| Die Schlacht bei Königgrätz am 03. Juli
1866
Nach den napoleonischen Kriegen wurden zwischen den europäischen
Mächten beim Wiener Kongress die zwischenstaatlichen Verhältnisse
in Europa neu geordnet. Im Deutschen Bund, einem losen Staatenbund, hatte
Österreich den Vorsitz.
Otto von Bismarck, Ministerpräsident Preussens, wollte die Vorherrschaft
im Bund für Preussen gewinnen.
Noch 1864 kämpften preussische und österreichische Truppen gemeinsam
gegen Dänemark. Ergebniss dieses Krieges war die gemeinsame Verwaltung
Schleswig-Holsteins durch Preussen und Österreich.
Bald aber gab es Unstimmigkeiten. 1865 fiel die Verwaltung von Holstein (ohne
Kiel) an Österreich. Im Juni 1866 besetzten preussische Truppen Holstein.
Anläßlich des Kongresses in Frankfurt a.M. am 14. 6. 1866 versuchte
Österreich noch den aufziehenden Konflikt zu entschärfen, jedoch
vergeblich. Der Großteil der deutschen Staaten stand auf der Seite
der Österreicher, es gelang jedoch nicht eine gemeinsame Strategie und
Bündelung der Kräfte gegen Preussen zu erreichen..
Preussen gelang es die einzelnen Staaten zu besiegen, allein Sachsen rettete
seine Armee, die am 19. 6. 1866 ihren Rückzug nach Böhmen antrat.
Frhr. v. Benedeck
Am 17. 6. 1866 wurde vom österreichischen Kaiser das Kriegsmanifest veröffentlicht,
mit dem die offiziellen Kriegshandlungen begannen. Die österreichische
Nordarmee konzentrierte sich im Raum Olmütz. Die preussische Elb-Armee
überschritt die böhmische Grenze am 22. 6. 1866 bei Schluckenau,
die 1. preussische Armee am 23. 6. bei Zittau. Am 23. 6. besetzten die Preussen
ohne auf Widerstand zu stoßen Reichenberg.
Der österreichische Oberbefehlshaber, Feldzeugmeister Frhr. von Benedek
war sich anfangs über die Stärke der preussischen Armeen nicht
im klaren. Nach Gefechten bei Trautenau, Náchod und Jitschin, bei
denen mal die Preussen, mal die Österricher die Oberhand behielten, konzentrierte
sich die österreichchische Armee bei der Festung Königgrätz
(Hradec Královè). Bis dahin waren die Verluste der Österreicher
aus den vorhergegangenen Gefechten 5x höher als die der Preussen und
die Moral der Österreicher demzufolge nicht besonders groß.
In der Nacht vom 3. 7. 1866 erteilte Frhr. v. Benedek die Order zur Schlachtaufstellung.
In der Mitte standen 44.000 Mann mit 134 Kanonen, am linken Flügel 51.000
Mann mit 140 Kanonen und am rechten Flügel 55.000 Mann mit 176 Kanonen.
Weitere 4.700 Mann, 11.400 Reiter und 320 Kanonen bildeten die Reserve.
Die Preussen marschierten in drei Kolonnen auf Königgrätz zu. Die
1. Armee unter Prinz Friedrich Karl mit 85.000 Mann in Richtung Sadová,
die Elb-Armee unter General Herwarth v. Bitterfeld mit 40.000 Mann sollte
in Richtung Nechanice vordringen und die 2. Armee unter Kronprinz Friedrich
Wilhelm mit 100.000 Mann von Norden gegen die Österreicher vorgehen.
Die erbittersten Kämpfe entbrannten um den Hügel bei Chlum. Auf
dem linken Flügel der Österreicher stieß die preussische Elb-Armee
gegen 8.00 Uhr auf die sächsischen Truppen, die sich vorerst mit dem
8. österreichischen Armeekorps behaupten konnten.
Am rechten Flügel begannen die Kämpfe gegen 9.00 Uhr und die Preussen
besetzten den Wald bei Svíb. Ohne Artillerievorbereitung und Wissen
der Heeresleitung versuchten die Österreicher unter Graf Festetics den
Wald zurückzuerobern. Ein heißer Kampf entbrannte um diesen unbedeutenden
Wald wobei der österreichische rechte Flügel entblößt
wurde.
