Die Schlacht bei Austerlitz (Slavkov) am 02. Dezember 1805
Die "Dreikaiserschlacht"
 

Engagierte Einheiten:

Franzosen

Oberbefehl - Napoleon Bonaparte
Stabschef: - Marschall Louis-Alexandre Berthier
I. Korps - Marschall Bernadotte, 1. Div. Rivaud, 2. Div. Drouet d'Erlon 12.300 Mann, 24 Kanonen
III. Korps - Marschall Davout, 1 Infant. Div. Friant, Dragoner Div. Bourcier, 6.300 Mann, 12 Kanonen
IV. Korps - Marschall Soult, Divisionen Saint-Hilaire, Vandamme, Legrand, leichte Reiterdivision Margaron, 24.000 Mann, 35 Kanonen
V. Korps - Marschall Lannes, Divisionen Caffarelli, Suchet, 
13.000 Mann und 40 Kanonen
Kavallerie Reserve - Marschall Murat, schwere Reiterei: Div. Nansouty, d´Hautpoul, Dragoner Div. Walther, leichte Kavalleriedivision Kellermann, 7 - 9.000 Mann, 9 Kanonen
Reserve: Kaiserliche Garde, Marschall Bessières, ca. 5.000 Mann, 23 Kanonen
Grenadier Divisionen General Oudinot und Duroc, Dragoner Div. Beaumont, ca. 5.500 Mann, 10 Kanonen 


Französische Soldaten

Verbündete

Oberbefehlshaber - G d.I. Michail Illarionovic Goleniscev-Kutuzov
Stabschef: GM Franz v. Weyrother

Befehlshaber der drei - rein russischen- Kolonnen war G.d.I. Buxhövden

Vorhut der 1. Kolonne FML Kienmayer, ca 6.800 Mann, 12 Kanonen,   (5 österr. Infanteriebatallione, 23 Eskadronen, 10 Sotnien Kosacken)
1. Kolonne (russische) GL Dochturov, ca. 14.200 Mann, 60 Kanonen (22 russ. Infanteriebatallione, 2 Sotnien Kosacken)
2. Kolonne (russische) GL Langeron, ca. 12.000 Mann, 30 Kanonen (17 russ. Infanteriebatallione, 2 Eskadronen russ. Dragoner, 2 Sotnien Kosacken
3. Kolonne (russische) GL Przybyszewski, ca. 9.500 Mann, 30 Kanonen (18 russ. Infanteriebatallione)

4. Kolonne (gemischte) FML Kolovrat und GL Miloradovic, ca. 16.000 Mann, 75 Kanonen (15 österr. und 12 russ. Infanteriebatallione, 2 Eskadronen österr. Dragoner)
5.Kavalleriekolonne (gemischt) FML Liechtenstein und GL Uvarov, ca. 7.000 Reiter und 24 Kanonen (17 österr. Eskadronen schwerer Reiter, 30 Eskadronen russ. Dragoner und leichter Reiter, 12 Sotnien Kosacken)
Avantgarde: GL Bagration, 14.000 Mann, 42 Kanonen (15 russ. Infanteriebatallione, 33 Eskadronen, 15 Sotnien Kosacken)
Reserve: russ. kaiserliche Garde, Großfürst Konstantin Pavlovic, ca. 10.000 Mann, 40 Kanonen (10 Batallione Gardeinfanterie und 17 Eskadr. Gardereiter)

Insgesamt hatten die Franzosen 75.000 Mann in der Schlacht, die Verbündeten ca. 90.000 Mann, davon ca. 16.000 Österreicher. Der russische Zar Alexander und der österreichische Kaiser Franz I. beobachteten die Schlacht. Der dritte Kaiser war Napoleon - deshalb "Dreikaiserschlacht".


 

Franzosen:
L - Legrand
Mu - Murat
M - Margaron
G - Garde
S - Suchet
B -Bernadotte
O - Oudinot
St. H. - St. Hilaire
V - Vandamme
C - Caffarelli
Verbündete:
K - Kienmayer
Do - Doktoroff
La - Langeron
Pr - Prizibyszewski
Ga - Garde
Ko - Kollowrat
Li - Lichtenstein
Ba - Bagration

Bemerkung: da auf den heutigen Landkarten die Ortsnamen aus der Zeit Napoleons nicht zu finden sind, erwähne ich im Weiteren jeweils in Klammern den heutigen - tschechischen Namen.


