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Einführung: Bayern war als einer der
Staaten des Rheinbundes auf der Seite Napoleons. Das bayrische Heer kämpfte
an der Seite der Franzosen auch im Russlandfeldzug und büßte
den größten Teil seiner Soldaten ein, so das Anfang 1813 kaum
mehr als 12.000 Mann zur Verfügung standen. Bereits im Februar 1813
begann man deshalb mit der Aufstellung von mobilen Legionen, die ursprünglich
nur innerhalb des Landes zur Verteidigung eingesetzt werden sollten.
Ausgangslage: Nach der Schlacht bei Leipzig am 16. - 18. 10. 1813 versuchte die geschlagene französische Armee sich nach Frankreich zurückzuziehen. Die Verbündeten, deren Armeen in mehrere Kolonnen aufgeteilt waren, verfolgten die Franzosen. Da sich bei den Armeen deren Staatsoberhäupter befanden, gab es keine einheitliche Führung. Die
österreichischen Streitkräfte wurden von Fürst Schwarzenberg
befehligt, dem nun auch Graf Wrede mit seinem Korps unterstand.
Nach
Schwarzenbergs Instruktionen sollte sich Wredes Korps in Eilmärschen
aus der Umgebung von Braunau in Richtung Bamberg begeben und die von den
Franzosen gehaltene Stadt Würzburg nehmen. Am 10. 10 trat die
1. Division den Marsch an die Isar an, das österreichische Kontingent
überquerte am 14. 10 den Inn.
Am
24. 10 begann die Belagerung von Würzburg, in dem ca. 3.000 Mann Besatzung,
(die meisten nicht- Franzosen) unter GL Turreau de Linière standen.
Dieser kapitulierte am 26. 10. Nur in der Festung Marienberg blieb noch
bis Mai 1814 eine franz. Besatzung.
Nach
der Kapitulation versammelte Wrede seine Truppen im Raum Aschaffenburg von
wo er Richtung Frankfurt weiterzog.
Napoleons
Armee befand sich auf dem Rückzug über Erfurt, Vacha, Hünfeld
und Fulda, gefolgt von den Armeen der Verbündeten. Die Franzosen marschierten
im Durchschnitt 33,3 Km pro Tag, die Verbündeten nur 31,3. Km, so das
der Abstand von Tag zu Tag größer wurde. Am 27. 10. erreichte
Napoleon persönlich Fulda. Über seine weiteren Bewegungen waren
sich die Verbündeten im Unklaren. Man glaubte, dass der noch kampffähige
Teil der Großen Armee mit Napoleon über Kassel nach Wetzlar ziehen
würde und nur die bunt gemischten Haufen der Flüchtlinge die Heeresstraße
über Gelnhausen - Hanau - Frankfurt nehmen würde. Die Nachricht,
die Wrede am 28. 10 von Fürst Schwarzenberg erhielt, war in diesem Sinne.
Die meisten Informationen, die Wrede von seinen Kundschaftern bekam, bestätigten
diese Annahme. Nur Oberst Scheibler, der mit 2 Eskadronen Szekeler Husaren
auf Streife war und die Kolonnen der Franzosen auf der Heeresstraße
gesehen hatte, sowie der russische General Tschernischew, der sich mit seinen
Kosaken nördlich der zurückflutenden Franzosen befand, meldeten
Wrede, das Napoleon mit seiner Garde über Gelnhausen unterwegs ist. Wrede
schenkte diesen beiden Nachrichten kein Gehör. Aufgrund dieser- leider
falschen - Informationen änderte auch Blücher mit seiner
Armee bei Rotenkirchen - Hünfeld die Marschrichtung und bewegte sich
Richtung Wetzlar. So konnte er auch im entscheidenden Augenblick das Korps
Wrede nicht unterstützen.
In
der Annahme, er habe es nur mit einem Teil der demoralisierten franz. Armee
zu tun, entschied sich Wrede nun den Versuch zu unternehmen, diese Reste
bei Hanau zu stellen und zu vernichten.
