Das Treffen bei Trautenau (Trutnov) am 27. Juni 1866

(es war das Einzige, das die kaiserlichen im Krieg 1866 für sich entscheiden konnten)



Engagierte Einheiten:
 
 

Preußen:      1. Korps der 2. Armee unter Kronprinz Friedrich Wilhelm, 

                        Korpskommandant General d. Infanterie Adolf v. Bonin 

                        Kommandant der 1. Division GL v. Grossmann 

                        Kommandant der 2. Div. GL v. Clausewitz 

                        Insgesamt 32.702 Mann 

Österreicher: X. Korps unter FML Ludwig Frhr. v.Gablenz 

                        Brigade Oberst Mondel 

                        Brigade Oberst Grivicic 

                        Brigade GM Wimpffen 

                        Brigade GM Knebel 

                        Insgesamt 26.084 Mann
 
 

Am 26. 6. erhielt FML Gablenz in Josefstadt, dem  Befehlsstand des Oberbefehlshabers der Nordarmee FZM Ludwig, Ritter v. Benedek den Befehl am nächsten Tag bis 8.00 Uhr die Stadt Trautenau zu besetzten und die von Libau (Lubawka) vordringenden Preußen aufzuhalten (wobei die Stärke dieser Einheiten von Benedek unterschätzt wurde). 

Gablenz erteilte daraufhin seinen 4 Brigaden, die im Raum Jaromer ca. 25 km von Trautenau entfernt lagen, den Marschbefehl. Die am Nächsten gelegene Brigade Mondel konnte tatsächlich schon vor 8.00 ihre Position um die Stadt einnehmen. Die Abmarschzeiten der anderen Brigaden erfolgten allerdings viel zu spät (Grivicic um 8.15, Wimpffen um 10.00 Knebel um 10.30 und die in Velichovky - am weitesten- stationierte Arlillerie erst um 11.30!). Und nicht mal diese Zeiten wurden eingehalten! Die Brigade Wimpffen begab sich auf den 25 km Marsch tatsächlich erst um 12.30. 

Dies führte dazu, daß die Brigade Mondel ihre vorteilhaften Positionen auf den Hügeln über der Stadt gegen die überlegenen Preußen aufgeben mußte und ihre spätere Wiedereinnahme tausenden Österreichern das Leben gekostet hatte. 

In der Nacht vom 26./27.6 waren in Trautenau nur Dragoner des berühmten 14 DR unter Fürst Windischgrätz. Dieser meldete gegen 22.30 an FML Gablenz große Truppenbewegungen in verschiedenen Richtungen und verließ darauf mit seinen Dragonern die Stadt. 

Das 1. preussische Korps unter seinem 63 jährigen Kommandanten v. Bonin war bereits seit 4.00 auf dem Marsch und arbeitete sich durch schwieriges Terrain im Tal der Aupa in zwei Kolonnen vorwärts. Als Treffpunkt war Parschnitz (Poricí) vorgesehen, das die Hälfte des Korps gegen 8.00 erreichte und auf die zweite Hälfte ca. 1 Stunde warten mußte. Gegen 9.30 erschienen die ersten Infanteristen in der Stadt. Ein Offizier befragte den Bürgermeister der Stadt, Dr. Roth über Positionen der Österreicher. Dieser erklärte nach bestem Gewissen, daß er seit der Nacht keine gesehen hätte. Er konnte nicht ahnen, daß Mondels Infanteristen und Jäger bereits seit 7.30 in den im Süden liegenden Hügeln Posten bezogen hatten. (diese Aussage kostete den Bürgermeister und einige Räte der Stadt 80 Tage Internierung in Preußen!) 

Die durch den beschwerlichen Marsch ermüdeten Preußen stellten auf dem Marktplatz ihre Gewehre in Pyramiden und bevölkerten die umliegenden Gasthäuser. 

General Bonin wollte nach kurzer Rast den Marsch über Pilinkau (Pilníkov) Richtung Königinhof und Jitschin fortsetzen. Drei Eskadronen preussischer Dragoner wurden zur Erkundung ausgeschickt. Kurz hinter Trautenau stießen sie unverhofft auf 4 Eskadronen des Dragonerregiments Windischgrätz Nr. 14 Die Preußen flüchteten nach Verlust von 23 Mann zurück in die Stadt, deren freie Plätze zum gleichen Zeitpunkt von den umliegenden Hügeln unter Feuer genommen wurden. Die Batallionskommandeure sammelten ihre Mannschaften und es begann ein verlustreicher Kampf um die Hügel hinter der Stadt. Den Mittelpunkt bildete ein steiler Hang, gekrönt durch die Kapelle des Hl. Johann, von einer Seite durch den Galgenberg, von der anderen durch den Katzberg flankiert. Wegen der dichten Vegetation war die Bildung einer zusammenhängenden Linie nicht möglich und so kämpfte Mann gegen Mann. Die österreichischen Jäger, gut versteckt hinter Büschen, hatten eine hervorragende Verteidigungsposition. Sieben preussische Batallione bemühten sich mehrmals die Hügel zu stürmen - vergeblich. Es wurden deshalb weitere 8 Batallione unter Gen. Buddenbrock in den Kampf geschickt, die den rechten Flügel der Österreicher angreifen sollten. Insgesamt waren es nun ca. 15.000 Preußen, die die steilen Hänge hoch stürmten. Gegen 11.00 Uhr waren die Österreicher um die Kapelle von zwei Seiten bedrängt und der Kampf strebte seinem dramatischen Ende zu. 

