Die Schlacht bei Austerlitz (Slavkov) am 02. Dezember
1805
Die "Dreikaiserschlacht"

Engagierte Einheiten:
Franzosen
Oberbefehl - Napoleon Bonaparte
Stabschef: - Marschall Louis-Alexandre Berthier
I. Korps - Marschall Bernadotte, 1. Div. Rivaud, 2. Div. Drouet
d'Erlon 12.300 Mann, 24 Kanonen
III. Korps - Marschall Davout, 1 Infant. Div. Friant, Dragoner
Div. Bourcier, 6.300 Mann, 12 Kanonen
IV. Korps - Marschall Soult, Divisionen Saint-Hilaire, Vandamme,
Legrand, leichte Reiterdivision Margaron, 24.000 Mann, 35 Kanonen
V. Korps - Marschall Lannes, Divisionen Caffarelli, Suchet,
13.000 Mann und 40 Kanonen
Kavallerie Reserve - Marschall Murat, schwere Reiterei: Div.
Nansouty, d´Hautpoul, Dragoner Div. Walther, leichte Kavalleriedivision
Kellermann, 7 - 9.000 Mann, 9 Kanonen
Reserve: Kaiserliche Garde, Marschall Bessières, ca.
5.000 Mann, 23 Kanonen
Grenadier Divisionen General Oudinot und Duroc, Dragoner Div. Beaumont,
ca. 5.500 Mann, 10 Kanonen
Französische Soldaten
Verbündete
Oberbefehlshaber - G d.I. Michail Illarionovic Goleniscev-Kutuzov
Stabschef: GM Franz v. Weyrother
Befehlshaber der drei - rein russischen- Kolonnen war G.d.I. Buxhövden
Vorhut der 1. Kolonne FML Kienmayer, ca 6.800 Mann, 12 Kanonen,
(5 österr. Infanteriebatallione, 23 Eskadronen, 10 Sotnien Kosacken)
1. Kolonne (russische) GL Dochturov, ca. 14.200 Mann, 60 Kanonen
(22 russ. Infanteriebatallione, 2 Sotnien Kosacken)
2. Kolonne (russische) GL Langeron, ca. 12.000 Mann, 30 Kanonen
(17 russ. Infanteriebatallione, 2 Eskadronen russ. Dragoner, 2 Sotnien
Kosacken
3. Kolonne (russische) GL Przybyszewski, ca. 9.500 Mann, 30
Kanonen (18 russ. Infanteriebatallione)
4. Kolonne (gemischte) FML Kolovrat und GL Miloradovic, ca. 16.000
Mann, 75 Kanonen (15 österr. und 12 russ. Infanteriebatallione, 2
Eskadronen österr. Dragoner)
5.Kavalleriekolonne (gemischt) FML Liechtenstein und GL Uvarov,
ca. 7.000 Reiter und 24 Kanonen (17 österr. Eskadronen schwerer Reiter,
30 Eskadronen russ. Dragoner und leichter Reiter, 12 Sotnien Kosacken)
Avantgarde: GL Bagration, 14.000 Mann, 42 Kanonen (15 russ.
Infanteriebatallione, 33 Eskadronen, 15 Sotnien Kosacken)
Reserve: russ. kaiserliche Garde, Großfürst Konstantin
Pavlovic, ca. 10.000 Mann, 40 Kanonen (10 Batallione Gardeinfanterie und
17 Eskadr. Gardereiter)
Insgesamt hatten die Franzosen 75.000 Mann in der Schlacht, die Verbündeten
ca. 90.000 Mann, davon ca. 16.000 Österreicher. Der russische Zar
Alexander und der österreichische Kaiser Franz I. beobachteten die
Schlacht. Der dritte Kaiser war Napoleon - deshalb "Dreikaiserschlacht".
Franzosen:
L - Legrand
Mu - Murat
M - Margaron
G - Garde
S - Suchet
B -Bernadotte
O - Oudinot
St. H. - St. Hilaire
V - Vandamme
C - Caffarelli
|
Verbündete:
K - Kienmayer
Do - Doktoroff
La - Langeron
Pr - Prizibyszewski
Ga - Garde
Ko - Kollowrat
Li - Lichtenstein
Ba - Bagration
|
Bemerkung: da auf den heutigen Landkarten die Ortsnamen aus der Zeit
Napoleons nicht zu finden sind, erwähne ich im Weiteren jeweils in
Klammern den heutigen - tschechischen Namen.