Am
29. 10. kam es bei Gelnhausen und Langenselbold zu ersten Gefechten zwischen
den Franzosen und Wredes Kavallerieeinheiten. Gegen 18 Uhr räumte der
österreichische General Volkmann mit seinen Jägern und Ulanen Langenselbold
und rückte in ein Biwack vor Hanau. Napoleon selbst traf in dieser Nacht
in Langenselbold ein, verbrachte die Nacht im dortigen Schloß und ließ
sich dort den fürstlich - Isenburgischen Landdragoner Johann Ruth als
ortskundigen Führer mitgeben. (ihm verdanken wir Augenzeugenberichte
aus der direkten Umgebung Napoleons aus diesen Tagen).
Bereits
einige Tage nach der Schlacht von Leipzig begannen durch Hanau, das damals
zu dem von Napoleon gegründeten Großherzogtum Frankfurt gehörte
und eine französische Garnison hatte, demoralisierte Einheiten der
geschlagenen Armee zu strömen; Verwundete, Ausreißer, Marodeure
die man damals "Fricoteurs" nannte.
Am
25. 10 kam Marschall Murat, nur von seinem Adjutanten begleitet, durch die
Stadt, am nächsten Tag der verwundete Marschall Ney mit seiner Begleitung.
Am 27. 10. trafen in Hanau Nachrichten über den Anmarsch des Korps
Wrede ein. Die französische Besatzung, bestehend aus einem Husarenregiment
und einer Abt. Artillerie verließ darauf Hanau in Richtung Frankfurt,
die Letzten am 29. 10 morgens um 7. Uhr. Kurz danach ritt die Vorhut des
1. bayrischen Chevauxlegers Regiments durch das Nürnberger Tor in die
Stadt, von der Bevölkerung freudig begrüßt.
Die
Chevauxlegers säuberten die Stadt von Resten umherziehender Franzosen
und besetzten die Kinzig - und Lamboybrücke. Beinahe gleichzeitig tauchte
bei den Brücken eine Kolonne Franzosen auf und es kam zum Gefecht, bei
dem der Neffe des bayr. Königs Prinz Ludwig v. Waldeck schwer verwundet
wurde. Er erlag später seinen Verletzungen.
Gegen
die Übermacht der franz. Infanterie konnten sich die bayrischen Reiter
nicht lange halten und zogen sich aus der Stadt zurück. Gegen 13 Uhr
kam Verstärkung die sofort zum Vorrücken in die Stadt eingesetzt
wurde. Immer noch fehlte Infanterie und so konnte auch dieses mal Gen. Grouvelle,
der 4 - 5.000 Infanterie zur Verfügung hatte, die Bayern zurückdrängen.
Diese gingen also wieder durch die Stadt zu ihrem früheren Standort am
Obelisken (heute "Ehrensäule" in Hanau) der in der Dämmerung erreicht
wurde, zurück. Die französisch Kolonne zog Richtung Frankfurt weiter,
ohne Hanau zu besetzten.
Am
gleichen Abend oder in der Nacht auf den 30. 11. wurde von Wredes Generalstab
im Haus des Frhr. Waitz von Eschen (heute Mühlstraße 1 in Hanau)
die "Ordre de Bataille" ausgearbeitet. Daraus ging hervor, dass sich die
Truppen mit dem rechten Flügel an der Lamboybrücke an die Kinzig,
mit dem linken Flügel an den Fallbach anlehnten. Die Frontausdehnung
betrug ca. 2, 5 Km. Die Aufstellung war nicht besonders günstig gewählt,
da es durch den Fluß im Rücken so gut wie keine Rückzugsmöglichkeit
gab, was wohl nur damit zu erklären ist, dass Wrede immer noch im Glauben
war, es nur mit einem kleinen, demoralisierten Teil der franz. Armee zu tun
zu haben.
In
die Schlachtordnung rückten die Truppen erst nach und nach ein. Der rechte
Flügel umfasste die österr. Brigade Geramb und die bayrische Division
Beckers.
