Die Schlacht bei Hanau 30. - 31. 10. 1813

 

Einführung:

Bayern war als einer der Staaten des Rheinbundes auf der Seite Napoleons. Das bayrische Heer kämpfte an der Seite der Franzosen auch im Russlandfeldzug und büßte den größten Teil seiner Soldaten ein, so das Anfang 1813 kaum mehr als 12.000 Mann zur Verfügung standen. Bereits im Februar 1813 begann man deshalb mit der Aufstellung von mobilen Legionen, die ursprünglich nur innerhalb des Landes zur Verteidigung eingesetzt werden sollten.
Am 18.9.1813 wurde zwischen Österreich und Bayern ein Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet und am 7.10. erhielt Graf Karl Philipp von Wrede vom König die Vollmacht zur Unterzeichnung des Vertrages von Ried mit dem Bayern aus dem Rheinbund ausschied und an die Seite der Verbündeten trat. In diesem Vertrag wurde auch die Aufstellung eines gemeinsamen Korps beschlossen, das aus ca. 24.000 bayrischen und ungefähr ebensoviel österreichischen Soldaten bestehen sollte. Die bayrischen Truppen bestanden überwiegend aus jungen, im Kampf noch unerfahrenen Rekruten. Das Oberkommando wurde Graf Von Wrede, G.d.C. anvertraut.

Ausgangslage:

Nach der Schlacht bei Leipzig am 16. - 18. 10. 1813 versuchte die geschlagene französische Armee sich nach Frankreich zurückzuziehen. Die Verbündeten, deren Armeen in mehrere Kolonnen aufgeteilt waren, verfolgten die Franzosen. Da sich bei den Armeen deren Staatsoberhäupter befanden, gab es keine einheitliche Führung.