Die Schlacht bei Austerlitz
Nach der Zerschlagung der Armee Erzherzog Ferdinands bei Ulm am 20.10.1805
rückte Napoleon mit seiner Armee links der Donau nach Mähren
und sammelte das Groß seiner Armee im Raum Brünn (Brno) General
Kutuzov mit den verbündeten Österreichern stand in der Nähe
von Olmütz (Olomouc). Napoleon hielt Kontakt mit dem Feind und täuschte
einen Rückzug vor, um Kutuzov in die Nähe der bevorzugten Position
zu locken, was auch gelang. Die alliierte Armee zog Richtung Brünn
Beide Armeen bezogen ihre Positionen am Sonntag, den 1. Dezember zwischen
Brünn (Brno) und Austerlitz (Slavkov), Die Gegend in der am nächsten
Tag die Schlacht stattfinden sollte ist hügelig und erstreckt sich
auf einer Fläche von ca. 10 x 12 Km. Im Norden durch die kaiserliche
Straße nach Olmütz (Olomouc) hinter der die Drahan-Hügel
beginnen begrenzt, im Süden in die Südmährische Ebene geöffnet.
Nicht ganze 4 Km von der Straße entfernt erheben sich die Pratzener
Höhen (Pratecké návrsí) bis 325 m.ü.n. Der
östliche Höhepunkt des Höhenrücken - der Alte Weinberg
(Staré vinohrady) erreicht 298 m. Dort befand sich am Anfang der
Schlacht der Stab der Verbündeten und die beiden Kaiser. Die südlichen
Flanken des Höhenrückens fallen steil zum Flüßchen
Litava ab, das dort die Grenzlinie des Schlachtfeldes bildete.
Das Schlachtfeld bildete also ein unregelmäßiges Dreieck,
dessen nördliche Waagrechte die Straße bildete, die östliche
der Fluß Litava und sein Zufluß Rakovec.
Die westliche Begrenzung des Dreiecks bildet der Goldbach (Zlatý
potok) der südlich des Ortes Tellnitz (Telnice) in die Litava mündet.
Kurz vor der Mündung sind zwei Teiche, der Satschan Teich (Zatcanský
rybník) spielte am Ende der Schlacht eine Rolle. Im Norden der Straße
nach Olmütz erhebt sich der Hügel Santon, den Napoleon vor der
Schlacht durch das 17. IR und 18 Kanonen befestigen ließ. Ungefähr
2 km von da, südlich der Straße ist der kleine Hügel Zuran,
von dem Napoleon den Anfang der Schlacht einleitete. Innerhalb des erwähnten
Dreiecks standen ungefähr 12 Dörfer.
Napoleon ließ die Pratzerne Höhe räumen und bot diese
so günstig erscheinende Position den Verbündeten. Seine Einheiten
verschanzten sich am Goldbach, wohin Napoleon die Verbündeten am nächsten
Morgen locken wollte. Die dort stationierte Infanteriedivision Legrand
und die Kavalleriediv. Margaron nutzten die lange Mauer der Fasanerie,
die zum Schloß Sokolnice gehörte als Deckung. Den größten
Teil der Truppen verlegte Napoleon während der Nacht nördlich
zu der Straße nach Olmütz. Von da sollten sie den Verbündeten
in die Flanke und Rücken fallen, nachdem diese den Marsch von den
Pratzerner Höhen angefangen hätten.
Napoleon
verbrachte die Nacht in einer Hütte unterhalb des Zuran-Hügel.
Unter dem Hügel stand die kaiserliche Garde, bei Schlapanitz (Slapanice)
in Reserve das
1.Korps Marschall Bernadottes, das gerade von Iglau (Jihlava) eingetroffen
war.
Die Verbündeten registrierten zwar Bewegungen im französischen
Lager, legten sie aber als Rückzug einzelner Verbände aus. Freudenfeuer
der Franzosen, die den Krönungstag Napoleons feierten, wurden vom
Stab der Verbündeten als Abbrennen des Lagers vor dem Rückzug
ausgelegt.
In einem Bauernhof in Krenowitz (Krenovice) trafen sich nachts die
Generäle der Verbündeten, denen Gen. Weyrother den Schlachtplan
vorlegte. Demnach sollten die verbündeten Truppen frühmorgens
die Pratzerner Höhen herabsteigen, den Goldbach überqueren und
die Franzosen nach Norden verdrängen um ihnen so die Verbindungslinie
Brünn - Wien abzuschneiden. Aus dem Bereich der Olmützer Straße
sollte die Kavallerie unter Liechtenstein und Uvarov sowie der noch etwas
weiter stationiert Bagration mit seinen 14.000 Mann den Vorstoß unterstützen.