Die Schlacht bei Austerlitz

Nach der Zerschlagung der Armee Erzherzog Ferdinands bei Ulm am 20.10.1805 rückte Napoleon mit seiner Armee links der Donau nach Mähren und sammelte das Groß seiner Armee im Raum Brünn (Brno) General Kutuzov mit den verbündeten Österreichern stand in der Nähe von Olmütz (Olomouc). Napoleon hielt Kontakt mit dem Feind und täuschte einen Rückzug vor, um Kutuzov in die Nähe der bevorzugten Position zu locken, was auch gelang. Die alliierte Armee zog Richtung Brünn
Beide Armeen bezogen ihre Positionen am Sonntag, den 1. Dezember zwischen Brünn (Brno) und Austerlitz (Slavkov), Die Gegend in der am nächsten Tag die Schlacht stattfinden sollte ist hügelig und erstreckt sich auf einer Fläche von ca. 10 x 12 Km. Im Norden durch die kaiserliche Straße nach Olmütz (Olomouc) hinter der die Drahan-Hügel beginnen begrenzt, im Süden in die Südmährische Ebene geöffnet. Nicht ganze 4 Km von der Straße entfernt erheben sich die Pratzener Höhen (Pratecké návrsí) bis 325 m.ü.n. Der östliche Höhepunkt des Höhenrücken - der Alte Weinberg (Staré vinohrady) erreicht 298 m. Dort befand sich am Anfang der Schlacht der Stab der Verbündeten und die beiden Kaiser. Die südlichen Flanken des Höhenrückens fallen steil zum Flüßchen Litava ab, das dort die Grenzlinie des Schlachtfeldes bildete.
Das Schlachtfeld bildete also ein unregelmäßiges Dreieck, dessen nördliche Waagrechte die Straße bildete, die östliche der Fluß Litava und sein Zufluß Rakovec.
Die westliche Begrenzung des Dreiecks bildet der Goldbach (Zlatý potok) der südlich des Ortes Tellnitz (Telnice) in die Litava mündet. Kurz vor der Mündung sind zwei Teiche, der Satschan Teich (Zatcanský rybník) spielte am Ende der Schlacht eine Rolle. Im Norden der Straße nach Olmütz erhebt sich der Hügel Santon, den Napoleon vor der Schlacht durch das 17. IR und 18 Kanonen befestigen ließ. Ungefähr 2 km von da, südlich der Straße ist der kleine Hügel Zuran, von dem Napoleon den Anfang der Schlacht einleitete. Innerhalb des erwähnten Dreiecks standen ungefähr 12 Dörfer.
Napoleon ließ die Pratzerne Höhe räumen und bot diese so günstig erscheinende Position den Verbündeten. Seine Einheiten verschanzten sich am Goldbach, wohin Napoleon die Verbündeten am nächsten Morgen locken wollte. Die dort stationierte Infanteriedivision Legrand und die Kavalleriediv. Margaron nutzten die lange Mauer der Fasanerie, die zum Schloß Sokolnice gehörte als Deckung. Den größten Teil der Truppen verlegte Napoleon während der Nacht nördlich zu der Straße nach Olmütz. Von da sollten sie den Verbündeten in die Flanke und Rücken fallen, nachdem diese den Marsch von den Pratzerner Höhen angefangen hätten.
Napoleon verbrachte die Nacht in einer Hütte unterhalb des Zuran-Hügel. Unter dem Hügel stand die kaiserliche Garde, bei Schlapanitz (Slapanice) in Reserve das
1.Korps Marschall Bernadottes, das gerade von Iglau (Jihlava) eingetroffen war.
Die Verbündeten registrierten zwar Bewegungen im französischen Lager, legten sie aber als Rückzug einzelner Verbände aus. Freudenfeuer der Franzosen, die den Krönungstag Napoleons feierten, wurden vom Stab der Verbündeten als Abbrennen des Lagers vor dem Rückzug ausgelegt.
In einem Bauernhof in Krenowitz (Krenovice) trafen sich nachts die Generäle der Verbündeten, denen Gen. Weyrother den Schlachtplan vorlegte. Demnach sollten die verbündeten Truppen frühmorgens die Pratzerner Höhen herabsteigen, den Goldbach überqueren und die Franzosen nach Norden verdrängen um ihnen so die Verbindungslinie Brünn - Wien abzuschneiden. Aus dem Bereich der Olmützer Straße sollte die Kavallerie unter Liechtenstein und Uvarov sowie der noch etwas weiter stationiert Bagration mit seinen 14.000 Mann den Vorstoß unterstützen. Er sollte den Hügel Stanton nehmen und von dort den sich auf dem Rückzug befindlichen Franzosen in die Flanke fallen. Der Plan war nicht schlecht, aber es kam alles ganz anders!
Die dünne Linie französischer Tirailleure an der Fasanerie hätte den Ansturm von 50.000 Mann, die von den Pratzener Höhen herabkamen längere Zeit nicht aufhalten können und war auf rechtzeitige Unterstützung durch das III. Korps Marschall Davouts, das von Wien nach einem Gewaltmarsch kurz vor Sonnenaufgang eintraf angewiesen.
Die Schlacht begann im Morgengrauen, als Teile des Geländes noch durch dichten Nebel bedeckt waren. Im südlichen Teil des Schlachtfeldes rückte Kienmayers Kolonne von Augezd (Ujezd) auf Tellnitz (Telnice) vor. Gegen 7 Uhr begannen die Verbündeten ihren Marsch von den Pratzener Höhen, zuerst die I. Kolonne Dochturovs, hinter ihr die II. Langerons, gefolgt von der III. Przybyszewskis. Es entwickelte sich ein schwerer Kampf um die Fasanerie und das Schlößchen Sokolnice, die abwechselnd in der Hand der Verbündeten und der Franzosen waren. Es sah schon nach einem Sieg der Verbündeten aus, als gegen 10 Uhr die Division Friant des Korps Davout, die nach einem zweitägigen Eilmarsch eintraf und sofort in das Geschehen eingriff. Der Vormarsch der Verbündeten kam ins Stocken.
Nun konnte Napoleon den Befehl zum Hauptschlag seiner Armee geben. Unter dem Zuran, um die Orte Blasowitz (Blazovice) und Jirschickowitz (Jiríkovice) versammelten restlichen Divisionen der Korps von Marschall Soult, Saint-Hilaire und Vandamme begannen die Operation, die später den Namen "Löwensprung" bekam.
Als diese Divisionen aus dem Frühnebel in der Flanke der drei Kolonnen der Verbündeten, die sich gerade im Marsch von den Pratzener Höhen befanden, auftauchten, war die Überraschung vollkommen und für eine Änderung des Aufmarschplanes zu spät.
Als Napoleon mit seinen Marschällen noch auf dem Zuran stand, erschien am Horizont die rot-golden leuchtende Sonne, die zur Legende wurde -"le Soleil d´Austerlitz" in dessen warmen Strahlen sich Napoleon die nächsten zehn Jahre sonnen konnte.
Der französische Angriff auf die Pratzerner Höhen verlief jedoch nicht so reibungslos, wie es manche französischen Historiker schildern. Trotzt der Überraschung gelang es den Verbündeten eine wirkungsvolle Verteidigung zu organisieren. Die IV. Kolonne, die sich aus russischen und österreichischen Einheiten zusammensetzte und die gerade im Begriff war, den voran marschierenden 3 Kolonnen zu folgen, wurde von Gen. Kutuzov in die Richtung gedreht, aus der die Gefahr kam. Er befahl den Ort Pratzen zu besetzten und Verstärkung von der II. Kolonne Langerons herbeizuziehen. Als Gen. Langeron in seinem Rücken Schüsse hörte, kehrte er von Sokolnitz zurück, um sich ein Bild der derzeitigen Lage zu machen. Die Situation erfassend, rief er eine seiner Brigaden , die von Kamenskij, um die Höhe bei Sokolnitz zu verteidigen. Es entwickelte sich ein erbitteter Kampf mit großen Verlusten auf beiden Seiten. Zeitgenössische Quellen berichten, daß russische Soldaten sich mit leeren Händen auf ihre Feinde stürzten und versuchten sie zu entwaffnen. Das versetzte die Franzosen, die an gewisse Regeln im Kampf gewöhnt waren in solche Wut, daß sie kaum Gefangene machten. Die Pratzerne Höhen fielen erst gegen Mittag in französische Hand, Reste der IV. Kolonne und der Brigade Kamenski traten den Rückzug über die südlichen Hänge an.