Die österreichischen Streitkräfte wurden von Fürst Schwarzenberg befehligt, dem nun auch Graf Wrede mit seinem Korps unterstand.
Nach Schwarzenbergs Instruktionen sollte sich Wredes Korps in Eilmärschen aus der Umgebung von Braunau in Richtung Bamberg begeben und die von den Franzosen gehaltene Stadt Würzburg nehmen. Am 10. 10 trat  die 1. Division den Marsch an die Isar an, das österreichische Kontingent überquerte am 14. 10 den Inn.
Am 24. 10 begann die Belagerung von Würzburg, in dem ca. 3.000 Mann Besatzung, (die meisten nicht- Franzosen) unter GL Turreau de Linière standen. Dieser kapitulierte am 26. 10. Nur in der Festung Marienberg blieb noch bis Mai 1814 eine franz. Besatzung.
Nach der Kapitulation versammelte Wrede seine Truppen im Raum Aschaffenburg von wo er Richtung Frankfurt weiterzog.
Napoleons Armee befand sich auf dem Rückzug über Erfurt, Vacha, Hünfeld und Fulda, gefolgt von den Armeen der Verbündeten. Die Franzosen marschierten im Durchschnitt 33,3 Km pro Tag, die Verbündeten nur 31,3. Km, so das der Abstand von Tag zu Tag größer wurde. Am 27. 10. erreichte Napoleon persönlich Fulda. Über seine weiteren Bewegungen waren sich die Verbündeten im Unklaren. Man glaubte, dass der noch kampffähige Teil der Großen Armee mit Napoleon über Kassel nach Wetzlar ziehen würde und nur die bunt gemischten Haufen der Flüchtlinge die Heeresstraße über Gelnhausen - Hanau - Frankfurt nehmen würde. Die Nachricht, die Wrede am 28. 10 von Fürst Schwarzenberg erhielt, war in diesem Sinne. Die meisten Informationen, die Wrede von seinen Kundschaftern bekam, bestätigten diese Annahme. Nur Oberst Scheibler, der mit 2 Eskadronen Szekeler Husaren auf Streife war und die Kolonnen der Franzosen auf der Heeresstraße gesehen hatte, sowie der russische General Tschernischew, der sich mit seinen Kosaken nördlich der zurückflutenden Franzosen befand, meldeten Wrede, das Napoleon mit seiner Garde über Gelnhausen unterwegs ist. Wrede schenkte diesen beiden Nachrichten kein Gehör. Aufgrund dieser- leider falschen -  Informationen änderte auch Blücher mit seiner Armee bei Rotenkirchen - Hünfeld die Marschrichtung und bewegte sich Richtung Wetzlar. So konnte er auch im entscheidenden Augenblick das Korps Wrede nicht unterstützen.
In der Annahme, er habe es nur mit einem Teil der demoralisierten franz. Armee zu tun, entschied sich Wrede nun den Versuch zu unternehmen, diese Reste bei Hanau zu stellen und zu vernichten.
Am 29. 10. kam es bei Gelnhausen und Langenselbold zu ersten Gefechten zwischen den Franzosen und Wredes Kavallerieeinheiten. Gegen 18 Uhr räumte der österreichische General Volkmann mit seinen Jägern und Ulanen Langenselbold und rückte in ein Biwack vor Hanau. Napoleon selbst traf in dieser Nacht in Langenselbold ein, verbrachte die Nacht im dortigen Schloß und ließ sich dort den fürstlich - Isenburgischen Landdragoner Johann Ruth als ortskundigen Führer mitgeben. (ihm verdanken wir Augenzeugenberichte aus der direkten Umgebung Napoleons aus diesen Tagen).
Bereits einige Tage nach der Schlacht von Leipzig begannen durch Hanau, das damals zu dem von Napoleon gegründeten Großherzogtum Frankfurt gehörte und eine französische Garnison hatte, demoralisierte Einheiten der geschlagenen Armee zu strömen; Verwundete, Ausreißer, Marodeure die man damals "Fricoteurs" nannte. 
Am 25. 10 kam Marschall Murat, nur von seinem Adjutanten begleitet, durch die Stadt, am nächsten Tag der verwundete Marschall Ney mit seiner Begleitung. Am 27. 10. trafen in Hanau Nachrichten über den Anmarsch des Korps Wrede ein. Die französische Besatzung, bestehend aus einem Husarenregiment und einer Abt. Artillerie verließ darauf Hanau in Richtung Frankfurt, die Letzten am 29. 10 morgens um 7. Uhr. Kurz danach ritt die Vorhut des 1. bayrischen Chevauxlegers Regiments durch das Nürnberger Tor in die Stadt, von der Bevölkerung freudig begrüßt.