Zu dieser Zeit erreicht FML Gablenz das Schlachtfeld, der die Sinnlosigkeit einer weiteren Verteidigung erkannte und den Befehl zum Rückzuge gegen Alt- und Neu-Rognitz gibt. Wie oben erwähnt, waren ja die weiteren Brigaden des X. Korps erst kurz zuvor von ihren Ausgangspositionen aufgebrochen und ihr Erscheinen auf dem Schlachtfeld erst nach einigen Stunden zu erwarten! 

Die arg dezimierte Brigade Mondel begannen also gegen Mittag ihre neuen Positionen um Rognitz zu besetzten. 

Gen. Bonin war zu diesem Zeitpunkt der Ansicht, daß er es mit einer kleineren Abteilung der Österreicher zu tun hatte und dankte dem gegen Mittag Trautenau passierende Befehlshaber der 1. Gardedivision Gen. Hiller v. Gärtringen für sein Hilfsangebot. So zogen die Gardisten weiter, was Bonin später bitter bereuen mußte. Er traf seine Dispositionen für den weiteren Marsch Richtung Jitschin. Die neu vor Trautenau auftauchenden österreichischen Einheiten bemerkte man vorerst nicht.

Gegen 12.00 war es eine Batterie, eine Stunde später weitere 16 Kanonen und gegen 14.00 näherte sich die ganze Brigade Grivicic, die vor Rognitz ihre Tornister abgelegt hatte und die restliche Entfernung im Sturmschritt zurücklegte. 

Gegen 15 Uhr, als die 1.preussische Garde bereits weit hinter Trautenau marschierte, begann die österreichische Artillerie zu schießen. Die Brigade Grivicic trat gegen die nun von den Preußen besetzten Hügeln an, wurde aber durch das mörderische Feuer der Zündnadelgewehre zurückgeworfen. Der zweite Versuch galt der Umgehung des linken preussischen Flügels. Nun fingen die Preußen an zu wanken. Gegen 16 Uhr erreicht die Brigade Wimpffen das Schlachtfeld und unterstützt sofort die im Kampf stehenden Infanteristen und Jäger. Die anfangs organisierte Umgruppierung der Preußen verwandelt sich allmählich in einen totalen Rückzug auf der ganzen Front. FML Gablenz hatte gegen 17 Uhr zwei Verteidigungslinien der Preußen überrannt und setzte zum Sturm auf die Höhen an. In diesem Moment erscheint die noch frische Brigade Knebel. Grivicic bemüht sich um eine Umgehung der Flügel, Wimpffen stürmt in der Mitte. Er treibt seine Männer die 55 bis 60 Grad steilen Hänge hinauf, dreimal werden sie zurückgeworfen. Gen. Bonin erkennt seinen Fehler und ersucht durch einen Kurier die 1. Gardedivision zur Hilfe zu holen. Es ist zu spät. Die bis jetzt erfolglose Brigade Wimpffen wird durch die frischen Infanteristen Knebels abgelöste, auch Grivicic Männer treten nochmals an. FML Gablenz stellt sich selbst an die Spitze des 23 IR. Und so stolpern die Österreicher über ca. 2.000 ihrer toten Kameraden zu der Kapelle St. Johann auf dem Gipfel. Dort fallen 800 Mann und 18 Offiziere der Preußen. Gegen 18.30 fällt auch der Katzauer Berg in die Hände Grivicics, gegen 19 Uhr ist auch der Galgenberg in den Händen der Österreicher. Er wird später in Gablenzer-Höhe umbenannt. 

Die Intensität der Kämpfe kann man auch aus der  Anzahl der verbrauchten Patronen erahnen. So verschoß ein einziges Batallion das die Kapelle verteidigte 33.000 Patronen!! 

Gegen 21 Uhr gibt Gen Bonin den Befehl zum Rückzug. Die ermüdeten Infanteristen, die 11 Stunden im Kampf standen und bereits vorher einen mehrstündigen beschwerlichen Anmarsch hinter sich hatten, kehren nun in die Orte zurück, von denen sie gegen 4 Uhr Morgens aufgebrochen waren und die sie erst gegen 4 bis 5 Uhr Morgens am nächsten Tage erreichen werden. 

Bonin selbst war an diesem Desaster nicht ganz unschuldig. Von den 25 Batallionen die ihm zur Verfügung standen, kamen nicht mal die Hälfte zum Einsatz. Dafür wurde die zweite Hälfte beinahe geopfert. 

Die preussischen Verluste an Gefallenen betrugen 56 Offiziere und 1.282 bei den Mannschaften. 

Die österreichischen Verluste waren bedeutend höher (in allen Gefechten des Feldzug war das Verhältniss jeweils 1:4 bis 1:6). An Toten, Verletzten und Gefangenen waren 191 Offiziere und 4.596 Mann zu beklagen. Das IR Kaiser Franz Joseph, das zuguterletzt den Hügel mit der Kapelle erstürmt hatte, verlor die Hälfte seiner Mannschaft.
 
 

Die Tragödie dieses Treffen war, daß die vielen Soldaten auf der österreichischen Seite völlig nutzlos starben (soweit man überhaupt von "Nutzen" im Krieg sprechen kann!). FZM Benedek änderte innerhalb einiger Stunden mehrmals seine Dispositionen und am 28.6. um 7.30 Uhr hielt FML Gablenz die Order Benedeks in der Hand, die ihm befahl, Trautenau, in dem 5.000 seiner Soldaten ihr Leben gelassen hatten, kampflos zu räumen und sich mit seinem Korps Richtung Süden zu begeben. 

Nach 5 Tagen standen seine Männer bei Königgrätz, in der Schlacht, die wohl wie keine andere die weitere Entwicklung Europas im ganzen 20. Jahrhundert beeinflußt hatte.
 
 
 
 

Quelle: Slavomír Ravik, "Tam u Králového Hradce" Verlag REGIA Praha/CZ, 2001
 
 

 Harald Skala


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