Später
noch wurde das österr. IR Jordis zugeteilt.
Die
Mitte sollte die bayrische Div. de Lamotte einnehmen, im 1. Treffen die Brigade
Stockh, im 2. Treffen die Brigade Deroy.
Der
linke Flügel umfasste die Hauptmasse der Artillerie und der Kavallerie,
die Batterien Halder, Aign und Achner sowie 2 österr. Batterien. An
Kavallerie die bayr. Brigade Diez, die 1. Brig. Vieregg und 2. Brig, Elbracht
(1. Treffen). Im 2. Treffen standen die österr. Regimenter Knesevich
Dragoner und Liechtenstein Kürassiere
Als
Bedeckung der Artillerie am linken Flügel diente das österr. IR
Erzherzog Rudolf
In
der Reserve an der Rodenbacher Hochstraße standen die österr. Brigaden
Klenau, Mengen und das Reg. Szekeler Husaren.
In
der Stadt Hanau standen die österr. Brigade Diemar, vor dem Nürnberger
Tor trafen noch 3 Eskadronen Szeklere Husaren des Streifkorps Scheibler
ein.
Zum
Schutz der linken Flanke hatte sich noch das Streifkorps Mensdorf (3 Eskadr.
österr. Husaren und 730 Kosaken) am Übergang über den Krebsbach
aufgestellt. Diesem hatten sich die freiwillige Jägerschwadron des neumärkischen
Dragonerregiments angeschlossen, das eigentlich zum Streifkorps des Grafen
Orloff gehörte.
Auffällig
ist, dass die Österreicher fast ausschließlich in der 2. Linie
und Reserve standen und dass von den 118 Geschützen, die das Korps
zur Verfügung hatte, nur 58 später tatsächlich zum Einsatz
kamen. Die zweite Tatsache ist vielleicht damit zu erklären, dass das
Korps beim Abzug von Würzburg einfach vergessen hatte den befehlshabenden
Offizier der Munitionsreserve über den Abzug zu informieren und so blieb
diese Einheit bei Würzburg!! Als Wrede dies in Hanau feststellte, war
es bereits zu spät. Er nahm also nur diejenigen Geschütze, die
einigermaßen Munition hatten in seine Ordre auf.
Verlauf der Schlacht: Ungefähr gleichzeitig mit dem Gefecht der Vortruppen Deroys bei Rückingen begannen auch die Kämpfe am rechten Flügel der Verbündeten bei Hanau. Dort fehlte vorerst die ganze Division Becker (sie traf erst zwischen 7 - 8 Uhr nach anstrengendem Marsch ein). Aus dem Wald zwischen Brücke und Neuhof rückten franz. Truppen gegen die Szekeler Infanterie vor. Der Kampf wogte hin - und her, bis den Szekelern die Munition ausging. Gegen Mittag wurden sie durch die Div. Beckers abgelöst. Napoleon
brach zwischen 8 - 9 Uhr in Langenselbold auf und befand sich gegen Mittag
im Lamboywald. Mit ihm kamen nacheinander Eliteeinheiten der Armee, befehligt
von kampferprobten Marschällen, nach verschiedenen Quellen ca. 35.
000 Mann, mit überlegener Artillerie und Gardekavallerie. Zu dieser
Zeit erkannte auch Wrede, dass er der ganzen Kerntruppe Napoleons gegenübersteht,
nachdem ihm einer seiner Generalstabsoffiziere gemeldet hatte, dass aus
dem Wald laute Rufe "vive l`empereur" zu hören sind. Wrede sagte daraufhin:
"...jetzt ist nichts mehr zu ändern, wir müssen als brave Soldaten
unser Möglichstes tun.."
Mehrere
Stunden wogte der Kampf. Aus Sorge, die Franzosen könnten seinen rechten
Flügel umgehen, dirigierte Wrede bis 15 Uhr einen bedeutenden Teil
seiner Reserven hinter diesen Flügel.