Die Chevauxlegers säuberten die Stadt von Resten umherziehender Franzosen und besetzten die Kinzig - und Lamboybrücke. Beinahe gleichzeitig tauchte bei den Brücken eine Kolonne Franzosen auf und es kam zum Gefecht, bei dem der Neffe des bayr. Königs Prinz Ludwig v. Waldeck schwer verwundet wurde. Er erlag später seinen Verletzungen. 
Gegen die Übermacht der franz. Infanterie konnten sich die bayrischen Reiter nicht lange halten und zogen sich aus der Stadt zurück. Gegen 13 Uhr kam Verstärkung die sofort zum Vorrücken in die Stadt eingesetzt wurde. Immer noch fehlte Infanterie und so konnte auch dieses mal Gen. Grouvelle, der 4 - 5.000 Infanterie zur Verfügung hatte, die Bayern zurückdrängen. Diese gingen also wieder durch die Stadt zu ihrem früheren Standort am Obelisken (heute "Ehrensäule" in Hanau) der in der Dämmerung erreicht wurde, zurück. Die französisch Kolonne zog Richtung Frankfurt weiter, ohne Hanau zu besetzten.
Am gleichen Abend oder in der Nacht auf den 30. 11. wurde von Wredes Generalstab im Haus des Frhr. Waitz von Eschen (heute Mühlstraße 1 in Hanau) die "Ordre de Bataille" ausgearbeitet. Daraus ging hervor, dass sich die Truppen mit dem rechten Flügel an der Lamboybrücke an die Kinzig, mit dem linken Flügel an den Fallbach anlehnten. Die Frontausdehnung betrug ca. 2, 5 Km. Die Aufstellung war nicht besonders günstig gewählt, da es durch den Fluß im Rücken so gut wie keine Rückzugsmöglichkeit gab, was wohl nur damit zu erklären ist, dass Wrede immer noch im Glauben war, es nur mit einem kleinen, demoralisierten Teil der franz. Armee zu tun zu haben. 
In die Schlachtordnung rückten die Truppen erst nach und nach ein. Der rechte Flügel umfasste die österr. Brigade Geramb und die bayrische Division Beckers.
Später noch wurde das österr. IR Jordis zugeteilt.
Die Mitte sollte die bayrische Div. de Lamotte einnehmen, im 1. Treffen die Brigade Stockh, im 2. Treffen die Brigade Deroy. 
Der linke Flügel umfasste die Hauptmasse der Artillerie und der Kavallerie, die Batterien Halder, Aign und Achner sowie 2 österr. Batterien. An Kavallerie die bayr. Brigade Diez, die 1. Brig. Vieregg und 2. Brig, Elbracht (1. Treffen). Im 2. Treffen standen die österr. Regimenter Knesevich Dragoner und Liechtenstein Kürassiere 
Als Bedeckung der Artillerie am linken Flügel diente das österr. IR Erzherzog Rudolf
In der Reserve an der Rodenbacher Hochstraße standen die österr. Brigaden Klenau, Mengen und das Reg. Szekeler Husaren. 
In der Stadt Hanau standen die österr. Brigade Diemar, vor dem Nürnberger Tor trafen noch 3 Eskadronen Szeklere Husaren des Streifkorps Scheibler ein.
Zum Schutz der linken Flanke hatte sich noch das Streifkorps Mensdorf (3 Eskadr. österr. Husaren und 730 Kosaken) am Übergang über den Krebsbach aufgestellt. Diesem hatten sich die freiwillige Jägerschwadron des neumärkischen Dragonerregiments angeschlossen, das eigentlich zum Streifkorps des Grafen Orloff gehörte.
Auffällig ist, dass die Österreicher fast ausschließlich in der 2. Linie und Reserve standen und dass von den 118 Geschützen, die das Korps zur Verfügung hatte, nur 58 später tatsächlich zum Einsatz kamen. Die zweite Tatsache ist vielleicht damit zu erklären, dass das Korps beim Abzug von Würzburg einfach vergessen hatte den befehlshabenden Offizier der Munitionsreserve über den Abzug zu informieren und so blieb diese Einheit bei Würzburg!! Als Wrede dies in Hanau feststellte, war es bereits zu spät. Er nahm also nur diejenigen Geschütze, die einigermaßen Munition hatten in seine Ordre auf.

