biro (wie 11), I, 74 ff.

[27] Johann Wolfgang von Goethe: Werke. Weimarer Ausg., fotomechan. Nachdr. d. Ausg. Weimar 1887-1919. Bd. 33 (Weimar 1898). - Bd. 37,1 (München 1987), 75 (Campagne in Frankreich 1792). - Häusser (wie 16), I, 377-380.

[28] Häusser (wie 16), I, 381-383. - Biro (wie 11), I, 78-83.

[29] Taschenbuch (wie 24), 2. Jg. (1795), 8. - Zum Folgenden: Furet (wie 25), 240 f. - Biro (wie 11), I, 93, 98. - Häusser (wie 16), I, 406-419, 433 f., 444.

[30] Rudolf Schrepfer: Pfalzbayerns Politik im Revolutionszeitalter von 1789-1793. München 1903, 51, 56. - Biro (wie 11), I, 90 f.

[31] Schrepfer (wie 30), 57. - Biro (wie 11), I, 91, 161.

[32] Furet (wie 25), 232, 237, 241 ff. - Zum Folgenden ebd., 241-245.

[33] Häusser (wie 16), I, 448 f. - Dictionnaire historique de la Révolution franVaise / Éd. Albert Soboul. Paris 1989, 238. - Zum Folgenden: Häusser (wie 16) I, 454 ff., 460-472. - Biro (wie 11), I, 145-152.

[34] Soboul (wie 33), 316 f. (Todestag in der Literatur unterschiedlich überliefert).

[35] Alfred von Vivenot: Thugut, Clerfayt und Wurmser. Wien 1869, XCVI ff.

[36] Soboul (wie 33), 552, 842. - Häusser (wie 16), I, 521. - Zum Folgenden ebd., 522-533. - Franz Xaver Remling: Die Rheinpfalz in der Revolutionszeit von 1792 bis 1798. Bd. 1.2. Speyer 1865, I, 435, 447 f., 505 f.

[37] Aus den unveröffentlichten Briefen des Pfarrers Peter Gregorius Kayser, nach der Abschrift von Frau Irmintraut Weinknecht, Bad Peterstal. - Für die Ermöglichung der Einsichtnahme und Benutzung danke ich Herrn Bernhard Dreier, Gladenbach. - Umfassende Darstellung bei Remling (wie 36), I, 441-573.

[38] Diezinger (wie 11), 278 f.

[39] Georg Biundo: Die evangelischen Geistlichen seit der Reformation. Neustadt a. d. Aisch 1968, 278 f. (Laut Mitteilung des Zentralarchivs des Landeskirchenrats, Ev. Kirche der Pfalz, Speyer, ist das bei Biundo angegebene Todesdatum (3.6.1806) zu korrigieren.) - St. Vitus, Handschuhsheim, Taufen, ev. (wie 10).

[40] Häusser (wie 16), I, 505, 536-549.

[41] Biro (wie 11), I, 236. - Häusser (wie 16), I, 551.

[42] Biro (wie 11), I, 237-241, 284 f. - Häusser (wie 16), I, 560, 566 f.

[43] Heinrich Ritter von Zeissberg: Erzherzog Carl von Oesterreich. Bd. 1, T.1.2. Wien und Leipzig 1895; I,1, 398 ff. - Bayern (wie 4), 253.

[44] Biro (wie 11), I, 312-352, passim; Unterzeichnung: 348-352. - Alfred von Vivenot: Herzog Albrecht von Sachsen-Teschen als Reichs-Feld-Marschall. Bd. 1.2., Abt. 1.2. Wien 1864-1866, II, Abt. 2,141-144, und passim.

[45] Biro (wie 11), I, 381-384.

[46] Die in der Literatur unterschiedlich angegebenen Zahlen hier nach: Carl Erzherzog von Oesterreich: Ausgewählte Schriften. Hrsg. im Auftr. d. Erzherzoge Albrecht und Wilhelm. Bd. 1-6. Wien und Leipzig 1893. 1894, IV, 266. - Zeissberg (wie 43), I,1, 404 f., 412 f.

[47] Häusser (wie 16), II, 29 f. - Erzherzog Carl (wie 46), IV, 265 f. - Spekulationen über die Gründe: Schwäbischer Merkur (künftig SM), 99, 22.6.1795, 310.

[48] Vorbereitungen Österreichs: SM, 119, 27.7.1795, 371; 133, 21.8.1795, 426 (u. a.). - Erzherzog Carl (wie 46), IV, 266.  Geschichte Mannheims (wie 4), 821. - Die östreichische Reiterei im Treffen bei Handschuhsheim am 24. September 1795. In: Oestreichische militärische Zeitschrift, 1846, Bd. 1, 313-320; hier: 314.