Er sollte den Hügel Stanton nehmen und von dort den sich auf dem Rückzug
befindlichen Franzosen in die Flanke fallen. Der Plan war nicht schlecht,
aber es kam alles ganz anders!
Die dünne Linie französischer Tirailleure an der Fasanerie
hätte den Ansturm von 50.000 Mann, die von den Pratzener Höhen
herabkamen längere Zeit nicht aufhalten können und war auf rechtzeitige
Unterstützung durch das III. Korps Marschall Davouts, das von Wien
nach einem Gewaltmarsch kurz vor Sonnenaufgang eintraf angewiesen.
Die Schlacht begann im Morgengrauen, als Teile des Geländes noch
durch dichten Nebel bedeckt waren. Im südlichen Teil des Schlachtfeldes
rückte Kienmayers Kolonne von Augezd (Ujezd) auf Tellnitz (Telnice)
vor. Gegen 7 Uhr begannen die Verbündeten ihren Marsch von den Pratzener
Höhen, zuerst die I. Kolonne Dochturovs, hinter ihr die II. Langerons,
gefolgt von der III. Przybyszewskis. Es entwickelte sich ein schwerer Kampf
um die Fasanerie und das Schlößchen Sokolnice, die abwechselnd
in der Hand der Verbündeten und der Franzosen waren. Es sah schon
nach einem Sieg der Verbündeten aus, als gegen 10 Uhr die Division
Friant des Korps Davout, die nach einem zweitägigen Eilmarsch eintraf
und sofort in das Geschehen eingriff. Der Vormarsch der Verbündeten
kam ins Stocken.
Nun konnte Napoleon den Befehl zum Hauptschlag seiner Armee geben.
Unter dem Zuran, um die Orte Blasowitz (Blazovice) und Jirschickowitz (Jiríkovice)
versammelten restlichen Divisionen der Korps von Marschall Soult, Saint-Hilaire
und Vandamme begannen die Operation, die später den Namen "Löwensprung"
bekam.
Als diese Divisionen aus dem Frühnebel in der Flanke der drei
Kolonnen der Verbündeten, die sich gerade im Marsch von den Pratzener
Höhen befanden, auftauchten, war die Überraschung vollkommen
und für eine Änderung des Aufmarschplanes zu spät.
Als Napoleon mit seinen Marschällen noch auf dem Zuran stand,
erschien am Horizont die rot-golden leuchtende Sonne, die zur Legende wurde
-"le Soleil d´Austerlitz" in dessen warmen Strahlen sich Napoleon
die nächsten zehn Jahre sonnen konnte.
Der französische Angriff auf die Pratzerner Höhen verlief
jedoch nicht so reibungslos, wie es manche französischen Historiker
schildern. Trotzt der Überraschung gelang es den Verbündeten
eine wirkungsvolle Verteidigung zu organisieren. Die IV. Kolonne, die sich
aus russischen und österreichischen Einheiten zusammensetzte und die
gerade im Begriff war, den voran marschierenden 3 Kolonnen zu folgen, wurde
von Gen. Kutuzov in die Richtung gedreht, aus der die Gefahr kam. Er befahl
den Ort Pratzen zu besetzten und Verstärkung von der II. Kolonne Langerons
herbeizuziehen. Als Gen. Langeron in seinem Rücken Schüsse hörte,
kehrte er von Sokolnitz zurück, um sich ein Bild der derzeitigen Lage
zu machen. Die Situation erfassend, rief er eine seiner Brigaden , die
von Kamenskij, um die Höhe bei Sokolnitz zu verteidigen. Es entwickelte
sich ein erbitteter Kampf mit großen Verlusten auf beiden Seiten.
Zeitgenössische Quellen berichten, daß russische Soldaten sich
mit leeren Händen auf ihre Feinde stürzten und versuchten sie
zu entwaffnen. Das versetzte die Franzosen, die an gewisse Regeln im Kampf
gewöhnt waren in solche Wut, daß sie kaum Gefangene machten.
Die Pratzerne Höhen fielen erst gegen Mittag in französische
Hand, Reste der IV. Kolonne und der Brigade Kamenski traten den Rückzug
über die südlichen Hänge an.
Es war kurz nach Mittag, als sich der Kern der verbündeten Truppen
am Goldbach, Telnitz und Sokolnitz in das Feuer von zwei Seiten befand.