Verlauf der Schlacht:

Ungefähr gleichzeitig mit dem Gefecht der Vortruppen Deroys bei Rückingen begannen auch die Kämpfe am rechten Flügel der Verbündeten bei Hanau. Dort fehlte vorerst die ganze Division Becker (sie traf erst zwischen 7 - 8 Uhr nach anstrengendem Marsch ein). Aus dem Wald zwischen Brücke und Neuhof rückten franz. Truppen gegen die Szekeler Infanterie vor. Der Kampf wogte hin - und her, bis den Szekelern die Munition ausging. Gegen Mittag wurden sie durch die Div. Beckers abgelöst. 

Napoleon brach zwischen 8 - 9 Uhr in Langenselbold auf und befand sich gegen Mittag im Lamboywald. Mit ihm kamen nacheinander Eliteeinheiten der Armee, befehligt von kampferprobten Marschällen, nach verschiedenen Quellen ca. 35. 000 Mann, mit überlegener Artillerie und Gardekavallerie. Zu dieser Zeit erkannte auch Wrede, dass er der ganzen Kerntruppe Napoleons gegenübersteht, nachdem ihm einer seiner Generalstabsoffiziere gemeldet hatte, dass aus dem Wald laute Rufe "vive l`empereur" zu hören sind. Wrede sagte daraufhin: "...jetzt ist nichts mehr zu ändern, wir müssen als brave Soldaten unser Möglichstes tun.."
Mehrere Stunden wogte der Kampf. Aus Sorge, die Franzosen könnten seinen rechten Flügel umgehen, dirigierte Wrede bis 15 Uhr einen bedeutenden Teil seiner Reserven hinter diesen Flügel.
Napoleon stand die ganze Zeit in Verbindung mit seinen vordersten Linien. So stellte er fest, dass der linke Flügel des Feindes fast nur aus Artillerie und Kavallerie bestand und dort kaum Reserven vorhanden sind. 
Nachdem Gen. Drouot, Kommandeur der Artillerie, die Gangbarkeit des Waldgeländes erkundet hatte, entschloss sich Napoleon die Übermacht seiner Artillerie und Kavallerie auf diesen Flügel zu werfen. Kurz vor 15 Uhr begann der Angriff. Es kam zu mehreren gegenseitigen Kavallerie Attacken, schließlich fiel die Entscheidung zugunsten der Franzosen, die ca. 80 Eskadronen gegen 30 bayrisch - österreichische einsetzen konnten. 
Ein Flankenangriff des Streifenkorps Mensdorf (Kosaken und Husaren) trieb die Franzosen nur kurzfristig in den Wald zurück, eine Wende war nicht zu erreichen.
Gleichzeitig mit dem Schicksal der Kavallerie entschied sich auch das Geschick der Artillerie in diesem Abschnitt, die - ohne Munition - den Rückzuge gegen die Stadt antreten musste. Der anfangs geordnete Rückzug geriet in Panik, als viele der Vorspann-Bauern, deren Pferde die Geschütze zogen, mit oder ohne ihre Pferde davonliefen.
Der linke Flügel der Div. Lamotte, entblößte von sämtlicher Artillerie, konnte dem Druck der Franzosen nicht standhalten, bildete Karrees und versuchte sich in die Stadt zu retten. Große Teile wurden gegen den brückenlosen Teil der Hochwasser führenden Kinzig gedrängt in deren Fluten viele Soldaten ertranken. Der Rest erreichte die Sammelstelle an dem erw. Obelisken. 
Der rechte Flügel Wredes wurde zuletzt von dem französischen Stoß getroffen und wich auch zurück. Von allen Seiten drängten Franzosen mit starken Kräften nach, auch die Bataillone der Alten Garde unter Gen. Friant erschienen jetzt in der Flanke. Der Rückzug der Verbündeten wurde zur Flucht. 
Die Franzosen nahmen das ganze rechte Kinzigufer, die Brücke zu nehmen gelang ihnen jedoch nicht.
Napoleon hatte bis 17 Uhr, als es schon stark dämmerte, im Lamboywald gewartet um sich dann in Richtung Hanau in Bewegung zu setzen. Gegen 18 Uhr erreichte er den Fallbach. Da schlug ihm starkes Artilleriefeuer entgegen. Es kam aus einer Aufnahmestellung, die Wrede an der Friedberger und Frankfurter Straße hat einrichten lassen. 3 Bataillone Reg. Erzherzog Rudolf und das Reg. Schwarzenberg Ulanen bildeten die Bedeckung der Batterien. Napoleon zog sich in den Wald zurück. Starke Kavallerie versuchte nun die Batterien zu nehmen, 3 Geschütze hatten die Franzosen schon in ihrer Gewalt, als sie durch starkes Feuer der Bedeckung zurückgetrieben wurden wodurch die Kanoniere ihr Geschütze wieder holen konnten.
Zur gleichen Zeit tobte der Kampf auch am Neuhof, wo die Franzosen versuchten die Verbündeten so weit wie möglich von ihrer Rückzugsstraße nach Frankfurt zurückzutreiben, da nach Auskunft ortskundiger Führer ein anderer Weg für die Große Armee nicht empfehlenswert schien.
Napoleon ordnete danach die Beschießung der Stadt an. Gegen 02 Uhr eröffnete die schwere Artillerie Gen. Marmonts auf geringe Entfernung das Feuer.
Die Vorstadt stand kurz darauf in Flammen und auch in der Hospital und Judengasse gab es große Schäden.
Dieser Beschießung, mit der Napoleon "die Stadt bestrafen wollte", war die Besatzung, bestehend aus dem Bataillon Hromada, nicht gewachsen und räumte entsprechend ihrem Befehl die Stadt, die nunmehr sofort von den Resten der italienischen Division Fontanelli vom Korps des Grafen Bertrand besetzt wurde.
Am Morgen des 31.11. nahm die Division Guilleminot Stellung am Neuhof, die Div. Morand gegenüber der Kinzigbrücke an der Heeresstraße als Reserve. 
Gen. Marmont sollte mit dem 3., 6.und 4. Korps den Flankenschutz des weiter durchziehenden Heeres übernehmen. Napoleon selbst folgte gegen 11 Uhr mit seinen Garden den vormarschierenden Teilen seines Heeres nach Frankfurt.