Es war kurz nach Mittag, als sich der Kern der verbündeten Truppen am Goldbach, Telnitz und Sokolnitz in das Feuer von zwei Seiten befand. Vor ihnen stand das Korps Davout, in ihrem Rücken, von den eben eroberten Pratzerner Höhen traten zwei Divisionen des Korps Soult zum Angriff an, hinter ihnen rückte als Reserve das I. Korps Bernadottes vor. Die Schlacht schien zugunsten der Franzosen entschieden, als von Osten, von Austerlitz und Krenowitz die russische kaiserliche Garde anrückte. Wie die französische, war auch sie die Elite des russischen Heeres. In ihr dienten vornehmlich Söhne des russischen Hochadels. Sie bestand aus ca. 10.000 Mann unter Befehl von Großfürst Konstantin Pawlowitsch, dem Bruder des Zaren.
Als Marschall Soult diese Gefahr herannahen sah, schickte er ihr ein Infanteriebatallion, das er noch zur Verfügung hatte, entgegen. Die Gardekavallerie fegte diese Einheit vom Schlachtfeld. Napoleon kam gerade rechtzeitig, um den Mißerfolg seiner Infanteristen zu sehen. Er ließ seine Gardekavallerie unter Oberst Morland gegen die Russen vorgehen. Die erste Attacke mißlang, Morland fiel. Die zweite, geführt von General Rapp hatte mehr Erfolg. In den ersten Reihen ritten Eskadronen wilder Mamelucken , die Reihen der russischen Garde wurden zerschlagen und wandte sich in die Flucht, nachdem hunderte Adelssöhne am Schlachtfeld geblieben waren. Gefangen wurde auch einer ihrer hohen Offiziere, Fürst Repin - Volkonski. Das Treffen der Garden konnte den Ausgang der Schlacht nicht besonders beeinflussen. Da es jedoch um den Kampf zweier Eliteeinheiten ging, schrieb ihm Napoleon einen besonderen symbolischen Charakter zu und ließ es auf einem großen Bild von Francois Gérard verewigen.
Nach dem die russische Garde in die Flucht geschlagen war, gab es an den Pratzernen Höhen niemanden mehr, gegen den zu kämpfen war. Im Tal wogten jedoch Kämpfe zwischen den drei Kolonnen der Verbündeten, die verkeilt zwischen den Korps Davout und Soult verzweifelt versuchten, nach Süden durchzukommen. Aus der Hölle der Schlacht blieb ein einziger Weg, er führte über den Damm zwischen den Satschaner Teichen. Hierhin lenkte nun Napoleon seine Aufmerksamkeit.
Was hatte sich aber in der Zwischenzeit am nördlichen Rand des Schlachtfeldes, auf beiden Seiten der Straße nach Olmütz getan?
Am Beginn der Schlacht waren hier die Regimenter des V. franz. Korps unter Marschall Lannes angetreten. Sie standen links von dem IV. Korps von Soult und bestanden aus zwei Divisionen, der Suchets und Caffarellis. Gedeckt wurden sie vom Kavalleriekorps Marschall Joachim Murat, dem Schwager Napoleons. Ihre Aufgabe war, die Einheiten Gen. Bagrations und die Reiterei Fürst Liechtensteins in Schach zu halten, damit sie nicht in die Kämpfe um die Pratzerner Höhen eingreifen und den Erfolg der Aktion von Soult gefährden können.
Liechtensteins Reiterei bestand aus russischen und österreichischen Kavallerieregimentern, kam jedoch zum Ort des Geschehen zu spät. Bagration, der auch eine gemischte Einheit befehligte, hatte nördlich der Straße Aufstellung genommen. Sein Stab war in der Post in Pozoritz (Pozorice).
Marschall Lannes ließ seine zwei Divisionen auf beiden Seiten der Straße vorgehen. Die linke Flanke stützte sich auf den Berg Santon, der am vorangegangenen Tag befestigt wurde und von dem 17. leichten IR mit drei Batterien Kanonen besetzt war Napoleon hatte hier persönlich das Kommando Gen. Claparedo anvertraut, der ihm schwören mußte, daß er sich lieber umbringen ließe, als nur einen Schritt zu weichen. Diese Geschichte belegt, wie wichtig Napoleon diese Position war. Falls sie gefallen wäre, hätte er die Verbündeten im Rücken seiner Hauptstreitkraft.
Gegen 9 Uhr begann Bagration mit dem Vormarsch. Durch das späte Eintreffen Liechtensteins Reiterei kamen seine Einheiten bald in Bedrängniß. Vor ihm operierten zwei Brigaden leichter Reiterei Murats, hinter denen Suchets Division stand. Rechts von ihnen, hinter der Straße, standen drei Infanteriebrigaden Caffarellis und der Rest von Murats Kavallerie.