[49] Johann Baptist Schels: Die Operazionen am Rheine vom 8. bis 24. September 1795; mit dem Treffen bei Handschuhsheim. In: Oestreichische militärische Zeitschrift, 1832, Bd. 2, 107-150 (Handschuhsheim: 139-150); hier: 140.

[50] Die östreichische Reiterei (wie 48), 314.

[51] Bezzel (wie 3), 301 f., 692. - J. Hirtenfeld: Der Militär-Maria-Theresien-Orden und seine Mitglieder. Abt. 1.2. Wien 1857, I, 445 f. - Constant von Wurzbach: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. Bd. 1-60. Wien 1856-1891, XXIV, 153 f.

[52] SM, 168, 21.9.1795, 540.

[53] Bezzel (wie 3), 302 f., 304, 383, 695 f. - Zum Folgenden: SM 159, 5.10.1795, 504. - Vivenot, Thugut (wie 35), 228 f.

[54] Zum Folgenden: SM, 152, 23. 9.1795, 482; 153, 25. 9.1795, 484; 154, 27.9.1795, 489. - Vivenot, Thugut (wie 35), 226.

[55] Die östreichische Reiterei (wie 48), 314. - Hirtenfeld (wie 51), I, 462. - Schels (wie 49),141. - SM, 154, 27.9.1795, 489.

[56] Kayser (wie 1), 18. - SM 154, 27.9.1795. 488.

[57] Erzherzog Carl (wie 46), IV, 268 f.

[58] Dokumente bei Vivenot, Thugut (wie 35), 203‑211. - John Hall: General Pichegru's treason. London 1915, 43 f., 354 f., zum 24. Sept. ebd., 60-64. - Zum Folgenden: SM, 170, 25.10.1795, 545-548.

[59] Wrede (wie 10), V, 318 (Name hier korrekt, v. Preschern). - Schels (wie 49),140 (Brechern). - SM 170, 25. 10. 1795, 545 (Breschern). – Hohenzollern-Kürassiere (später Kürassier-Reg. Nr. 8): Die Reiter-Regimenter der k.k. oestreichischen Armee. Von einem ehemaligen Cavallerie-Offizier. Bd. 1-3. Wien 1862-1863, I, 199 f.

[60] St. Vitus, Handschuhsheim, Beerdigungen, kath. (wie 10), 23.9.1795.

[61] Europäische Annalen. Hrsg. von Ernst Ludwig Posselt. Tübingen, 1795, Bd. 4, 241.

[62] Eduard Johann Joseph Mühling: Historische und topographische Denkwürdigkeiten von Handschuhsheim. Mannheim 1840. (Vorwort datiert 17. Dec. 1839.), 92 ff. - Herbert Derwein: Handschuhsheim und seine Geschichte. Heidelberg-Handschuhsheim 1933, 53-56, 278. - Derweins Quelle neben Mühling: Schels (wie 49).

[63] Karl Ludwig Blum: Ein Bild aus den Ostsee-Provinzen oder Andreas Löwis of Menar. Berlin 1846, 50.

[64] SM, 170, 25.10.1795, 546.

[65] Schels (wie 49), 143. - Zu Bajalich: Hirtenfeld (wie 51), I, 284 f.; zu Karaiczay ebd., 293 f. (ältere Namensform Karaczay). - Vgl. Wurzbach (wie 51), I, 123.

[66] Vivenot, Herzog Albrecht (wie 44), II, 2,495: 4.000 gegen 15.000. -Vivenot, Thugut (wie 35), 230: 4.000 gegen 14.000. - Die Streitmacht Pichegru sonst gewöhnlich mit 12.000 angegeben. - Friedrich Rottmann: Kurze historische Beschreibung zu den am 18. Dec. 1804 angekündigten zwei Kupferplatten: Die Schlacht bei Handschuchsheim und Die Bestürmung der Heidelberger Brücke. Heidelberg 1805, 10. - Derwein (wie 62), 54.

[67] SM, 154, 27.9.1795, 489. - Rottmann (wie 66), 9. - Mühling (wie 62), 92. - SM 170, 25.10.1795, 546. - Europäische Annalen (wie 61), 1795, Bd. 4, 241. - Kayser (wie 1), 18.

[68] SM, 155, 28.9.1795, 492. - Vivenot, Herzog Albrecht (wie 44), II, 2, 495. - SM, 157, 2.10.1795, 496.

[69] SM, 162, 11.10.1795, 516; 162,11.10.1795, 517. - Vivenot, Thugut (wie 35), 398 ff.; hier: 400 (Übers. des Verfassers aus dem Französischen, ebd., CVI).

[70] SM, 162, 11.10.1795, 516 (irrtümliche Bezeichnung "Oberleutnant" für Klenau). – Hirtenfeld (wie 51), I, 447 f., 895.

[71] SM, 162. 11.10.1795, 516; 170, 25.10.1795, 546. - Vivenot, Thugut (wie 35), 332 f., 336 f., 339.