Der Zustand seiner Truppen erlaubte es Wrede nicht an diesem Tag nochmals eine Schlacht anzunehmen. Fast die ganze bayrische Infanterie hatte sich verschossen (war ohne Munition), die Szekeler waren in der gleichen misslichen Lage. Von der Artillerie waren nur noch 2 bayrische und 1 österr. Batterie mit Munition versehen.
Die Kavallerie hatte am Vortag 47 Offiziere, 869 Mann und 979 Pferde verloren.
Das Reg. Jordis wurde gegen 8 Uhr an der Lamboybrücke von frischen Truppen der Div. Guilleminot angegriffen und zog sich nach der Aschaffeburger Straße bis zum Lager zurück. 
Wrede erkundete persönlich das Terrain und gruppierte seine ihm zur Verfügung stehenden Truppen um. Gegen 11 Uhr begann der Artilleriekampf den die österr. Batterien der Div. Bach eröffnete. Kurz darauf schloss sich die Batterie Ullmer an, die jedoch bald von der franz. Artillerie fast gänzlich "demontiert" wurde und daraufhin zurückging. Wrede schickte sie aber umgehend zurück, links unterstützt durch die halbe Batterie Dietrich. Es gelang die franz. Batterien zum Schweigen zu bringen, wobei 2 ihrer Munitionswagen in die Luft gesprengt wurden.
Als Wrede die Meldung über den allmählichen Abzug der Franzosen erhielt, entschloss er sich doch noch einmal angriffsweise vorzugehen, Hanau und die Lamboybrücke zu nehmen und der feindlichen Nachhut möglichst großen Schaden zuzufügen.
Gegen 14 Uhr erließ er seine Befehle. 2 Angriffskolonnen, die rechte gegen den Lamboywald, die linke gegen die Stadt, setzten sich in Bewegung. Sämtliche Batterien unterstützten kurz mit der restlichen Munition den Vorstoß.
Die rechte Kolonne, bei der sich zeitweise der österr. FML Fresnel befand, hatte kein Glück. Sie überschritt zwar die brennende Brücke, wurde aber wieder zurückgeworfen.
Die linke Kolonne unter Führung Wrede´s versuchte durch das Steinheimer und Nürnberger Tor in die Stadt zu kommen. Während Pioniere versuchten das verrammelte Nürnberger Tor zu öffnen, sprang Wrede, dem das zu lang dauerte, vom Pferd und eilte mit Begleitung neben dem Tor durch den Stadtgraben. Unterdessen war das Tor geöffnet, Wrede sprang auf sein Pferd und galoppierte allen voran in die Stadt. Die ausgehungerten Soldaten der Div. Fontanelli leisteten kaum Widerstand. Wrede eilte zur Kinzigbrücke, auf welcher er in Erwartung der nachkommenden Infanterie anhielt. Die Franzosen hinter dem Fluß eröffneten ein richtiges Scheibenschießen auf Wrede, der ein weit sichtbares Ziel bot. Eine Flintenkugel traf ihn unter dem Margaretenturm in den Unterleib wobei sie den Löwenknauf der Degenkuppe in die Wunde mit hineinriß. Man brachte Wrede in das Haus des Kommerzienrates Kaula in Hanau (Bangertstr. 15) wo er den ersten notdürftigen Verband erhielt. Das Kommando übernahm FML Fresnel, der kurz darauf das Gefecht abbrach.
Gegen 16 Uhr brach Bertrand mit seinem Korps von Hanau auf, verfolgt durch Teile der Szekeler Husaren. Mortier war, nachdem er Kanonendonner von Hanau vernommen hatte, über Langenselbold - Bruchköbel abgebogen. 
Am Abend konnte die mit Munition der zahlreichen Verwundeten ausgestattete bayrische Infanterie die ermüdeten Österreicher an der Kinzigbrücke ablösen, während immer noch Teile des Korps Bertrand - Infanterie und Artillerie auf der Straße, Kavallerie zu beiden Seiten über die Felder - vorbeizog.
Die Schlacht war vorbei. Die Verluste der Verbündeten beliefen sich auf 184 Offiziere und 9.087 Mann (zum Vergleich: bei Sedan hatten die Deutschen 465 Offiziere und 8.459 Mann verloren), die tot, verwundet oder vermisst wurden.
Die Franzosen verloren nur an Gefangenen 5 Generale, 280 Offiziere und über 10.000 Mann. 
Napoleon selbst gab seine Verluste an Toten und Verwundeten mit 4 - 500 Mann an - wie üblich stark untertrieben.
So lassen sich die Verluste nur schätzen, sie mögen 3 - 5.000 Mann betragen haben. 
Napoleon wurde in Frankfurt demütigst von den Stadträten empfangen und nahm Quartier beim Bankier von Bethmann.
Sein Heer marschierte nördlich um Frankfurt herum während ein kleiner Teil die nachgerückten Bayern jenseits des Main in Schach hielt.
Wer war nun der Gewinner dieser letzten Schlacht auf deutschem Boden?
Wrede war es nicht gelungen, Napoleon und sein Heer bei Hanau so lange aufzuhalten, bis die verbündeten preussischen, österreichischen und russischen Armeen ihm zur Hilfe hätten kommen können. (die Vorhut war am Tag der Schlacht noch ca. 40 Km entfernt) um Napoleon zu vernichten. Er verzögerte jedoch den Rückzug Napoleons um einige Tage und fügte ihm bedeutende Verluste zu.
Zur Entlastung Wrede´s muss wiederholt werden, das er gar nicht die Aufgabe hatte Napoleons gesamtes Heere zu stellen und zu vernichten (er wäre mit seinen geringen Kräften dazu gar nicht in der Lage gewesen).
Alle Informationen der Verbündeten besagten, dass die Kerntruppen Napoleons über Kassel - Wetzlar marschieren, so das Wrede nur auf einen Teil, nämlich den am meisten heruntergekommenen und demoralisierten zu treffen dachte. 
Und so kam es, wie es gekommen war!
Einige Tage nach der Schlacht wurde Wrede an seinem Krankenbett von den drei Kaisern aufgesucht, die ihm ihre höchsten Orden verliehen.