Vor ihnen stand das Korps Davout, in ihrem Rücken, von den eben eroberten
Pratzerner Höhen traten zwei Divisionen des Korps Soult zum Angriff
an, hinter ihnen rückte als Reserve das I. Korps Bernadottes vor.
Die Schlacht schien zugunsten der Franzosen entschieden, als von Osten,
von Austerlitz und Krenowitz die russische kaiserliche Garde anrückte.
Wie die französische, war auch sie die Elite des russischen Heeres.
In ihr dienten vornehmlich Söhne des russischen Hochadels. Sie bestand
aus ca. 10.000 Mann unter Befehl von Großfürst Konstantin Pawlowitsch,
dem Bruder des Zaren.
Als Marschall Soult diese Gefahr herannahen sah, schickte er ihr ein
Infanteriebatallion, das er noch zur Verfügung hatte, entgegen. Die
Gardekavallerie fegte diese Einheit vom Schlachtfeld. Napoleon kam gerade
rechtzeitig, um den Mißerfolg seiner Infanteristen zu sehen. Er ließ
seine Gardekavallerie unter Oberst Morland gegen die Russen vorgehen. Die
erste Attacke mißlang, Morland fiel. Die zweite, geführt von
General Rapp hatte mehr Erfolg. In den ersten Reihen ritten Eskadronen
wilder Mamelucken , die Reihen der russischen Garde wurden zerschlagen
und wandte sich in die Flucht, nachdem hunderte Adelssöhne am Schlachtfeld
geblieben waren. Gefangen wurde auch einer ihrer hohen Offiziere, Fürst
Repin - Volkonski. Das Treffen der Garden konnte den Ausgang der Schlacht
nicht besonders beeinflussen. Da es jedoch um den Kampf zweier Eliteeinheiten
ging, schrieb ihm Napoleon einen besonderen symbolischen Charakter zu und
ließ es auf einem großen Bild von Francois Gérard verewigen.
Nach dem die russische Garde in die Flucht geschlagen war, gab es an
den Pratzernen Höhen niemanden mehr, gegen den zu kämpfen war.
Im Tal wogten jedoch Kämpfe zwischen den drei Kolonnen der Verbündeten,
die verkeilt zwischen den Korps Davout und Soult verzweifelt versuchten,
nach Süden durchzukommen. Aus der Hölle der Schlacht blieb ein
einziger Weg, er führte über den Damm zwischen den Satschaner
Teichen. Hierhin lenkte nun Napoleon seine Aufmerksamkeit.
Was hatte sich aber in der Zwischenzeit am nördlichen Rand des
Schlachtfeldes, auf beiden Seiten der Straße nach Olmütz getan?
Am Beginn der Schlacht waren hier die Regimenter des V. franz. Korps
unter Marschall Lannes angetreten. Sie standen links von dem IV. Korps
von Soult und bestanden aus zwei Divisionen, der Suchets und Caffarellis.
Gedeckt wurden sie vom Kavalleriekorps Marschall Joachim Murat, dem Schwager
Napoleons. Ihre Aufgabe war, die Einheiten Gen. Bagrations und die Reiterei
Fürst Liechtensteins in Schach zu halten, damit sie nicht in die Kämpfe
um die Pratzerner Höhen eingreifen und den Erfolg der Aktion von Soult
gefährden können.
Liechtensteins Reiterei bestand aus russischen und österreichischen
Kavallerieregimentern, kam jedoch zum Ort des Geschehen zu spät. Bagration,
der auch eine gemischte Einheit befehligte, hatte nördlich der Straße
Aufstellung genommen. Sein Stab war in der Post in Pozoritz (Pozorice).
Marschall Lannes ließ seine zwei Divisionen auf beiden Seiten der
Straße vorgehen. Die linke Flanke stützte sich auf den Berg
Santon, der am vorangegangenen Tag befestigt wurde und von dem 17. leichten
IR mit drei Batterien Kanonen besetzt war Napoleon hatte hier persönlich
das Kommando Gen. Claparedo anvertraut, der ihm schwören mußte,
daß er sich lieber umbringen ließe, als nur einen Schritt zu
weichen. Diese Geschichte belegt, wie wichtig Napoleon diese Position war.
Falls sie gefallen wäre, hätte er die Verbündeten im Rücken
seiner Hauptstreitkraft.
Gegen 9 Uhr begann Bagration mit dem Vormarsch. Durch das späte
Eintreffen Liechtensteins Reiterei kamen seine Einheiten bald in Bedrängniß.