Napoleon
stand die ganze Zeit in Verbindung mit seinen vordersten Linien. So stellte
er fest, dass der linke Flügel des Feindes fast nur aus Artillerie
und Kavallerie bestand und dort kaum Reserven vorhanden sind.
Nachdem
Gen. Drouot, Kommandeur der Artillerie, die Gangbarkeit des Waldgeländes
erkundet hatte, entschloss sich Napoleon die Übermacht seiner Artillerie
und Kavallerie auf diesen Flügel zu werfen. Kurz vor 15 Uhr begann
der Angriff. Es kam zu mehreren gegenseitigen Kavallerie Attacken, schließlich
fiel die Entscheidung zugunsten der Franzosen, die ca. 80 Eskadronen gegen
30 bayrisch - österreichische einsetzen konnten.
Ein
Flankenangriff des Streifenkorps Mensdorf (Kosaken und Husaren) trieb die
Franzosen nur kurzfristig in den Wald zurück, eine Wende war nicht zu
erreichen.
Gleichzeitig
mit dem Schicksal der Kavallerie entschied sich auch das Geschick der Artillerie
in diesem Abschnitt, die - ohne Munition - den Rückzuge gegen die Stadt
antreten musste. Der anfangs geordnete Rückzug geriet in Panik, als viele
der Vorspann-Bauern, deren Pferde die Geschütze zogen, mit oder ohne
ihre Pferde davonliefen.
Der
linke Flügel der Div. Lamotte, entblößte von sämtlicher
Artillerie, konnte dem Druck der Franzosen nicht standhalten, bildete Karrees
und versuchte sich in die Stadt zu retten. Große Teile wurden gegen
den brückenlosen Teil der Hochwasser führenden Kinzig gedrängt
in deren Fluten viele Soldaten ertranken. Der Rest erreichte die Sammelstelle
an dem erw. Obelisken.
Der
rechte Flügel Wredes wurde zuletzt von dem französischen Stoß
getroffen und wich auch zurück. Von allen Seiten drängten Franzosen
mit starken Kräften nach, auch die Bataillone der Alten Garde unter
Gen. Friant erschienen jetzt in der Flanke. Der Rückzug der Verbündeten
wurde zur Flucht.
Die
Franzosen nahmen das ganze rechte Kinzigufer, die Brücke zu nehmen gelang
ihnen jedoch nicht.
Napoleon
hatte bis 17 Uhr, als es schon stark dämmerte, im Lamboywald gewartet
um sich dann in Richtung Hanau in Bewegung zu setzen. Gegen 18 Uhr erreichte
er den Fallbach. Da schlug ihm starkes Artilleriefeuer entgegen. Es kam
aus einer Aufnahmestellung, die Wrede an der Friedberger und Frankfurter
Straße hat einrichten lassen. 3 Bataillone Reg. Erzherzog Rudolf und
das Reg. Schwarzenberg Ulanen bildeten die Bedeckung der Batterien. Napoleon
zog sich in den Wald zurück. Starke Kavallerie versuchte nun die Batterien
zu nehmen, 3 Geschütze hatten die Franzosen schon in ihrer Gewalt, als
sie durch starkes Feuer der Bedeckung zurückgetrieben wurden wodurch
die Kanoniere ihr Geschütze wieder holen konnten.
Zur
gleichen Zeit tobte der Kampf auch am Neuhof, wo die Franzosen versuchten
die Verbündeten so weit wie möglich von ihrer Rückzugsstraße
nach Frankfurt zurückzutreiben, da nach Auskunft ortskundiger Führer
ein anderer Weg für die Große Armee nicht empfehlenswert schien.
Napoleon
ordnete danach die Beschießung der Stadt an. Gegen 02 Uhr eröffnete
die schwere Artillerie Gen. Marmonts auf geringe Entfernung das Feuer.
Die
Vorstadt stand kurz darauf in Flammen und auch in der Hospital und Judengasse
gab es große Schäden.