Truppen des bayrischen Korps, die an der Schlacht teilnahmen

Kommandierender: G.d.C. Graf Karl Philipp von Wrede
 

Kommand. Brigade Truppenteil Bataill./Eskad. Kanonen/ Bemerkung
GL Graf
J.Rechberg
leichte Kavallerie Brigade GM v. Vieregg 1. Chevauxleg.
2. Chevauxleg.
7. Chevauxleg.
4
4
4

GL Graf
Beckers
1.Brig. GM
Gr. Pappenheim
4. IR komb. Batall.    Salzachkreis 
9. Nat. Feldbat.    Regenkreis 
4. leicht. komb.   Bataillon
1

1

1

1 Bataillon in Würzburg
ditto 2. Brigade 
GM Frhr. v. Zoller
6. IR
14. Nat. Feldbat.  Rezatkreis 
1.leicht. Batall.
2
1

1


ditto 2. leichte Kavall. Brigade 
GM v. Elbracht
3. Chevauxleg.
6. Chevauxleg.
4
4


Artillerie Abt. 
Maj. v. Caspers
6. Pf. leichte Bat. Aign
6. Pf. Fußbaterie Danner

6
8
GM  von Lamotte 1. Brigade GM
von d. Stockh
11. IR
  7. IR
1. Bataillon Unterdonaukreis
2
1

1


ditto 2. Brigade 
GM von Deroy
8. IR
9. IR
5. IR 
6. Nat. Feldbat.     Illerkreis 
5. Nat. Feldbat.    Isarkreis
1
1
1