Als Bagration merkte, daß in der Mitte kein Durchkommen war, versuchte er den Berg von rechts zu umgehen. Seine Soldaten besetzten den Ort Tvarozna und versuchten in die Flanke Suchets zu kommen. In dem Artilleriegefecht, daß nun unter dem Santon wütete, mußten die Franzosen große Verluste hinnehmen, hier fiel auch Gen. Roger -Valhubert, der einzige französische General, der in der Schlacht sein Leben lasen mußte. 
Erst gegen 10 Uhr erschien die Kavallerie Liechtensteins und nahm in dem freien Raum südlich der Straße Aufstellung. 60 Eskadronen russischer und österreichischer Reiter traten an der Stelle, an der heute die Autobahn D1 verläuft, gegen Murats Reiterei an. Der Boden, frühmorgens noch gefroren, verwandelte sich in eine schmierige Masse, die die Bewegungen der Pferde sehr erschwerte. Die Franzosen kombinierten geschickt Vorstöße der Reiterei mit der Infanterie. Gegen 11 Uhr kam Unterstützung durch die 1. Division Rivaud des I. Korps Marschall Bernadottes. Die Verbündeten begannen sich über Holubice zurückzuziehen 
Bagration hatte seine Aufgabe - den Hügel Santon zu erobern - nicht erfüllt. Sein Rückzug wurde von zwei österreichischen Batterien unter dem Befehl von Major Frierenberg die auf einem kleinen Hügel bei Pozoritz standen, gedeckt. Dies ermöglichte Bagration einen geordneten Rückzug und Rettung zumindest eines Korps vor der vollkommenen Vernichtung.
Im Süden gipfelte inzwischen das Debakel der Verbündeten. Wie durch einen Flaschenhals versuchten die geschlagenen Regimenter über den Damm zwischen den Teichen der Vernichtung zu entgehen. Hierhin konzentrierte sich nun das Feuer der französischen Kanonen. Nachdem ein Munitionswagen getroffen wurde, war dieser Weg blockiert. Die Flüchtenden versuchten über den östlichen Rand des Teiches zu entkommen, fielen dort aber meist in Gefangenschaft. Die Teiche waren zugefroren, das Eis jedoch nicht dick genug. Trotzdem versuchten einige der flüchtenden diesen Weg. 
Napoleon ließ nach der Schlacht die Nachricht verbreiten, daß französische Kanonen durch gezieltes Feuer das Eis zerschlugen, als große russische Einheiten versucht hätten, den Teich zu überqueren, so das Tausende Soldaten dort ihren eisigen Tod fanden. Dies wurde auch später in vielen Berichten über die Schlacht weiter verbreitet. 
In der Ortschronik von Chrlice, auf dessen Gebiet sich die Teiche befanden, ist vermerkt, daß die Franzosen gleich nach der Schlacht die Teiche trocken legen ließen, um die dort versunkenen russischen Kanonen zu bergen. Dabei wurden zwei - nach anderen Quellen drei - Leichen russischer Soldaten geborgen, dafür aber viele tote Pferde. Auf keinen Fall ging es um Tausende Tote, wie von Napoleon behauptet.
Die letzte Phase der Schlacht leitete Napoleon von der Kapelle des Hl. Antonius bei Augezd (Újezd). Vor den beiden Teichen hatten sich nun beide Ströme der Franzosen vereinigt und drückten die Verbündeten zu den nördlichen Rändern der Teiche. Von den südlichen Flanken der Pratzener Höhen wurden sie dabei von ihrer Artillerie unterstützt. Wer von den flüchtenden Russen und Österreichern nicht getötet wurde, fiel in Gefangenschaft. Etwas besser war das Schicksal der IV. Kolonne der Verbündeten, die nach der Niederlage an den Höhen Richtung Austerlitz entkommen konnte. Richtung Hodonín flüchteten auch die Soldaten des linken Flügels, wo sich Gen. Kutuzov befand. Überall herrschte Chaos und Disziplinlosigkeit. Während die Dämmerung aufkam, rettete Gen. Dochturov die restlichen 8.000 Mann seiner Kolonne unter Verlust aller seiner Kanonen. Mit weniger Verlusten entkam das österreichische Korps Kienmayer, das später hinter den Teichen bei Satschan den Rückzug der russischen Regimenter deckte.
Um 4 Uhr Nachmittag war es schon dunkel und es begann zu regnen. Gen. Bagration benutzte die Dunkelheit um die Franzosen zu täuschen. Er verließ mit seinen Einheiten die Straße vor Rousínov, überschritt die Felder Richtung Austerlitz und vereinte sich dort mit den Flüchtenden. Seine Regimenter waren die einzig einsatzfähigen in der ganzen geschlagenen Armee und vermochten nun einen weiteren einigermaßen geordneten Rückzug zu decken.
Murat, dem dieses Manöver entgangen war, schickte seine Kavallerie auf der Straße in Richtung Olmütz, Bagration war inzwischen mit den Seinen auf dem Weg über Hodonín, dann über die March nach Ungarn unterwegs.