Vor ihm operierten zwei Brigaden leichter Reiterei Murats, hinter denen
Suchets Division stand. Rechts von ihnen, hinter der Straße, standen
drei Infanteriebrigaden Caffarellis und der Rest von Murats Kavallerie.
Als Bagration merkte, daß in der Mitte kein Durchkommen war,
versuchte er den Berg von rechts zu umgehen. Seine Soldaten besetzten den
Ort Tvarozna und versuchten in die Flanke Suchets zu kommen. In dem Artilleriegefecht,
daß nun unter dem Santon wütete, mußten die Franzosen
große Verluste hinnehmen, hier fiel auch Gen. Roger -Valhubert, der
einzige französische General, der in der Schlacht sein Leben lasen
mußte.
Erst gegen 10 Uhr erschien die Kavallerie Liechtensteins und nahm in
dem freien Raum südlich der Straße Aufstellung. 60 Eskadronen
russischer und österreichischer Reiter traten an der Stelle, an der
heute die Autobahn D1 verläuft, gegen Murats Reiterei an. Der Boden,
frühmorgens noch gefroren, verwandelte sich in eine schmierige Masse,
die die Bewegungen der Pferde sehr erschwerte. Die Franzosen kombinierten
geschickt Vorstöße der Reiterei mit der Infanterie. Gegen 11
Uhr kam Unterstützung durch die 1. Division Rivaud des I. Korps Marschall
Bernadottes. Die Verbündeten begannen sich über Holubice zurückzuziehen
Bagration hatte seine Aufgabe - den Hügel Santon zu erobern - nicht
erfüllt. Sein Rückzug wurde von zwei österreichischen Batterien
unter dem Befehl von Major Frierenberg die auf einem kleinen Hügel
bei Pozoritz standen, gedeckt. Dies ermöglichte Bagration einen geordneten
Rückzug und Rettung zumindest eines Korps vor der vollkommenen Vernichtung.
Im Süden gipfelte inzwischen das Debakel der Verbündeten.
Wie durch einen Flaschenhals versuchten die geschlagenen Regimenter über
den Damm zwischen den Teichen der Vernichtung zu entgehen. Hierhin konzentrierte
sich nun das Feuer der französischen Kanonen. Nachdem ein Munitionswagen
getroffen wurde, war dieser Weg blockiert. Die Flüchtenden versuchten
über den östlichen Rand des Teiches zu entkommen, fielen dort
aber meist in Gefangenschaft. Die Teiche waren zugefroren, das Eis jedoch
nicht dick genug. Trotzdem versuchten einige der flüchtenden diesen
Weg.
Napoleon ließ nach der Schlacht die Nachricht verbreiten, daß
französische Kanonen durch gezieltes Feuer das Eis zerschlugen, als
große russische Einheiten versucht hätten, den Teich zu überqueren,
so das Tausende Soldaten dort ihren eisigen Tod fanden. Dies wurde auch
später in vielen Berichten über die Schlacht weiter verbreitet.
In der Ortschronik von Chrlice, auf dessen Gebiet sich die Teiche befanden,
ist vermerkt, daß die Franzosen gleich nach der Schlacht die Teiche
trocken legen ließen, um die dort versunkenen russischen Kanonen
zu bergen. Dabei wurden zwei - nach anderen Quellen drei - Leichen russischer
Soldaten geborgen, dafür aber viele tote Pferde. Auf keinen Fall ging
es um Tausende Tote, wie von Napoleon behauptet.
Die letzte Phase der Schlacht leitete Napoleon von der Kapelle des
Hl. Antonius bei Augezd (Újezd). Vor den beiden Teichen hatten sich
nun beide Ströme der Franzosen vereinigt und drückten die Verbündeten
zu den nördlichen Rändern der Teiche. Von den südlichen
Flanken der Pratzener Höhen wurden sie dabei von ihrer Artillerie
unterstützt. Wer von den flüchtenden Russen und Österreichern
nicht getötet wurde, fiel in Gefangenschaft. Etwas besser war das
Schicksal der IV. Kolonne der Verbündeten, die nach der Niederlage
an den Höhen Richtung Austerlitz entkommen konnte. Richtung Hodonín
flüchteten auch die Soldaten des linken Flügels, wo sich Gen.