Dieser
Beschießung, mit der Napoleon "die Stadt bestrafen wollte", war die
Besatzung, bestehend aus dem Bataillon Hromada, nicht gewachsen und räumte
entsprechend ihrem Befehl die Stadt, die nunmehr sofort von den Resten der
italienischen Division Fontanelli vom Korps des Grafen Bertrand besetzt wurde.
Am
Morgen des 31.11. nahm die Division Guilleminot Stellung am Neuhof, die Div.
Morand gegenüber der Kinzigbrücke an der Heeresstraße als
Reserve.
Gen.
Marmont sollte mit dem 3., 6.und 4. Korps den Flankenschutz des weiter durchziehenden
Heeres übernehmen. Napoleon selbst folgte gegen 11 Uhr mit seinen Garden
den vormarschierenden Teilen seines Heeres nach Frankfurt.
Der
Zustand seiner Truppen erlaubte es Wrede nicht an diesem Tag nochmals eine
Schlacht anzunehmen. Fast die ganze bayrische Infanterie hatte sich verschossen
(war ohne Munition), die Szekeler waren in der gleichen misslichen Lage.
Von der Artillerie waren nur noch 2 bayrische und 1 österr. Batterie
mit Munition versehen.
Die
Kavallerie hatte am Vortag 47 Offiziere, 869 Mann und 979 Pferde verloren.
Das
Reg. Jordis wurde gegen 8 Uhr an der Lamboybrücke von frischen Truppen
der Div. Guilleminot angegriffen und zog sich nach der Aschaffeburger Straße
bis zum Lager zurück.
Wrede
erkundete persönlich das Terrain und gruppierte seine ihm zur Verfügung
stehenden Truppen um. Gegen 11 Uhr begann der Artilleriekampf den die österr.
Batterien der Div. Bach eröffnete. Kurz darauf schloss sich die Batterie
Ullmer an, die jedoch bald von der franz. Artillerie fast gänzlich
"demontiert" wurde und daraufhin zurückging. Wrede schickte sie aber
umgehend zurück, links unterstützt durch die halbe Batterie Dietrich.
Es gelang die franz. Batterien zum Schweigen zu bringen, wobei 2 ihrer Munitionswagen
in die Luft gesprengt wurden.
Als
Wrede die Meldung über den allmählichen Abzug der Franzosen erhielt,
entschloss er sich doch noch einmal angriffsweise vorzugehen, Hanau und
die Lamboybrücke zu nehmen und der feindlichen Nachhut möglichst
großen Schaden zuzufügen.
Gegen
14 Uhr erließ er seine Befehle. 2 Angriffskolonnen, die rechte gegen
den Lamboywald, die linke gegen die Stadt, setzten sich in Bewegung. Sämtliche
Batterien unterstützten kurz mit der restlichen Munition den Vorstoß.
Die
rechte Kolonne, bei der sich zeitweise der österr. FML Fresnel befand,
hatte kein Glück. Sie überschritt zwar die brennende Brücke,
wurde aber wieder zurückgeworfen.
Die
linke Kolonne unter Führung Wrede´s versuchte durch das Steinheimer
und Nürnberger Tor in die Stadt zu kommen. Während Pioniere versuchten
das verrammelte Nürnberger Tor zu öffnen, sprang Wrede, dem das
zu lang dauerte, vom Pferd und eilte mit Begleitung neben dem Tor durch
den Stadtgraben. Unterdessen war das Tor geöffnet, Wrede sprang auf
sein Pferd und galoppierte allen voran in die Stadt. Die ausgehungerten Soldaten
der Div. Fontanelli leisteten kaum Widerstand. Wrede eilte zur Kinzigbrücke,
auf welcher er in Erwartung der nachkommenden Infanterie anhielt. Die Franzosen
hinter dem Fluß eröffneten ein richtiges Scheibenschießen
auf Wrede, der ein weit sichtbares Ziel bot. Eine Flintenkugel traf ihn unter
dem Margaretenturm in den Unterleib wobei sie den Löwenknauf der Degenkuppe
in die Wunde mit hineinriß. Man brachte Wrede in das Haus des Kommerzienrates
Kaula in Hanau (Bangertstr. 15) wo er den ersten notdürftigen Verband
erhielt. Das Kommando übernahm FML Fresnel, der kurz darauf das Gefecht
abbrach.