Die Verluste in dieser Schlacht waren enorm. Während des kurzen Wintertages verloren über 15.000 Mann ihr Leben. Genaue Zahlen sind nicht bekannt. Die offiziellen Berichte aus dieser Zeit versuchen meist die eigenen Verluste geringer anzugeben. Außerdem unterlagen hunderte in den nächsten Tagen ihren schweren Verwundungen. Eine Typhusepidemie verbreitete sich, die neben den Soldaten auch die Zivilbevölkerung traf.
Die größten Verluste hatten die Russen. Aus einer Meldung Gen. Kutuzovs an den Zaren erfahren wir, daß seine Armee 55 höhere - 437 niedere Offiziere, 954 Unteroffiziere, 432 Musikanten, 17.493 Soldaten und 515 nicht kämpfende Angehörige zu beklagen hatte, insgesamt 19.886 Mann (Gefallene, Verwundete und Vermißte). Angaben über Verluste der Garde fehlen.
Die Österreicher verloren insgesamt 5.922 Mann.
Der französische Generalstab gab die eigenen Verluste mit 8.694 Mann an, davon 1.389 Tote und 7.260 Verwundete. Diese Zahlen werden jedoch bezweifelt.

Die Schlacht bei Austerlitz beendete sofort sämtliche Kriegsoperationen nicht nur auf dem Gebiet Mährens, aber auch in Innerösterreich, Italien und Deutschland. 