Inzwischen erreichte gegen Mittag die 2. preussische Armee den Kampfplatz.
Benedek ordnete an, die Kämpfe um den Wald bei Svíb sofort einzustellen
und die vorgesehenen Standorte einzunehmen.
Die preussische 2. Armee rückte inzwischen vor und warf die Österreicher
hinter die Elbe zurück.
Gegen 14.00 Uhr gelang es der 1. preussischen Gardedivision den Hügel
bei Chlum zu besetzen. Zu dem Zeitpunkt befahl Benedek den Einsatz der Reserve.
Es gelang jedoch nicht den Hügel zurückzuerobern. In kürzester
Zeit verloren die Österreicher über 10.000 Mann.
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Oberst Johann Weyracher von Weidenstrauch
vom Infanterie-Regiment Hartung Nr. 47 wird schwer verwundet
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Da eine Einkesselung der gesamten österreichischen Armee drohte,
gab das Oberkommando gegen 16.00 Uhr die Schlacht auf und den Befehl zum Rückzug
auf Königgrätz. Die Truppen wurden durch preussische Kavallerie
verfolgt. Dabei kam es zu der letzten großen Kavallerieschlacht der
Geschichte.
Trotzt riesiger Verluste gelang es der österreichischen Kavallerie den
Vormarsch der Preussen zu stoppen. Die Truppen fluteten indessen auf die
Tore der Festung Königgrätz zurück, die jedoch geschlossen
waren. Erst spät nachts konnte die geschlagene Armee die Stadt passieren
und den Rückzug Richtung Holice fortsetzen. Die Preussen verfolgten die
Österreicher nicht - sonst wäre die Niederlage noch drastischer
ausgefallen.
Die Verluste der Österreicher waren imens: 5.700 Tote, 7.500 Vermißte
und genau soviel Verletzte, 22.000 Gefangene, außerdem 6.000 Pferde
und 200 Kanonen..
Auch die preussischen Verluste waren groß, wenn auch geringer als die
der Gegenseite. Fast 2.000 Tote, 300 Vermißte, 7.000 Verletzte und
940 Pferde.
Die Gründe für die schwere Niederlage der Österreicher waren
vielfältig:
- 1. die preussische Infanterie war bereits mit Zündnadelgewehren
von Nicolaus Dreyse ausgerüstet. Diese hatten die dreifache Feuer-Geschwindigkeit
als die österreichischen Vorderlader Model 1854. Allerdings war die Reichweite
und Treffsicherheit der österreichischen Gewehre besser.
- 2. Der Vorteil der - besseren - österreichischen Artillerie wurde
taktisch nicht voll genutzt.
- 3. Der österreichische Feldherr Benedek wollte die Schlacht nicht.
Er hatte noch kurz vorher an Kaiser Fanz Josef ein Telegramm mit der Bitte
um Aufnahme von Friedensverhandlungen geschickt, jedoch ohne Erfolg. Seine
Kenntnisse über die tatsächliche Stärke des Gegners und seiner
Bewegungen beim Anmarsch waren unzureichend, in einigen Fällen glaubte
er einfach den Meldungen seiner Späher nicht.
In der Umgebung von Königgrätz bestehen heute mehrere Gedenkstätten
und ein kleines Museum. Ein Verein, der 1888 gegründet wurde und nach
der politischen Wende 1989 wieder ins Leben gerufen wurde, bemüht sich
um die Denkstätten.
Von Zeit zu Zeit werden auf den alten Kampfstätten Rekonstruktionen der
Schlachtenszenen nachgestellt, so "Der entscheidende Sieg der preussischen
Garde auf Chlum" zum 130. Jahrestag der Schlacht.
Quellen:
Jan Jakl, Bitva u Hradce Králové L.P.1866. , Gemma s.r.o. Hradec
Králové 1996
Harald Skala
Siehe auch: Auswahlbgibliographie zum Krieg 1866. |