1

1


ditto 3. leichte Kavall.  Brigade 
Oberst von Diez
4. Chevauxleg.
5. Chevauxleg
4
4
2 Schwadronen am 30./31
in Frankfurt
ditto Artillerie Abt.
Maj. Wagner
6 Pf. leichte Bat.      Halder
6 Pf. Fußbater.      Achner

6
8
Artillerie
Reserve

12 Pf. Baterien
Pammler
Meßmer 
Ulmer 
Dietrich


6
6
6
6

Österreichische Truppen, die an der Schlacht teilnahmen:

Kommandierender: G.d.C Frhr. v. Frimont, (Führer: FML Graf Fresnel) 
 

Kommand Brigade Truppenteil  Bataill./Eskad. Kanonen / Bemerkungen
FML Graf Fresnel 1. Brigade 
GM  Graf Hardegg
Szekeler Gr. IR
Erzhrz. Joseph
Husaren
2
6
Führer der Div. GM  Volkman
Führer der 1. Brigade
Oberst von Geramb
ditto 2. Brigade 
GM von Volkmann
Jäger Bat. Nr.3
Schwarzenberg  Ulanen 
Kavall. Batterie
1
6
Führer der 2. Brigade
Oberst von Mengen 

6

GM Frhr.
von Bach
GM Frhr. von Bach IR Erzhrz.Rudolf
IR Jordis
2 Sechspf. Bat.
4
4
 

16

FML  Frhr. von
Trautenberg
1.Brig. 
GM Graf Klenau
Grenadiere
1 Sechsp. Bat.f
4

8
ditto 2. Brig. 
GM von Diemar
Grenadiere
1 Dreipf. Bat.
3

8
Kavallerie 
Reserve
FML Splény
1.Brig. 
GM Minutillo
Szekeler HR
6
davon 2 Schw. im Streifkorps
ditto 2.Brig. Oberst
v. Flachenfeld
Knesevich DR
Liechtenst. KR
Kavall. Batter.
6
4

6

Artillerie
Reserve
GM Swrtnik

1 x6 Pf. Baterie
3 x12 Pf. Batt.

6
18

Bemerkung: in obiger Aufstellung sind nur die Einheiten des Korps erwähnt, die direkt an der Schlacht teilnahmen. Die restlichen, zum Korps gehörenden Truppenteile standen in Würzburg, in Frankfurt und Umgebung. Die eingeteilten Frimont Husaren trafen beim Korps nie ein. 

Französische Einheiten, die an der Schlacht beteiligt waren.

(nicht alle gleichzeitig, da sie zu verschiedenen Zeitpunkten vor Ort ankamen) 
 

  • 2. Kavalleriekorps Sébastiani, 52 Eskadronen, ca. 3.000 Mann 
  • 5. und 11 Korps Macdonald, 83 Bataillone, 14 Eskadronen, ca 5.000 Mann 
  • 2. Korps, Victor, duc de Bellune, 42 Bataillone, 6 Eskadronen, ca. 2.000 Mann 
  • Kaiser Garde - Drouot, 14 Bataillone, 52 Geschütze, ca. 6.000 Mann 
  • Kavallerie Nansouty, 61 Eskadronen, ca. 4.000 Mann 
  • 3. und 6.  Korps - Marmont, duc de Raguse, 83 Bataillone, 11 Eskadronen, ca. 4.000 Mann 
  • Division Durutte, 14 Bataillone, ca. 1.800 Mann 
  • 4. Korps, Gen. comte Bertrand, 30 Bataillone, 7 Eskadronen, ca. 1.500 Mann 
  • Division Guilleminot, 11 Bataillone, ca. 1.000 Mann 
Quellen:
  • K. b. Kriegsarchiv,  Heft 22, München, 1913 
  • H. Müller, Die Schlacht bei Hanau 30. u. 31. Oktober 1813 und ihre Vorgeschichte, Verlag des Hanauer Geschichtsvereins, 1913 
  • Jean Tramson, Les grandes batailles de l´historie - Hanau 1813, Paris, 1990

 
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