Napoleon verbrachte die Tage nach der Schlacht im Schloß von Austerlitz, wo er sein Hauptquartier aufschlug. Von da schickte er die erste Nachricht über den glorreichen Sieg nach Paris.
Am 4.Dezember trafen sich Napoleon und Kaiser Franz I. in der Mühle bei Následovice, die an dem Weg von Austerlitz nach Hodonín lag und vereinbarten die Grundrisse eines Friedens. Zugegen waren von der österreichischen Seite nur noch Fürst Liechtenstein, von der französischen Marschall Berthier. Diese beiden unterzeichneten dann auch zwei Tage später im großen Saal des Schlosses in Austerlitz einen Waffenstillstand. Die Russen mußten binnen 15 Tage die österreichischen Länder verlassen, vor Allem Mähren und Ungarn, Galizien spätestens in einem Monat. Der Friedensvertrag sollte später an anderer Stelle ausgehandelt und unterschrieben werden. (fand am 26.12.1805 im Primatialpalast zu Preßburg statt).

Für die Monarchie waren die Friedensbedingungen äußerst hart. Sie mußte an Frankreich Venedig, Istrien und Dalmatien abtreten, die Verbündeten Frankreichs, Bayern und Württemberg wurden Königreiche, Baden Großherzogtum. Diese Staaten erhielten von Österreich kleinere Gebiete in Schwaben, ganz Tirol und Vorarlberg. Die Monarchie verlor dadurch ca. 63.000 Quadratkilometer mit drei Millionen Einwohnern. Außerdem mußten an Frankreich 140 Millionen Franken Reparationen bezahlt werden.
Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation hatte de facto aufgehört zu existieren und an seiner Stelle entstand bald der von Frankreich abhängige Rheinbund.
 

Harald Skala


Quellen:
- Ivan Sedivý & Kons. "Napoleonské války a Ceské zeme", Praha, 2001
- Taktik Zentrum des Heeres. "Militärgeschichtliche Beiträge", Dresden, 2001

 

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