Gegen
16 Uhr brach Bertrand mit seinem Korps von Hanau auf, verfolgt durch Teile
der Szekeler Husaren. Mortier war, nachdem er Kanonendonner von Hanau vernommen
hatte, über Langenselbold - Bruchköbel abgebogen.
Am
Abend konnte die mit Munition der zahlreichen Verwundeten ausgestattete bayrische
Infanterie die ermüdeten Österreicher an der Kinzigbrücke
ablösen, während immer noch Teile des Korps Bertrand - Infanterie
und Artillerie auf der Straße, Kavallerie zu beiden Seiten über
die Felder - vorbeizog.
Die
Schlacht war vorbei. Die Verluste der Verbündeten beliefen sich auf 184
Offiziere und 9.087 Mann (zum Vergleich: bei Sedan hatten die Deutschen 465
Offiziere und 8.459 Mann verloren), die tot, verwundet oder vermisst wurden.
Die
Franzosen verloren nur an Gefangenen 5 Generale, 280 Offiziere und über
10.000 Mann.
Napoleon
selbst gab seine Verluste an Toten und Verwundeten mit 4 - 500 Mann an -
wie üblich stark untertrieben.
So
lassen sich die Verluste nur schätzen, sie mögen 3 - 5.000 Mann
betragen haben.
Napoleon
wurde in Frankfurt demütigst von den Stadträten empfangen und
nahm Quartier beim Bankier von Bethmann.
Sein
Heer marschierte nördlich um Frankfurt herum während ein kleiner
Teil die nachgerückten Bayern jenseits des Main in Schach hielt.
Wer
war nun der Gewinner dieser letzten Schlacht auf deutschem Boden?
Wrede
war es nicht gelungen, Napoleon und sein Heer bei Hanau so lange aufzuhalten,
bis die verbündeten preussischen, österreichischen und russischen
Armeen ihm zur Hilfe hätten kommen können. (die Vorhut war am
Tag der Schlacht noch ca. 40 Km entfernt) um Napoleon zu vernichten. Er verzögerte
jedoch den Rückzug Napoleons um einige Tage und fügte ihm bedeutende
Verluste zu.
Zur
Entlastung Wrede´s muss wiederholt werden, das er gar nicht die Aufgabe
hatte Napoleons gesamtes Heere zu stellen und zu vernichten (er wäre
mit seinen geringen Kräften dazu gar nicht in der Lage gewesen).
Alle
Informationen der Verbündeten besagten, dass die Kerntruppen Napoleons
über Kassel - Wetzlar marschieren, so das Wrede nur auf einen Teil,
nämlich den am meisten heruntergekommenen und demoralisierten zu treffen
dachte.
Und
so kam es, wie es gekommen war!
Einige
Tage nach der Schlacht wurde Wrede an seinem Krankenbett von den drei Kaisern
aufgesucht, die ihm ihre höchsten Orden verliehen.
Truppen des bayrischen Korps, die an der Schlacht teilnahmen Kommandierender: G.d.C. Graf Karl Philipp von Wrede
Österreichische Truppen, die an der Schlacht teilnahmen: Kommandierender: G.d.C Frhr. v. Frimont, (Führer:
FML Graf Fresnel)
Bemerkung: in obiger Aufstellung sind nur die Einheiten des Korps erwähnt, die direkt an der Schlacht teilnahmen. Die restlichen, zum Korps gehörenden Truppenteile standen in Würzburg, in Frankfurt und Umgebung. Die eingeteilten Frimont Husaren trafen beim Korps nie ein. Französische Einheiten, die an der Schlacht beteiligt waren. (nicht alle gleichzeitig, da sie zu verschiedenen
Zeitpunkten vor Ort ankamen)
Quellen:
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