Kutuzov befand. Überall herrschte Chaos und Disziplinlosigkeit. Während
die Dämmerung aufkam, rettete Gen. Dochturov die restlichen 8.000
Mann seiner Kolonne unter Verlust aller seiner Kanonen. Mit weniger Verlusten
entkam das österreichische Korps Kienmayer, das später hinter
den Teichen bei Satschan den Rückzug der russischen Regimenter deckte.
Um 4 Uhr Nachmittag war es schon dunkel und es begann zu regnen. Gen.
Bagration benutzte die Dunkelheit um die Franzosen zu täuschen. Er
verließ mit seinen Einheiten die Straße vor Rousínov,
überschritt die Felder Richtung Austerlitz und vereinte sich dort
mit den Flüchtenden. Seine Regimenter waren die einzig einsatzfähigen
in der ganzen geschlagenen Armee und vermochten nun einen weiteren einigermaßen
geordneten Rückzug zu decken.
Murat, dem dieses Manöver entgangen war, schickte seine Kavallerie
auf der Straße in Richtung Olmütz, Bagration war inzwischen
mit den Seinen auf dem Weg über Hodonín, dann über die
March nach Ungarn unterwegs.
Die Verluste in dieser Schlacht waren enorm. Während des kurzen
Wintertages verloren über 15.000 Mann ihr Leben. Genaue Zahlen sind
nicht bekannt. Die offiziellen Berichte aus dieser Zeit versuchen meist
die eigenen Verluste geringer anzugeben. Außerdem unterlagen hunderte
in den nächsten Tagen ihren schweren Verwundungen. Eine Typhusepidemie
verbreitete sich, die neben den Soldaten auch die Zivilbevölkerung
traf.
Die größten Verluste hatten die Russen. Aus einer Meldung
Gen. Kutuzovs an den Zaren erfahren wir, daß seine Armee 55 höhere
- 437 niedere Offiziere, 954 Unteroffiziere, 432 Musikanten, 17.493 Soldaten
und 515 nicht kämpfende Angehörige zu beklagen hatte, insgesamt
19.886 Mann (Gefallene, Verwundete und Vermißte). Angaben über
Verluste der Garde fehlen.
Die Österreicher verloren insgesamt 5.922 Mann.
Der französische Generalstab gab die eigenen Verluste mit 8.694
Mann an, davon 1.389 Tote und 7.260 Verwundete. Diese Zahlen werden jedoch
bezweifelt.
Die Schlacht bei Austerlitz beendete sofort sämtliche Kriegsoperationen
nicht nur auf dem Gebiet Mährens, aber auch in Innerösterreich,
Italien und Deutschland.

Napoleon verbrachte die Tage nach der Schlacht im Schloß von Austerlitz,
wo er sein Hauptquartier aufschlug. Von da schickte er die erste Nachricht
über den glorreichen Sieg nach Paris.
Am 4.Dezember trafen sich Napoleon und Kaiser Franz I. in der Mühle
bei Následovice, die an dem Weg von Austerlitz nach Hodonín
lag und vereinbarten die Grundrisse eines Friedens. Zugegen waren von der
österreichischen Seite nur noch Fürst Liechtenstein, von der
französischen Marschall Berthier. Diese beiden unterzeichneten dann
auch zwei Tage später im großen Saal des Schlosses in Austerlitz
einen Waffenstillstand. Die Russen mußten binnen 15 Tage die österreichischen
Länder verlassen, vor Allem Mähren und Ungarn, Galizien spätestens
in einem Monat. Der Friedensvertrag sollte später an anderer Stelle
ausgehandelt und unterschrieben werden. (fand am 26.12.1805 im Primatialpalast
zu Preßburg statt).
Für die Monarchie waren die Friedensbedingungen äußerst
hart. Sie mußte an Frankreich Venedig, Istrien und Dalmatien abtreten,
die Verbündeten Frankreichs, Bayern und Württemberg wurden Königreiche,
Baden Großherzogtum. Diese Staaten erhielten von Österreich
kleinere Gebiete in Schwaben, ganz Tirol und Vorarlberg. Die Monarchie
verlor dadurch ca. 63.000 Quadratkilometer mit drei Millionen Einwohnern.
Außerdem mußten an Frankreich 140 Millionen Franken Reparationen
bezahlt werden.
Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation hatte de facto aufgehört
zu existieren und an seiner Stelle entstand bald der von Frankreich abhängige
Rheinbund.
Harald Skala
Quellen:
- Ivan Sedivý & Kons. "Napoleonské
války a Ceské zeme", Praha, 2001
- Taktik Zentrum des Heeres. "Militärgeschichtliche
Beiträge", Dresden, 2001
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