[72] Hirtenfeld (wie 51), I, 889-894; hier: 890. - Die Reiter-Regimenter (wie 59), I, 198 ff. - Wurzbach (wie 51), VII, 359-362.

[73] SM, 162, 11.10.1795, 516 f.; 170, 25.10.1795, 545-548.

[74] Rottmann (wie 66), 9 f. - Etwas ausführlicher Mühling (wie 62), 92 f. - Umgehungsplan auch: Europäische Annalen (wie 61), 1795, Bd. 4, 241.

[75] Schels (wie 49), 146. - SM, 170, 25.10.1795, 546 f.

[76] Mannlich, Lebenserinnerungen (wie 2), 448 f. - Ders.: Histoire de ma vie (wie 2), II, 416.

[77] SM, 170, 25.10.1795, 546. - Hirtenfeld (wie 51), II, 895. - Schels (wie 49), 147. – Wurzbach (wie 51), XII, 70-77.

[78] Die Reiter-Regimenter (wie 59), I, 199 f.

[79] Die östreichische Reiterei (wie 48), 317.

[80] Die Reiter-Regimenter (wie 59), I, 200.

[81] SM, 170, 25.10.1795, 547.

[82] SM, 170, 25.10.1795, 546. - Schels (wie 49), 146 f.

[83] Mannlich, Lebenserinnerungen (wie 2), 449. - Ders.: Histoire de ma vie, (wie 2), II, 416 f.

[84] Lothar Gall: Bürgertum in Deutschland. Berlin 1989, 136.

[85] Mannlich, Histoire de ma vie (wie 2), II, 417 (in der dt. Teilübersetzung nicht enthalten).

[86] Schels (wie 49), 147. - Hirtenfeld (wie 51), II, 895 ("Desirat" für Dusirat).

[87] Rottmann (wie 66), 10 ("Defour" für Dufour). - Die Reiter-Regimenter (wie 59), II, 295 f.: I, 200 (Zitat). - SM, 155, 28.9.1795, 492.

[88] Hall (wie 58), 64.

[89] SM, 170, 25.10.1795, 547. - Schels (wie 49), 249 f.

[90] Kurt Bassermann: Bassermann. In: Alte Mannheimer Familien, Hrsg. von Florian Waldeck. T. 4. Mannheim 1923, 71-175; hier: 85.

[91] Vor 100 Jahren. (Zum Jubiläum der Handschuhsheimer Schlacht vom 24. Sept. 1795). In: Heidelberger Familienblätter. Heidelberg, 77, 25.9.1895, 306 f.

[92] Schels (wie 49), 147. - Vgl. Brunn (wie 8), 167 (Brigade Cavrois am 23. und 24. Sept. in Schriesheim).

[93] SM, 170, 25.9.1795, 548. Der Brigadier evtl. identisch mit General Dusirat. - Zu Toldalagi (Doldolagy) auch: Die Reiter-Regimenter, II, 306.

[94] Schels (wie 49), 150. - Chronik des Barfüsser Karmelitenkloster (wie 2), 365.

[95] Freundliche Auskunft von Herrn Dr. Berndmark Heukemes. - Neuer Heidelberger Anzeiger, 87, 15.4.1898. - Affaire bei Heidelberg am 24.9.1795; hier: "Relation..." (Österr. Staatsarchiv. Kriegsarchiv. Wien).

[96] Neuenheim, Kriegsschulden-Wesen (wie 7); 1795, 20 f., § 20.

[97] Kayser (wie 1), 18. - SM, 159, 5.10.1795, 504; Schwäbische Chronik (Beilage zum SM), 19.10.1795, 281; SM, 173, 30.10.1795, 559 (Zitat).

[98] Hall (wie 58), 77, 89, 94, 106, 340 f. - Biro (wie 11), I, 396.

[99] Brunn (wie 8), 167 f. - Neuenheim, Kriegsschulden-Wesen (wie 7); 1795, 15, § 14.

[100] Rottmann (wie 66), 11.

[101] SM, 159, 5.10.1795, 504. - Vivenot, Thugut (wie 35), 230. - Zum Folgenden vgl. Anm. 51 (Quosdanovich); 65 (Baialich); 72 (Hardegg); 77 (Klenau).

[102] Heidelberger Journal, 273, 4.10.1845.

[103] Zur Wertung der Schlacht: Europäische Annalen (wie 61), 1795, Bd. 4, 242. - Vivenot, Thugut (wie 35), 288 (Dietrichstein an Thugut, Heidelberg 25.9.1795). - Biro (wie 11), I, 462.

[104] Bezzel (wie 3), 383.

[105] Heidelberger Zeitung, 223, 24.9.1895. - Zu den preußisch-österreichischen Auseinandersetzungen der Historiker (z. B. Häusser und Vivenot) vgl. Biro (wie 11), II, 1005 ff. - Heidelberger Familienblätter (wie 91), 306 f.


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